Samstag, 13. August 2016

REZENSION: "Unser Himmel in tausend Farben" (Amy Harmon)

Copyright Egmont INK


Titel: Unser Himmel in tausend Farben
Autor: Amy Harmon
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: Egmont INK (Bastei Lübbe)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 448
ISBN: 978-3863960933




Inhalt:

Alle warnen die 17-jährige Georgia vor Moses. Moses, der als sogenanntes Crackbaby in einem Waschsalon gefunden und als Kind von Verwandtem zu Verwandtem gereicht wurde und schon früh in Konflikt mit dem Gesetz kam. Man sagt, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Doch das hält Georgia nicht davon ab, den Kontakt zu dem Nachbarsjungen zu suchen. Irgendetwas an Moses fasziniert sie und so lässt sich Georgia auf eine intensive Liebelei mit ihm ein. Ein grausamer Fehler überschattet jedoch bald schon die Beziehung der beiden und Georgia muss sich fragen, ob an den Gerüchten, Moses hätte etwas mit dem Verschwinden mehrerer Mädchen zu tun, vielleicht doch etwas dran ist...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist einfach wunderschön und wohl der Grund dafür, wieso ich das Buch im Laden in die Hand und schließlich mit nach Hause genommen habe. Der Umriss des Mädchens unter dem Baum und der dunkelblaue, verschnörkelte Himmel wirken verträumt, romantisch und ein bisschen geheimnisvoll und machen Lust auf eine berührende Geschichte.

Meine Meinung:

Unser Himmel in tausend Farben von Amy Harmon war ein typischer Coverkauf, aber auch der Klappentext hat mich sofort angesprochen. Vorweg muss ich jedoch sagen, dass dieser Roman ein perfektes Beispiel dafür ist, dass sich hinter der Inhaltsangabe auf dem Cover eben doch so viel mehr versteckt. Eine solch tiefgreifende und komplexe Geschichte, wie Amy Harmon sie mit Unser Himmel in tausend Farben liefert, hatte ich nämlich nicht erwartet.

Was gleich zu Beginn auffällt und fesselt: Harmons Roman lebt von den starken Charakteren und deren Zusammenspiel miteinander. Die Protagonisten sind die 17-jährige Georgia und der ein Jahr ältere Moses. Beide sind vielschichtige Persönlichkeiten, sie sind echt und authentisch und man fühlt sich ihnen von Anfang an sehr nah. Georgia ist ein nach außen sehr selbstbewusstes, toughes und unerschrockenes Mädchen, das weiß, was sie will und sich auf jedes Abenteuer einlässt. Sie ist jemand zum Pferde Stehlen - im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie wächst auf einer kleinen Pferdefarm in Utah auf und sieht in den Pferden ihre Seelenverwandten. Ebenso wie auch in dem geheimnisvollen Moses, der im Haus nebenan bei seiner Urgroßmutter wohnt.

Moses ist ein rätselhafter, hart wirkender Junge mit einer berührenden Vergangenheit. Jeder kennt seine Geschichte und beurteilt ihn danach - nur Georgia macht sich überhaupt die Mühe, hinter seine Fassade zu blicken und wird von seinem Auftreten regelrecht angezogen. Im ersten Teil der Geschichte ist Moses ein sehr impulsiver Charakter, der denkt, mit allem selbst fertig werden zu müssen und man weiß nicht so recht, wie man ihn einschätzen soll. Er geht immer wieder auf Distanz zu Georgia und versucht, sie von sich zu stoßen. Und gerade das macht die Beziehung der beiden umso intensiver und interessanter. Alles fängt mit Georgias fast schon ungesundem Interesse an Moses an und daraus entwickelt sich etwas viel Tieferes, als man es anhand des Klappentextes erwartet hätte.

Erzählt wird die Geschichte mal aus Georgias und mal aus Moses' Sicht. So erhält man einen Einblick in ihrer beider Gedanken- und Gefühlswelt und kann beide Charaktere besser einschätzen. In der ersten Hälfte des Romans liegt der Fokus auf Georgia und es wird überwiegend aus ihrer Sicht erzählt. Im zweiten Teil ändert sich jedoch die Gewichtung und der Leser ist näher bei Moses. Diese Erzählweise finde ich sehr originell und in Bezug auf die Geschichte besonders gelungen, denn so zeichnet Harmon auch die beeindruckende Entwicklung ihrer Protagonisten nach und sorgt dafür, dass man vom ersten Moment an mit beiden mitfiebert. Es ist sehr schön dargestellt, wie sehr sich beide nacheinander verzehren und wie sie sich durch das einschneidende Erlebnis in ihrer Vergangenheit verändern. 

Insgesamt ist die Geschichte sehr gefühlsbetont und der Fokus liegt ganz eindeutig auf den Gefühlen und Gedanken der beiden Protagonisten. So ist man Moses und Georgia besonders nah, trotzdem gibt es bei seitenlangen Monologen und Zeitsprüngen leider auch die eine oder andere Länge. Während einige Dinge besonders ausschweifend erzählt werden, werden andere (in meinen Augen) zum Teil wichtige Geschehnisse nur kurz nebenbei abgehandelt und das fand ich stellenweise etwas schade und unbefriedigend. Was mir wiederum sehr gut gefallen hat, war der Hauch von Übersinnlichkeit und Fantasy, der die Geschichte durchzieht. Moses hat nämlich keinesfalls "nur" einen Sprung in der Schüssel, sondern besitzt eine einzigartige Gabe, die ihm nicht nur dabei hilft, eine grausame Serie von Verbrechen aufzuklären, sondern ihn auch immer wieder zu Georgia zurückführt und ihm zeigt, was ihm im Leben wirklich wichtig ist. Mehr möchte ich dazu natürlich nicht verraten ;)

Was mich sehr überrascht hat, ist, dass die Geschichte nicht nur romantische und Fantasy-, sondern tatsächlich auch noch Thrillerelemente enthält. Diese machen den Roman noch spannender und packender, leider war mir das aber dann doch etwas zu viel des Guten. Das Verbrechen und die Auflösung am Ende wirken einfach fehl am Platz und man hat das Gefühl, dass Harmon die Handlung mit möglichst vielen unterschiedlichen Elementen anreichern und so einen spannenden Genremix kreieren wollte. Dabei ist sie meiner Meinung nach aber ein wenig über das Ziel hinaus geschossen und die Kriminalgeschichte in der Liebesgeschichte hätte ich für meinen Teil einfach nicht gebraucht.  


Mein Fazit:

Unser Himmel in tausend Farben von Amy Harmon ist eine der schönsten und intensivsten Liebesgeschichten, die ich letzter Zeit gelesen habe. Die Handlung hat mich wirklich überrascht, denn ich hatte einfach nicht mit so viel Tiefsinn und auch nicht mit den Fantasy- und Thrillerelementen gerechnet, die die Geschichte umso spannender machen. Dabei lebt der Roman aber vor allem von den starken Charakteren, die mich wirklich durchgehend überzeugt haben. Mein einziger Kritikpunkt: Die Thrillerelemente wirken am Ende doch etwas fehl am Platz und fügen sich nicht so richtig ins große Ganze ein. Ein emotionales und fesselndes Sommerbuch ist Unser Himmel in tausend Farben aber auf jeden Fall! 


  

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