Montag, 22. August 2016

REZENSION: "So, wie die Hoffnung lebt" (Susanna Ernst)

Copyright Droemer Knaur


Titel: So, wie die Hoffnung lebt
Autor: Susanna Ernst
Genre: Roman
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (9,99 €)
Seiten: 450
ISBN: 978-3-426-51905-9




Inhalt

Unter tragischen Umständen kreuzen sich die Lebenswege von Jonah und Katie: beide haben auf grausame Weise ihre Familien verloren, sodass sie in einem Waisenhaus aufgenommen werden. Beide verarbeiten ihr Trauma auf unterschiedliche Weise. Während Jonah die Reife eines Erwachsenen zur Schau trägt, verschlägt es Katie die Sprache - im wörtlichen Sinn. Denn Katie ist seit diesem Tag stumm. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen ist Jonah sofort fasziniert von Katie. Er ist fest entschlossen, Katie von ihrem Mutismus zu befreien - und seine Hartnäckigkeit wird belohnt. Schon bald verbindet die beiden eine enge Freundschaft - und mehr als das. Doch das Schicksal hat einen anderen Plan für die jungen Liebenden und reißt sie auseinander. Doch Jonah gibt die Hoffnung nicht auf. Heute, 17 Jahre später, hat er endlich die Chance, Katie wiederzusehen. Aber in 17 Jahren kann sich viel ändern...

Cover

Unabhängig von der Inhaltsangabe würde ich das Cover als verträumt und verspielt bezeichnen, ja sogar als leichtfüßig und romantisch. Mir gefällt auch, dassbestimmte Elemente (das Herz und die wirbelnden Blätter) in einem anderen Material gearbeitet sind, sodass sie reflektierenund sich dadurch hervorheben.
Noch besser finde ich allerdings die Umschlaginnenseite (die man leider nicht sieht): am Anfang sieht man eine Szene aus der Kindheit von Katie und Jonah und am Ende ist eine Szene aus dem Leben der beiden als Erwachsene dargestellt. Eine wirklich wundervolle Idee!

Meine Meinung

Was erwartet man, wenn man das Buch das erste Mal erspäht und die Inhaltsangabe liest? Nun, ich für meinen Teil habe eine dramatische, herzerweichende Liebesgeschichte erwartet - und zum Teil auch bekommen. Aber nur zum Teil. Denn So, wie die Hoffnung lebt ist noch viel mehr als das. Aber fangen wir beim Anfang an...
Der Roman gliedert sich in zwei Teile, die jeweils mit einem außerordentlich schönen, selbstverfassten Gedicht beginnen und die auch im Zusammenhang miteinander und mit dem jeweiligen Teil stehen. Zunächst nimmt Susanna Ernst den Leser mit in die Vergangenheit, als Jonah und Katie (die zwei Protagonisten) noch kleine Kinder sind. Beide haben auf tragische, brutale Weise ihre Familien verloren und kommen als Vollwaisen in ein Wohnheim (um es nett auszudrücken) für verwaiste Kinder/Jugendliche. Zu dem Zeitpunkt tappte ich noch im Dunkeln, was die Umstände betrifft, unter welchen sie ihre Familienmitglieder verloren haben. Es werden zwar einzelne Auszüge aus jenem Tag präsentiert, an dem sich Katies Leben für immer veränderte, aber eben nur das: Auszüge. Ich konnte mir zwar zusammenreimen, was exakt vorgefallen ist, aber Klarheit verschafft Katie dem Leser (und Jonah) erst später. Die Entscheidung, die Ereignisse nur fragmentarisch darzulegen, war genau richtig. Erstens hat es natürlich Spannung aufgebaut, weil ich Antworten auf meine Fragen haben wollte, und zweitens haben diese Brocken schon ausgereicht, dass ich erstmal heftig schlucken musste. Angesichts dieses grausamen, schrecklichen Vorfalls ist es kein Wunder, das Katie mutistisch geworden ist (ein ziemlich spannendes, bewegendes Thema). Davon hätte wohl jeder ein Trauma davongetragen (nein, ich verrate nichts und hülle mich in Schweigen). Bei Jonah verhält es sich ähnlich, auch wenn er von seinem Verlust weniger offensichtlich gezeichnet ist. Das, was ihn 'besonders' macht, ist vielmehr seine unglaubliche Reife. Für sein zartes Alter von anfangs 13 Jahren tritt er ungeheuer souverän auf und durchschaut die 'Tricks' der Erwachsenen, besonders die der Psychologen. Im ersten Moment habe ich mit diesen Charaktereigenschaften gehadert, weil sie so unpassend für einen Jungen in dem Alter sind, aber relativ schnell hab ich ihn aufgrund seiner neunmalklugen, aber dennoch hilfsbereiten, einfühlsamen Art ins Herz geschlossen. Wäre er anders, d.h. kindlicher, gewesen, hätte er wohl nicht so zu Katie durchdringen können, wie er es getan hat. Denn nur seiner Hartnäckigkeit und seinem großen Herzen ist es zu verdanken, dass das 'stumme Mädchen' und er in sehr kurzer Zeit sehr enge Freunde geworden sind. Von daher war es sehr stimmig, wie Jonah charakterisiert wurde. Um ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Extremen herzustellen (zumindest kam es mir so vor), wurde das Duo durch Milow, einem anderen Waisenjungen, ergänzt. Er war mir, wenn ich ganz ehrlich bin, sogar der Liebste. Er hat so eine ehrliche, direkte Art kombiniert mit diesem gewissen Teddybärcharme, der einfach Licht in jede dunkle Situation zaubert und aufgrunddessen man ihn am liebsten knuddeln würde. Umso trauriger bin ich darüber, dass es nur wenige Szenen mit ihm gibt. Insofern er nicht dem Handlungsstrang um Jonah und Katie dienlich ist, schien er kaum relevant zu sein.
Der Fokus liegt klar auf den beiden. Darauf, wie sie Freunde werden, wie sie einander blind verstehen, wie sie sich magisch zueinander hingezogen fühlen und aus Freundschaft mehr wird. Wie das geschildert wurde, kam mir sehr authentisch und nicht übermäßig kitschig vor, sodass ich darauf hingefiebert habe, dass es zwischen den beiden klappt. Aber dann kommt der Cut - in Form eines Sprungs von 17 Jahren. Katie ist in dieser Zeit spurlos verschwunden und Jonah verzweifelt auf der Suche nach ihr. Rastlos reist er von einem Ort zum nächsten, in der Hoffnung, das Mädchen, das er nie vergessen konnte, wiederzufinden. Im Grunde lebt er am Existenzminimum und kann sich nur mit seinen Kunstwerken, die er auf der Straße verkauft, über Wasser halten. Zwar finde ich das ziemlich drastisch, aber auch hier ist es so, dass alles andere (z.B. Jonah als erfolgreicher Geschäftsmann o.Ä.) einfach nicht in die Geschichte gepasst hätte. Erfreut war ich darüber, dass er weiterhin mit Milow befreundet ist, sodass ich nicht auf ihn verzichten musste.
Nach dem Zeitsprung geht es aber gleich rasant weiter. Plötzlich stößt Jonah per Zufall auf einen Hinweis, der ihn auf Katies Spur bringt. Für mein Befinden war es etwas zu schnell, weil ich einfach gerne mehr darüber erfahren hätte, was die beiden in den vergangenen Jahren getrieben haben. Auch wenn mir bewusst ist, dass für Jonah eine halbe Ewigkeit verstrichen ist, so hat es sich für mich doch nicht so angefühlt und daher war die Entdeckung aus heiterem Himmel nicht besonders glaubwürdig (oder sagen wir: unwahrscheinlich). Was danach folgt, war für mich jedoch eine einzige (positive) Überraschung. Ich hatte nämlich vermutet, dass jetzt das übliche Hin und Her folgt: er findet sie, sie ist aber in einer neuen Beziehung, steht vielleicht kurz vor der Heirat und er muss sie für sich zurückgewinnen und so weiter - man kennt das ja. Aber so lief das in keinster Weise ab. Die Geschichte nimmt mehr als nur eine unvorhergesehene Wendung, da sie leicht ins Krimigenre abdriftet. Katies Leben ist nämlich nach dem heftigen Beginn nicht leichter geworden, sodass sich Jonah nicht einfach bloß gegen einen Rivalen behaupten muss. Auch hier spare ich die Details aus, denn ich will niemanden den Überraschungseffekt nehmen. Ich sage nur so viel: ihre Liebe steht unter keinem guten Stern und die Situation ist ziemlich ernst und bedrohlich. Susanna Ernst stellt hier eindeutig unter Beweis, dass sie a) ihre Geschichte gut durchdacht hat und b) sie sie meist packend zu erzählen weiß. Jedoch muss ich auch ehrlich gestehen, dass mich Katies und Jonahs (Liebes-)Geschichte nicht durchgängig in den Bann ziehen konnte. Möglicherweise liegt es daran, dass sie durch die perrmanente Angst in ihren gemeinsamen Momenten nie richtig fallen lassen konnten. Sie sind imemr auf der Hut und wirkten dadurch manchmal etwas reserviert und angespannt auf mich. Daher kam bei mir einfach nicht diese innere Verbundenheit, die immerzu betont wird, an. Erst in den letzten Kapiteln gibt sich das - zum Glück.
Das Ende wiederum lässt mich nicht ganz so euphorisch zurück: auch hier gibt es vollkommen überraschende Turns in der Handlung, die ich wirklich super finde - abgesehen von einem, der meiner Begeisterung einen kleinen Dämpfer verpasst hat, wenngleich ich die Gründe verstehe, aus denen Susanna Ernst die Geschichte so hat enden lassen und nicht anders. Aber man kann es eben nicht jedem Leser recht machen.

Fazit

So, wie die Hoffnung lebt, war ein Überraschungspaket von der ersten bis zur letzten Seite. Wer auf einen (über-)romantischen LIebesroman hofft, wird hier wohl enttäuscht sein. Wer offen für eine aufregende Reise in etwas andere Gefilde ist, kann hier beherzt zugreifen. Ich für meinen Teil habe das Buch genossen und werde Susanna Ernst weiterhin im Auge behalten.Vor allem, da ich inzwischen weiß, dass sie ihren Protagonsiten "Gastauftritte" in ihren anderen Werken gibt.



4 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Eine sehr schöne Rezi und sprichst im Großen und Ganzen genau das an, was auch ich so dabei dachte!
Liebe Grüße
Martina

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Martina!
Das kommt für mich jetzt nicht ganz überraschend. Schließlich hat ja deine Rezension für mich den Ausschlag gegeben, warum ich mir das Buch zugelegt habe^^
Hast du schon andere Romane von ihr gelesen? Und wenn ja, kannst du mir da einen besonders empfehlen?
Liebe Grüße,
Katha

Marion2505 hat gesagt…

Eine tolle und ausführliche Rezi, die mir aus der Seele spricht. Auch ich fand Milow unglaublich gut und hätte gerne mehr von ihm erfahren!
Liebe Grüße,
Marion

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Marion,
schön, dass wir da einer Meinung sind :) Vielleicht hat Susanna Ernst ja irgendwann das Bedürfnis bzw. eine zündende Idee und schreibt eine (Kurz-)Geschichte zu Milow. Zum Beispiel darüber, was er in den Jahren dazwischen gemacht hat. Zwar stünde das "Ende" ja schon fest, aber so würden sich die Lücken füllen. Oder er hat einen Gastauftritt in einem ihrer folgenden Romane, die ggf. zur selben Zeit spielen. Wer weiß?!
Liebe Grüße,
Katha

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