Samstag, 3. September 2016

REZENSION: "Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort" (Jostein Gaarder)

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Titel: Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort
Autor: Jostein Gaarder
Genre: Roman / Jugendroman / Philosophie
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 2001 (Erstveröffentlichung 1996)
Format: Taschenbuch (7,90 €)
Seiten: 176
ISBN: 978-3423129176



Inhalt:

Die schwerkranke Cecilie verbringt den Weihnachtsabend nicht, wie sonst, unter dem Tannenbaum, sondern im Bett, denn sie ist zu schwach, um die Treppe hinunter zu gehen. Doch mitten in der Nacht passiert plötzlich etwas Unerwartetes: Der Engel Ariel sitzt auf Cecilies Fensterbank. Zwischen den beiden entspinnt sich eine hitzige Debatte darüber, was himmlich ist und was menschlich. Und über den Sinn des Lebens im Allgemeinen.

So gefällt mir das Cover:

Das Cover finde ich höchst merkwürdig und ich weiß auch nicht so recht, welchen Bezug zur Geschichte es haben soll. Ich kann da jedenfalls nicht wirklich etwas hineininterpretieren und denke, das Cover macht überhaupt nicht neugierig auf die Geschichte. Was der Künstler uns wohl damit sagen wollte!?

Meine Meinung:

Jostein Gaarder ist der Autor des Weltbestsellers Sofies Welt - den ich allerdings noch nicht kenne. Seit geraumer Zeit lag nun schon ein anderer Roman aus seiner Feder auf meinem SuB: Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort. Ich weiß gar nicht mehr genau, wieso ich das Buch ertauscht hatte und lesen wollte, aber ich glaube, gereizt haben mich der ziemlich rätselhafte Titel und die Grundidee.

In Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort geht es um die schwerkranke Cecilie, die aufgrund ihrer Krankheit sehr geschwächt ist und nur noch in ihrem Bett liegen kann. Die Geschichte beginnt an Heiligabend, den Cecilie nicht wie sonst mit ihrer Familie verbringen kann, sondern oben in ihrem Zimmer liegt und den Geräuschen aus dem Wohnzimmer lediglich lauscht. Diese Ausgangssituation ist ziemlich bedrückend und beklemmend, denn Cecilie tut einem unendlich leid und man mag sich gar nicht vorstellen, wie man sich als Kind gefühlt hätte, wenn man wie Cecilie an Weihnachten krank gewesen wäre und nichts tun könnte. Es ist deutlich spürbar (und wird auch von Cecilies Eltern und ihr selbst immer mal wieder angedeutet), dass das wohl Cecilies letztes Weihnachtsfest sein wird. Auch das Verhalten des Mädchens spricht Bände: Sie ist nicht traurig oder niedergeschlagen, sondern wütend und verbittert. Sie hasst es, umsorgt und bemuttert zu werden, sie hasst es, den ganzen Tag im Bett liegen zu müssen, nicht Ski fahren zu können und überhaupt ist sie manchmal wütend auf alles und jeden. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen und es tut einem in der Seele weh.

Allerdings ist das fast schon alles, was man über Cecilie erfährt. Weitere Details zu ihrem Leben vor der Krankheit, ihrem Alter und auch das meiste zu ihrer Familie fehlt. Man erfährt als Leser lediglich, dass sie in einer Kleinstadt in Norwegen lebt und krank ist - und auch dazu sind die Informationen sehr vage. Es kam mir so vor, als würde Cecilie lediglich auf ihre Krankheit reduziert, denn das ist das einzige, was man sicher weißt und auf das sich der Erzähler im Wesentlichen konzentriert. Vermutlich wollte Gaarder mit seinem Buch die letzten Monate im Leben eines sterbenden Kindes beleuchten und hat aus diesem Grund das Drumherum ausgeblendet, meinen Geschmack trifft das aber gar nicht. Auf diese Weise ist man der Protagonistin nämlich leider überhaupt nicht nahe, kann sich nicht mit ihr identifizieren und (so merkwürdig das klingt) auch nicht so mit ihr mitfühlen, wie man es eigentlich müsste oder sollte. Ich hatte beim Lesen leider gar keinen Bezug zu Cecilie und das fand ich sehr schade.

Überhaupt hat Gaarder einen sehr nüchternen, eher sachlichen Erzählstil, der die Emotionen nicht so recht transportiert. Er bildet einfach nüchtern das Leben eines kranken Mädchens ab, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Das ist ein Stil, mit dem ich bei Romanen leider überhaupt nicht zurecht komme, denn so habe ich beim Lesen immer das Gefühl, nur ein unfreiwilliger Zuschauer zu sein, der unbeteiligt am Rand steht.

Leider ist auch die Geschichte an sich weder spannend noch packend oder bewegend. Auf das plötzliche Erscheinen des Engels Ariel am Weihnachtstag folgen langatmige Gespräche zwischen ihm und Cecilie über das Leben auf der Erde, das Leben im Himmel und das Wunder der Schöpfung. Während Ariel Cecilie das Leben eines Engels im Himmel zu erklären versucht, bringt sie ihm das Menschsein näher. An für sich ein schöner Gedanke, aber leider sind mir die seitenlangen Gespräche zu philosophisch und vor allem zu theologisch gewesen. Natürlich hatte ich einen religiösen Hintergrund durchaus erwartet, aber das ewige und ewige Debattieren über Gott und die Schöpfung war mir dann letztlich doch zu viel. Es waren sicherlich einige interessante Ansätze und Gedanken dabei, aber irgendwann verliert man vor allem als atheistischer Mensch einfach das Interesse daran und möchte nur noch, dass die beiden endlich zu einem Ende kommen (so grausam das in Anbetracht des einzig möglichen Endes auch ist). Für mich war die Geschichte von Cecilie und Ariel insgesamt einfach zu weit weg und driftete immer wieder ins allzu Theoretische ab - die beiden sind die Sprachrohre für Jostein Gaarder, sein künstlerisches Stilmittel, um eine (nun ja) theologische Abhandlung zu verfassen. Und meiner Meinung nach ist er dabei leider nicht sehr geschickt vorgegangen.

Mein Fazit:

Mein erstes Buch des Bestseller-Autors Jostein Gaarder hat mich leider ziemlich enttäuscht. Zu viel Philosophie, zu viel Theologie, zu viel Theorie und zu wenig Emotionen und Verbundenheit mit der kleinen Protagonistin. Obwohl ich die Grundidee und die Ausgangssituation eigentlich ganz gut finde, musste ich mich des Öfteren eher zwingen, weiterzulesen und das Buch nicht einfach liegen zu lassen. Erzählstil und Thematik treffen einfach so gar nicht meinen Geschmack. Sofies Welt werde ich dann wohl lieber auch nicht lesen. Schade.



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