Freitag, 21. Oktober 2016

REZENSION: "Das Café der kleinen Wunder" (Nicolas Barreau)

Copyright Thiele Verlag


Titel: Das Café der kleinen Wunder
Autor: Nicolas Barreau
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Thiele Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hard Cover mit Schutzumschlag (20,00 €)
Seiten: 357
ISBN: 978-3-85179-368-0


Gerade als die junge Nelly dem Mann, den sie liebt, ihre Gefühle gestehen will, eröffnet er ihr, dass er sich in einer neuen Beziehung befindet. Während sie sich in ihrem Liebeskummer suhlt und sich zu Hause verschanzt, fällt ihr ein Buch in die Hand, das einst ihrer Großmutter gehört hat. Darin sind die Worte Omnia vincit amor geschrieben - Die Liebe besiegt alles. Nelly ist sofort davon überzeugt, dass die Worte einst für ihre Großmutter dort hinterlassen wurden und wittert ein Geheimnis. Kurzentschlossen macht sie sich nach Venedig auf, um den Verfasser der Botschaft aufzuspüren. Die Suche nach der Liebesgeschichte ihrer Großmutter richtet aber auch in ihrem eigenen Liebesleben allerhand Chaos an.


Ich finde das Cover einfach wunderschön. Es fügt sich in die Reihe der übrigen Barreau-Romane ein, ist jedoch keineswegs eine langweilige Wiederholung desselben Motivs. Es fängt die Mittelmeeratmosphäre sehr gut durch die Erdtöne im Hintergund ein. Auch die abgebildete junge Frau finde ich sehr hübsch und passend, denn so ähnlich hätte ich mir Nelly tatsächlich vorgestellt. oder vielleicht war mein Bild von ihr durch das Cover schon vorgeprägt. Sei es, wie es sei - Story und Cover harmonieren jedenfalls miteinander.

Den neuen Barreau hatte ich wirklich mit Sehnsucht erwartet, da ich bisher jeden seiner Romane verschlungen habe. Die Charaktere, die er schafft, sind geistig immer etwas vernab der Welt, sodass man sie sofort ins Herz schließt. Nelly, die Protagonistin, ist da keine Ausnahme. Sie ist deshalb so zauberhaft, weil sie in sich so widersprüchlich ist: naiv und verträumt einerseits, bodenständig und entschlossen andererseits. Im Klartext heißt das: sie schmachtet ihrem Professor hinterher, malt sich verschiedene Szenen aus, wie eine gemeinesame Zukunft aussehen könnte und hängt ihren eigenen Fantasievorstellungen hinterher, aber schon ein paar Sekunden später rügt sie sich selbst dafür, dass sie a) ihre Zeit mit unrealistischen Tagträumen vergeudet, anstatt aktiv zu werden, und b) ihre (ihrer Meinung nach) vollkommen irrationale Flugangst nicht überwinden kann, selbst wenn davon ihr privates Glück abhängt. Die inneren Dialoge, die dadurch zustande kommen, sind unterhaltsam und süß, da sie mit einer gewissen Selbstironie wiedergegeben werden. Auch ihre Abneigung gegen gutaussehende Männer fand ich bezaubernd (auch wenn ich sie nie und nimmer teilen würde).
Man muss Barreau an der Stelle wirklich zugute halten, dass er mich erst auf die falschen Fährte gelockt hat. Ich hab ja nach den ersten Kapiteln gedacht, Nelly würde sich in jemand ganz anderen verlieben. Ich bin mehr als froh, dass meine Befürchtungen nicht wahr geworden sind und ihr romantisches "Abenteuer" erst in Venedig begonnen hat.
Von Barreau bin ich seit jeher sehr verzwickte, unglückliche Komplikationen im Plot gewöhnt, die die Protagonisten und den Leser auf Trab halten. In Das Café der kleinen Wunder muss man jedoch mit einem kleinen Gefühlschaos Vorlieb nehmen. Es gibt durchaus Missverständnisse, aber mir fehlte der Herzschmerz ein wenig. Ich hatte den Eindruck, als plätscherte die ganze Handlung einfach vor sich hin, ohne dass es besondere Höhepunkte gegeben hätte. Genau genommen gab es exakt einen Moment, bei dem ich dachte: "Jetzt kommt die Katastrophe!" - aber die hat sich (zu meinem Bedauern) schon recht schnell in Wohlgefallen aufgelöst. An sich sind Nelly und ir Venezianer zwar süß zusammen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass es eine überwältigende Liebesbeziehung ist bzw. werden würde. Entsprechend haben mich die gesamten Entwicklungen nur mäßig fesseln können. Auch das "Geheimnis" um die verflossene Liebe ihrer Großmutter konnte mich nicht allzusehr begeistern. Das Ende (Vorsicht Spoiler!) ist meines Erachtens auch viel zu paradiesisch geraten und bringt den Roman zu einem viel zu raschen, etwas unbefriedigenden Abschluss.
Was Barreau aber auch in diesem Roman zweifellos gelungen ist, ist die Kreation der richtigen Atmosphäre. Durch liebevolle Deatails und bildhafte, wortgewaltige Orts- und Personenbeschreibungen fühlt man sich erstens den Figuren verbunden und hat das Gefühl, in ihren Köpfen herumzuspazieren, und zweitens ist es, als würde man sich beim Lesen gerade in Paris bzw. in Venedig befinden. Trotzdem kann das über meine Kritikpunkte nicht hinwegtrösten.


Ich habe mich enorm auf diesen neuen Roman gefreut, aber leider musste ich feststellen, das es von allen Barreau-Romanen der schwächste ist. Die Protagonisten sind wie immer liebenswürdig und verschroben, die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen, aber die Story selbst kommt nicht richtig in Gang. Es fehlte leider an Highlights, die einen in Atem halten und das Herz in Aufruhr versetzen. 

 


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