Montag, 21. November 2016

REZENSION: "Die Schattenschwester" (Seven Sisters 03) (Lucinda Riley)

Copyright Goldmann Verlag


Titel: Die Schattenschwester
Autor: Lucinda Riley
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (19,99 €)
Seiten: 608
ISBN: 978-3442313969





Asterope, von allen nur "Star" genannt, ist die dritte der sechs Schwestern, die unter der Obhut von Pa Salt, ihrem Adoptivvater, auf dem märchenhaften Anwesen Atlantis am Genfer See aufwuchsen. Von frühester Kindheit an bis hinein ins Erwachsenenleben stand Star im Schatten ihrer fast gleichaltrigen Schwester CeCe und war gleichzeitig so eng mit ihr verbunden wie mit niemandem sonst. Doch nach Pa Salts Tod und dem Hinweis auf ihre Vergangenheit und ihre biologischen Eltern, den Pa Salt allen seinen Töchtern hinterlassen hat, beginnt sich das zu ändern. Star spürt, dass sie sich endlich von CeCe lösen und ihr Leben in die eigene Hand nehmen muss. Dieser Entschluss führt sie zunächst in eine verträumte Londoner Buchhandlung und von dort aus schließlich in ein altes Herrenhaus in Kent, wo sie auf eine geheimnisvolle Geschichte um eine Frau namens Flora stößt. Eine Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt und alles getan hat, um die, die sie liebte, zu schützen...

Das Cover passt sehr gut zu der verträumten, leicht romantischen Geschichte. Wie alle deutschen Cover zu Lucinda Rileys Romanen finde ich es aber wieder einen Ticken zu kitschig - man könnte es glatt für einen Pilcher Roman halten. Obwohl die raue englische Landschaft mit dem alten Landhaus andererseits einfach wunderschön ist... Trotzdem: Die Originalcover gefallen mir wesentlich besser.

Lange habe ich auf den dritten Band von Lucinda Rileys "Sieben Schwestern"-Reihe gewartet, denn wie ihr wisst bin ich ein großer Fan der britischen Bestsellerautorin. Nachdem in den ersten beiden Bänden die Geschichten der ältesten Schwestern Maia und Ally erzählt wurden, widmet sich Riley in Die Schattenschwester nun der unscheinbaren Star. In den anderen Romanen hat man sie als Schatten der extrovertierten CeCe kaum wahrgenommen, weshalb der Titel einfach phänomenal zu ihrer Geschichte passt.

Was mir bei diesem Teil auf Anhieb sehr gut gefallen hat: Anders als in den ersten beiden Bänden verzichtet Riley diesmal auf eine lange Vorrede und auch auf die Wiederholung der Ereignisse, die nach Pa Salts Tod stattfinden. Trotzdem findet man leicht wieder in die Geschichte hinein und hat sich nach wenigen Seiten das außergewöhnliche Schicksal der sechs adoptierten Schwestern wieder ins Gedächtnis gerufen. Nur einige wenige Passagen, die man schon aus den Vorgängerbüchern kennt, werden in Die Schattenschwester noch einmal aus einer anderen Perspektive beleuchtet - nämlich aus der von Star. Denn um sie geht es im dritten Band der Reihe.

Star wirkt von Anfang an wie ein verschüchtertes Mauerblümchen, das eigentlich nie darüber nachdenkt, was sie selbst will, sondern ihr Leben voll und ganz nach ihrer Schwester CeCe richtet. Einige große Chancen hat Star deshalb bereits verstreichen lassen und man hat das Gefühl, dass sie zwar unglücklich ist, sich aber irgendwie damit abgefunden hat. Die Beziehung zwischen ihr und CeCe ist extrem ungesund und kommt einem als Leser bisweilen schon sehr merkwürdig vor. Die beiden sind regelrecht abhängig voneinander und tut Star doch einmal etwas auf eigene Faust, hat sie tagelang ein schlechtes Gewissen und kann ihrer Schwester nicht in die Augen sehen. Gerade am Anfang fragt man sich daher, wie sie es denn jemals aus eigenem Antrieb heraus schaffen soll, den Hinweisen, die Pa Salt ihr hinterlassen hat, zu folgen und die Geheimnisse ihrer Vergangenheit aufzudecken. Da verwundert es wenig, dass Star genau das gar nicht aktiv tut, sondern eher zufällig darüber stolpert. Ich persönlich finde es sehr erfrischend, dass es diesmal nicht um eine starke, selbstbewusste junge Frau geht, sondern um eine Protagonistin, die erst einmal aus dem Schatten ihrer Schwester heraustreten muss, um sie selbst zu sein.

Pa Salts Hinweise führen Star zunächst in eine kleine, versteckte Buchhandlung in London, wo sie den ziemlich verschrobenen Besitzer Orlando kennenlernt. Beides schließt Star sofort ins Herz und nicht nur sie - sowohl die Buchhandlung als auch Orlando wirken wie aus der Zeit gefallen und sind so atmosphärisch, dass man beides direkt vor Augen hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als es sich dort gemütlich zu machen und in den verstaubten Regalen nach Schätzen zu stöbern. Star, die sich schon immer für englische Literatur begeistert hat, wird also kurzerhand von Orlando als Aushilfe eingestellt und wird schon bald seine einzige richtige Freundin. Und das wiederum führt sie nach Kent, auf einen alten englischen Landsitz, auf dem Orlandos Cousine mit ihrem Sohn sowie sein unnahbarer Bruder (lustigerweise heißt er Maus) leben. Star verliebt sich in das etwas in die Jahre gekommene Anwesen und stößt hier auch auf die Spur, auf die Pa Salts Abschiedsbrief sie ursprünglich bringen sollte.

Von da an wird wie in Rileys anderen Romanen auf zwei Zeitebenen erzählt. Neben Star lernen wir nun auch Flora MacNichol kennen, eine junge Frau, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwuchs und irgendetwas mit Stars Familie zu tun haben soll. Mir haben die Passagen, in denen man als Leser in das edwardianische England eintaucht, unheimlich gut gefallen. Die Orte (Schottland, Kent und London) beschreibt Lucinda Riley gewohnt bildhaft und authentisch, sodass man sich ihnen nicht entziehen kann. Auch die Figuren haben mich überzeugt - Flora ist eine bemerkenswerte junge Frau, die sich wenig um gesellschaftliche Konventionen schert, sondern sich leidenschaftlich um Tiere und Pflanzen kümmert. Sie ist ein Freigeist und trotzdem will sie für ihre Familie nur das Beste und macht daher einen folgenschweren Fehler, der nicht nur sie selbst, sondern auch ihre jüngere Schwester Aurelia und schließlich den Mann, den sie liebt, ins Verderben stürzt. Zusätzlich gibt es ein wohl gehütetes Geheimnis, das Flora umgibt und das letztendlich ihr gesamtes Leben beeinflusst. Noch authentischer machen die Geschichte übrigens einige historische Persönlichkeiten wie etwa König Edward VII und die weltberühmte Kinderbuchautorin Beatrix Potter, die Floras engste Vertraute und beste Freundin ist.

Sowohl Floras als auch Stars Geschichte sind geprägt von großen Gefühlen, dunklen Geheimnissen und herben Enttäuschungen und in Kombination mit den wundervollen Orten, die Lucinda Riley als Schauplätze gewählt hat, haben wir wieder die Zutaten für eine gefühlvoll und leicht melancholisch erzählte Familiengeschichte. Obwohl das Tempo wie gewohnt eher gemächlich ist und man ab und an Schwierigkeiten hat, sich alle Charaktere zu merken, ist der Roman durchweg spannend und man mag ihn gar nicht aus der Hand legen. Allerdings gab es auch diesmal wieder ein paar klitzekleine Unstimmigkeiten, die nicht ganz zur Geschichte passen. So habe ich etwa Orlando nach Rileys Beschreibung für einen verschrobenen Herrn Ende 50, Anfang 60 gehalten. Tatsächlich aber soll er 35 sein - als das offenbart wurde, bin ich aus allen Wolken gefallen. Für mich passt das überhaupt nicht. Und dann ist da auch noch die Pantherfigur, die Pa Salt Star hinterlassen hat und deren Rätsel am Ende auch nicht vollständig gelüftet wird. Ich frage mich, ob das vielleicht später noch einmal auftaucht. Wenn nicht, bin ich nicht ganz zufrieden mit der Aufklärung der Geschichte um die Figur.

Mit Die Schattenschwester hat Lucinda Riley mir wieder einmal ein paar wundervolle, verträumte Lesestunden beschert und mich mit ihrer doch eher zurückhaltenden, stillen Protagonistin auch ein wenig überrascht. Die Geschichte selbst hat einige kleinere Schwachstellen, ist davon abgesehen aber einfach wunderschön mitzuverfolgen und fesselt mit dunklen Geheimnissen und magischen Orten. Wieder bleiben am Ende einige Fragen offen und ich bin sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte der sieben Schwestern noch weiterentwickeln wird.



Die Reihe:

3. Band: Die Schattenschwester

...4 weitere Bände folgen

2 Kommentare:

Janine B. hat gesagt…

Hallo liebe Svenja,

ich habe „Die Schattenschwester“ auch kürzlich erst gelesen und vorhin rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift “Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch” verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich wieder raus, ja? 😉 Hier der Link: Die Schattenschwester - Lucinda Riley

Alles Liebe ♥,
Janine

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Janine :)

Dankeschön fürs Verlinken - darüber freuen wir uns immer total *_*

Liebe Grüße
Svenja

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