Montag, 7. November 2016

REZENSION: "Die Tribute von Panem 03: Flammender Zorn" (Suzanne Collins)

Copyright Oetinger Audio
Titel: Die Tribute von Panem: Flammender Zorn
Autor: Suzanne Collins
Genre: Dystopie / Jugendbuch
Sprecher: Maria Koschny
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Hörbuch Gesamtausgabe (24,99 €), HC, TB, eBook
Länge: 432 Minuten (432 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3837307184

Nach dem Desaster, das die 75. Hungerspiele beendete, kommt Katniss in Distrikt 13 wieder zu Bewusstsein. Sie erfährt, dass der Distrikt, von dem ganz Panem dachte, er sei zerstört worden, sich nach dem Krieg mit dem Kapitol unter die Erde zurückzog und von dort aus die Rebellion steuerte. Katniss' Aufgabe ist es nun, ihre Rolle zu spielen und dem Widerstand als Spotttölpel ein Gesicht zu geben. Doch sie fragt sich, ob sie damit wirklich das Richtige tut. Während Katniss' Freund Gale voll in seiner Rolle als Rebell aufgeht, zweifelt sie selbst an den Absichten von Präsidentin Coin, dem Oberhaupt von Distrikt 13. Gleichzeitig wird Katniss schmerzlich bewusst, dass alles, was sie für die Rebellen tut, Peeta schaden wird. Denn er wird vom Kapitol gefangen gehalten und von Snow für seine Zwecke missbraucht...
Wie auch die Cover der anderen beiden Bände gefällt mir dieses hier nicht besonders. Es hat einfach nicht wirklich einen Bezug zur Geschichte. Da passen die englischen Cover wesentlich besser.

Geschichte und Erzählstil:

Flammender Zorn ist der Abschluss der Panem-Trilogie und gleichzeitig der Teil der Buchreihe, der mich nicht ganz so überzeugen konnte. Schon beim ersten Lesen nicht. Aber der Reihe nach: Nach dem desaströsen Ende der 75. Hungerspiele findet sich Katniss in Distrikt 13 wieder, der seit der Auseinandersetzung mit dem Kapitol im Verborgenen existiert. Und sie erfährt, dass ihr Heimatdistrikt 12 dem Erdboden gleich gemacht wurde - nur Gale und einer Handvoll Leuten, einschließlich Katniss' Familie, gelang die Flucht. Zu allem Übel wird Peeta von Präsident Snow festgehalten und niemand weiß zunächst, was man ihm antut oder ob er überhaupt noch lebt. Eine schlimme Ausgangssituation für Katniss. Im ersten Teil des Romans ist sie wütend, verzweifelt und einfach hoffnungslos, was man absolut nachvollziehen kann. Unter diese Gefühle mischen sich Zweifel an der Rebellion und an Coins Herrschaft.

Grundsätzlich fand ich Katniss' innere Zerrissenheit und den Aufbau von Distrikt 13, der insgesamt sehr militärisch organisiert und ähnlich wie Panem hierarchisch aufgebaut ist, ziemlich spannend. Es tut der Geschichte und dem Spannungsbogen gut, dass dieser Teil zum einen im Buch und zum anderen noch einmal beim Hörbuch relativ gerafft, aber intensiv ist. Wie Katniss sich nach ihrer anfänglichen Lethargie doch noch in den Spotttölpel verwandelt, wie die Angriffe des Kapitols auf die anderen Distrikte ihren Kampfgeist wecken und wie sie gemeinsam mit Finnick (einer meiner Liblingscharaktere) neuen Mut fasst - all das ist spannend mitzuverfolgen. Und auch Distrikt 13 selbst ist ziemlich interessant. Als Leser hat man von Anfang an den Eindruck, dass er sich in seinen Grundsätzen nicht wesentlich vom Kapitol unterscheidet. Schließlich dürstet es Coin nach Macht: Sie will nicht nur Snows Schreckensherrschaft beenden und die Distrikte befreien, sondern sich vor allem selbst an Panems Spitze setzen. Unterschwellig ist sie daher bis zum Schluss eine versteckte Bedrohung, von der (so scheint es) nur Katniss eine Ahnung hat.

Tatsächlich ist der erste Teil von Flammender Zorn meiner Meinung nach der stärkste des ganzen Buchs, weil er so klug geschrieben ist und voller Emotionen und subtiler Hinweis steckt. Mit der Rettung von Peeta flacht die Handlung in meinen Augen etwas ab, denn ab da ist Katniss irgendwie nur noch das verliebte und verletzte Mädchen. Ich habe ja bereits in der Rezension zum zweiten Teil geschrieben, dass ich die Liebesgeschichte zwischen Katniss und Peeta nicht ganz nachvollziehen kann und sie mir ein wenig unglaubwürdig und weit hergeholt erscheint. Ist es vielleicht tatsächlich so, wie Gale es vermutet: Dass Katniss nicht von Gefühlen geleitet wird, sondern einfach von pragmatischem Denken? Dass sie sich ihren Partner entsprechend seiner Vorteile für ihr eigenes Leben auswählt? Auch diesen Gedanken kann ich nicht ganz nachvollziehen, er ist für mich eher ein Zeichen für Gales Verbitterung und Enttäuschung. Es wird ja aus der Ich-Perspektive erzählt und deswegen lauscht man durchweg Katniss' Gedanken. Ich hatte dabei eher das Gefühl, dass die Hungerspiele ihr die Liebe zu Peeta aufgezwungen haben und sie letztendlich selbst daran glaubt. Nicht wirklich romantisch und für mich nicht hundertprozentig zufrieden stellend.

Die Wochen im Kapitol oder, wie Katniss und Finnick sie nennen, die 76. Hungerspiele sind dann schließlich spannend, aber in meinen Augen nicht ganz so gut gelungen wie die Spiele in den Vorgängerbänden. In diesen beweist Suzanne Collins eigentlich, dass ihr Kampfszenen liegen, beim Vormarsch ins Kapitol hat man aber das Gefühl, dass irgendwie die Luft raus ist. Hauptsache, die Menschen sterben und der Spotttölpel kommt ans Ziel. So war mein Empfinden beim Lesen/Hören. Hinzukommt, dass sehr zu meiner Enttäuschung bei diesem Hörbuch doch sehr viel und schlecht gekürzt wurde. Es fehlen essentielle Stellen (Katniss' Lied "Hanging Tree" wurde beispielsweise komplett herausgeschnitten und auch Finnicks Enthüllungen über Präsident Snow und seine Liebesbeziehung sowie einige Szenen der Schlacht um das Kapitol werden mit keiner Silbe erwähnt) und das finde ich sehr schade. Es gibt ja auch eine ungekürzte Vertonung als MP3-Datei beziehungsweise MP3-CD - wenn man den dritten Teil hören will, sollte man es definitiv eher damit versuchen.

Was mich dann aber doch wieder komplett überzeugt hat (auch beim Hörbuch), ist das Ende. Hier kommt ja dann noch einmal ein Twist, mit dem ich so absolut nicht gerechnet hatte und der Katniss für mich zu einer beispiellosen Antiheldin macht, deren Weitsicht und Klugheit in diesem Moment einfach beeindruckend sind. Wer das Buch beziehungsweise den Film kennt, weiß wovon ich rede. Wer nicht, dem seit gesagt: Mach dich auf ein unerwartetes, sensationelles Ende gefasst! Damit konnte Collins für mich noch einmal das Ruder herumreißen, andernfalls hätte mich der Abschluss der Trilogie sicher etwas enttäuscht.

Sprecher:

Nachdem ich ja schon die anderen beiden Teile gehört und rezensiert habe, muss ich zur Sprecherin - Maria Koschny - sicher nicht mehr viel sagen. Sie ist die deutsche Synchronstimme von Jennifer Lawrence und verkörpert Katniss perfekt. Ich schätze sie als Leserin von Hörbüchern unheimlich und kann euch beispielsweise auch die Hörbuchfassung von David Safiers 28 Tage lang wärmstens empfehlen

Flammender Zorn ist meiner Meinung nach der schwächste Teil der Panem-Trilogie, wartet aber mit einem fulminanten und einfach grandiosen Ende auf, das einiges doch noch wettmacht. Leider hat mich die Hörbuchfassung diesmal nicht ganz überzeugen können, obwohl Maria Koschny wieder unglaubliche Arbeit leistet. Es wurde einfach zu viel gekürzt, wichtige Stellen fehlen und wurden so unglücklich herausgeschnitten, dass man das beim Hören ganz einfach merkt. Trotzdem: Wenn ihr das Buch schon gelesen habt, ist das Hörbuch wirklich gute Unterhaltung. Ansonsten empfehle ich euch die ungekürzte Version als MP3.



Die Reihe:

3. Band: Die Tribute von Panem: Flammender Zorn

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen