Donnerstag, 20. Oktober 2016

REZENSION: "Holding Up the Universe" (Jennifer Niven)

Copyright Penguin Random House UK


Titel: Holding Up the Universe
Autor: Jennifer Niven
Genre: Jugendroman
Verlag: Penguin Random House UK
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (8,99 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-0-141-35705-8

Libby Strout war einst Amerikas dickster Teenager. Jetzt - dreihundert Pfund leichter - kehrt sie wieder in die Schule zurück, bestrebt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Doch leider muss sie feststellen, dass sich in der High School nichts geändert hat. Ihre Mitschüler sehen noch immer nur ihr Gewicht und setzen alles daran, ihr das Gefühl zu geben, nicht willkommen zu sein.
Jack Masselin ist beliebt und umschwärmt, doch es gibt etwas, das niemand über ihn weiß: er leidet unter Prosopagnosie. Er kann keine Gesichter erkennen - nicht einmal die seiner eigenen Familie. Seine Mitmenschen kann er lediglich über bestimmte Identifikationsmerkmale zuordnen.
Als diese zwei Charaktere aufeinanderprallen, verändern sich ihre Welten. Denn in Libby findet Jack eine Person, die ihn besser versteht als jeder andere, und Libby jemanden, der mehr sieht als nur die Fassade.  


Wenn ich ehrlich sein soll, dann finde ich das Cover etwas zu schlicht geraten. Es gibt einem einfach keine Anhaltspunkte, was man von der Geschichte erwarten könnte.  

Gleich zu Anfang muss ich gestehen, dass ich mit Libby und Jack als Protagonisten nicht auf Anhieb warm geworden bin. Das lag wohl vor allem daran, dass ich noch nicht recht abschätzen konnte, was sie für Persönlichkeiten sind. Von Libby hatte ich erst den Eindruck, sie würde sich selbst in der Opferrolle sehen. Damit lag ich jedoch völlig falsch, denn jedes Mal, wenn sie sich in ihren inneren Monologen selbst "beleidigt" hat, war das für sie nur ein Weg, sich vor den Kommentaren der anderen zu wappnen. Es mag paradox klingen, aber ich konnte ihre Gedankengänge sehr gut nachvollziehen: es ist eine Art Selbstschutz, da man versucht, potenziellen Mobbern zuvorzukommen. Jack teilt diese Auffassung, weshalb er sich bemüht, nicht aus seiner Rolle als umschwärmter Sportler zu fallen. Auch wenn er eigentlich nicht derjenige ist, der sich über andere lustig macht oder sie mobbt, tut er jedoch auch nichts, um seine Freunde davon abzuhalten. Deswegen war ich anfangs etwas schlecht auf ihn zu sprechen. Aber auch das hat sich mit der Zeit gegeben, da er irgendwann entsprechend seines durchaus vorhandenen Gerechtigkeitssinns gehandelt hat. Seine Krankheit wiederum war mir bis jetzt unbekannt und ich stelle es mir sehr schwierig und zermürbend vor, niemanden um mich herum zu erkennen. Ich weiß nicht, wie er sie so lange geheim halten konnte. Außerdem hat es mich zum Grübeln gebracht, was wohl meine Identifikationsmerkmale wären. Hat jeder Mensch eine oder mehrere Merkmale, die ihn von anderen abheben? Gerade bei Zwillingen stell ich mir das ungeheuer schwierig vor. 
Bei solchen Gegensätzen konnte ich mir zunächst nicht vorstellen, dass die beiden miteinander harmonieren könnten. Aber auch hier wurde ich glücklicherweise eines Besseren belehrt - und dabei hat ihre Beziehung auf die denkbar schlechteste Weise begonnen, die man sich nur vorstellen kann. Jack hat sich (hauptsächlich aus Gruppenzwang) an einem Spiel beteiligt, das sich "Fat Girl Rodeo" nennt. Der Name suggeriert schon, dass es nichts Gutes ist. Im Prinzip besteht die Aufgabe darin, ein fettes Mädchen möglichst lange in einer Umarmung regelrecht einzuklammern, bevor sie einen "abwirft". Das klingt nicht nur absolut grausam, sondern ist es auch! Und das Schreckliche ist: dieses Spiel existiert auch noch im realen Leben. An der Stelle musste ich mich fragen: Warum?! Warum tun Jugendliche einander so etwas an? Warum können sie sich nicht um ihren eigenen Kram scheren? Müssen sie ihre eigenen Unsicherheiten wirklich auf diese Art und Weise kompensieren? Man merkt schon: dieser Aspekt der Geschichte hat mich enorm aufgewühlt. Und da er sich beständig durch den Roman zieht, hat er mich (auch jetzt noch) nicht losgelassen. Zumal Jenniver Niven sehr eindrucksvoll und authentisch schildert, was das Mobbing bei Libby bewirkt. Das Beeindruckende an Libby ist jedoch, dass sie sich wehrt, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Sie ist in der Beziehung ein Paradebeispiel an Kampfgeist, denn sie schluckt nicht nur alle fiesen Kommentare, sondern geht aktiv gegen ihre Mobber vor. Ich wünschte, mehr Menschen wären so wie sie. Ihr Verhalten hat mich persönlich unglaublich aufgebaut und motiviert. Denn auch, wenn ich selbst nicht in derselben Situation bin wie sie, so bin auch ich (und jeder andere wohl auch) hin und wieder von Selbstzweifeln geplagt. Und genau da wirkt dieser Roman Wunder!
Aber zurück zu Jack und Libby als Dreamteam. Die zwei sind wirklich auf einer Wellenlänge. Sie verstehen sich gegenseitig, sind füreinander da und geben sich die Kraft, sich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen. Das zeugt von einer ungemeinen Reife und von der Tiefe ihrer Gefühle. Sie kratzen nicht nur an der Oberfläche und daher erschien mir ihre Liebe glaubhaft, auch wenn sie sich recht schnell entwickelt hat. Dennoch haben sie auch unbeschwerte Momente. Besonders ihre spielerischen und neckischen Dialoge sind sehr unterhaltsam und haben der zugrundeliegenden Thematik öfter die Schwere genommen.
Abgesehen von den beiden gibt es noch eine Reihe von interessanten Nebencharakteren, die ich jetzt nicht ausführlich erläutern werde. Nur diese zwei will ich mal kurz erwähnen: Dusty, Jacks kleiner Bruder, und Libbys Vater haben zusätzliche Highlights gesetzt, denn sie sind einfach genial! 


Die Botschaft des Romans ist einfach wunderbar und hat meine Sicht auf die Dinge eindeutig verändert. Meiner Meinung nach hat der Roman Schulstoffpotenzial. Außerdem ist dies eine der Geschichten, aus der man Kraft schöpft, die einen aufbaut, wenn man sich schlecht fühlt. Ich hab mich hinterher regelrecht beschwingt gefühlt und als ob ich es mit jedem aufnehmen könnte. Von daher war das Lesen für mich Ballsam für die Seele.
Auch die zuckersüße Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen, auch wenn die Entwicklungen (besonders zum Ende hin) etwas rasant waren. Hier hätte ich mir gewünscht, Niven hätte sich mehr Zeit genommen.  

 


2 Kommentare:

Sandy hat gesagt…

Auch bei dem Buch habe ich viel überlegt, und die Rezi hat mir richtig Lust auf mehr gemacht :D Das mit dem Ende ist zwar schade, aber die Protagonisten klingen toll und die Thematik ist auch unglaublich wichtig. Mal schauen wann es bei mir einziehen darf und wie ich es finde!

Allerliebste Grüße, Sandy von BlackTeaBooks ☕

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Sandy,
ich finde es definitiv lesenswert - trotz des Endes. Irgendwo muss man ja Abstriche machen ;)
Vielleicht liegt es ja unter deinem Weihnachtsbaum^^
Wenn du es fertig hast, würd ich mich über ein kleines Feedback freuen (oder einen Rezensionslink) :)

Ganz liebe Grüße,
Katha

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