Freitag, 14. Oktober 2016

REZENSION: "Das Bild aus meinem Traum" (Antoine Laurain)

Copyright Atlantik Verlag


Titel: Das Bild aus meinem Traum
Autor: Antoine Laurain
Genre: Roman
Verlag: Atlantik
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (20,00 €)
Seiten: 192
ISBN: 978-3455650457




Pierre-Francois Chaumont ist nicht nur ein ausgezeichneter Anwalt, sondern vor allem ein leidenschaftlicher Sammler von Kunstgegenständen. In dem Auktionshaus unweit seiner Kanzlei ist er Stammgast und das hat ihm schon so manchen Ärger mit seiner unverständigen Frau Charlotte eingebracht. Doch eines Tages ändert sich alles: Bei einer Auktion findet Pierre das Porträt eines Grafen und ist begeistert. Der Mann mit Perücke gleicht ihm bis aufs Haar und er beschließt, dass er dieses Gemälde unbedingt haben muss. Doch weder seine Frau noch seine Freunde wollen eine Ähnlichkeit zwischen ihm und dem fremden Mann erkennen und so stellt Pierre selbst Nachforschungen an, bei denen er auf ein altes Adelsgeschlecht und ein traumhaft gelegenes Weingut stößt. Und auf diesem Schloss wartet eine schöne Frau schon seit Jahren auf ihren verschollenen Liebsten...

Ich finde es großartig, dass man die Bücher vom Atlantik Verlag immer direkt erkennt. Auch das Cover zu Antoine Laurains neuem Roman Das Bild aus meinem Traum ist wieder sehr künstlerisch gestaltet, etwas abstrakt und verträumt. Die roten Umrisse des Paares auf hellblauem Grund und der antike Bilderrahmen wirken stimmungsvoll und harmonisch und passen wunderbar zur Geschichte. Ein sehr hübsches Cover!

Mit dem neuen Roman von Antoine Laurain, Das Bild aus meinem Traum, hat mich der Atlantik Verlag im September überrascht und ich habe mich sehr darüber gefreut, denn schon Der Hut des Präsidenten war für mich etwas ganz Besonderes. Heute erscheint das neue Buch des französischen Bestsellerautors offiziell und ich möchte die Gunst der Stunde natürlich nutzen, um euch einen weiteren, ganz speziellen Titel aus dem Atlantik Verlag vorzustellen.

In Das Bild aus meinem Traum geht es um den erfolgreichen Anwalt für Patentrecht Pierre-Francois Chaumant, der zusammen mit seiner Frau in einer schicken Wohnung in Paris lebt. Pierres Leidenschaft ist es, wertvolle Kunstgegenstände zu sammeln, und er gibt regelmäßig Unsummen in seinem Lieblings-Auktionshaus aus. Dabei merkt man schnell, dass Pierre mit seiner Sammelwut etwas zu kompensieren versucht: Nämlich, dass sein Leben zwar aufgrund seines gut bezahlten Jobs und seiner schönen Frau alles in allem recht angenehm, aber darüber hinaus nicht besonders befriedigend ist. Etwas fehlt in seinem Leben und aus diesem Grund klammert sich Pierre verzweifelt an alte Gegenstände, denn sie erzählen die Geschichten ihrer Vorbesitzer. Seine eigene ist im Vergleich dazu leider überhaupt nicht erwähnenswert.

Und das ist der Knackpunkt der Geschichte: Durch das Sammeln - nämlich, indem er in seinem Auktionshaus auf das Porträt eines Mannes stößt, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht - findet Pierre einen Weg, seinem eintönigen Leben zu entkommen. Niemand will die frappierende Ähnlichkeit zwischen ihm und dem geheimnisvollen Grafen erkennen und das veranlasst Pierre, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Und bei diesen stößt er auf ein altes französisches Adelsgeschlecht und auf ein Schloss, auf dem eine schöne Frau seit Jahren auf die Rückkehr ihres verschollenen Ehemanns wartet. Was dann folgt, ist eine Reihe von spontanen Entscheidungen und glücklichen Zufällen, die Pierres Leben von grundauf ändern und ihm endlich einen Sinn geben.

Wie schon die Figuren in Der Hut des Präsidenten lässt auch Pierre sich ganz einfach von diesen zufälligen Begebenheiten und Launen des Schicksals treiben und beschließt, sich auf das, was das Leben ihm vor die Füße wirft, einzulassen. Und das sind so einige skurrile Situationen, die alle dazu führen, dass Pierre sich nach endlosen Jahren der Suche und vergeblichen Kompensation durch das Sammeln endlich selbst findet und auch die große Liebe. Hat man zu Beginn noch das Gefühl, dass er irgendein Durchschnitts-Typ mit einer verrückten Obsession und einer keifenden Ehefrau ist, so bewundert man gegen Ende des kurzen Romans seine Konsequenz und seine Entschlossenheit, sein altes Leben hinter sich zu lassen, um endlich richtig zu leben und nicht mehr nur so nebenbei zu existieren.

Damit ist Das Bild aus meinem Traum wieder ein sehr tiefgründiger Roman darüber, dass man manchmal einfach etwas wagen und die Chancen, die das Leben einem bietet, ergreifen sollte. Die Geschichte vom Anwalt, der auszog, um das Leben und das Lieben zu lernen, ist an manchen Stellen sehr philosophisch, aber auch fantastisch. Denn um zu verdeutlichen, dass es im Leben viel mehr Chancen zur Selbstverwirklichung gibt, als man denkt, greift Antoine Laurain zu einem Stilmittel, dass man schon aus Der Hut des Präsidenten kennt: Überspitzte Darstellung. Ich möchte natürlich nicht verraten, was es ist, das Pierre auf diesem Schloss vorfindet, aber es ist auf jeden Fall überraschend und ein bisschen abgedreht und unwahrscheinlich. Und genau das ist es, was die Botschaft der Geschichte trägt.

Und natürlich überzeugt Antoine Laurain wieder einmal mit seiner charakteristisch bildreichen, sehr künstlerischen Sprache, mit der es ihm gelingt, seine Geschichte so warm und traumhaft schön wie einen Sonnenuntergang in den Weinbergen Frankreichs zu machen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich mir noch mehr Handlung gewünscht hätte, obwohl ich Das Bild aus meinem Traum auf der anderen Seiten als Momentaufnahme, als kleinen Ausschnitt aus einem anfangs unbedeutenden und dann so besonderen Leben betrachte.

Mit Das Bild aus meinem Traum bleibt Antoine Laurain seinem Stil treu und zeigt dem Leser wieder einmal auf sehr einfühlsame Weise, welche Chancen das Leben für einen bereit hält und dass es manchmal richtig ist, aus seinem alten Leben auszubrechen und sich auf den Wink des Schicksals einzulassen. Die Geschichte des Anwalts Pierre erzählt Laurain auf sehr künstlerische, malerische Weise und bis auf den kleinen Kritikpunkt, dass er der Handlung ruhig ein wenig mehr Raum hätte geben können, bin ich wirklich begeistert!



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