Mittwoch, 3. August 2016

REZENSION: "Memories to Do: Allies Liste" (Linda Schipp)

Copyright Drachenmond Verlag

Titel: Memories to Do: Allies Liste
Autor: Linda Schipp
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (12,90 €), eBook
Seiten: 296
ISBN: 978-3959914321




Inhalt:

Nach einem Unfall leidet die 34-jährige Allie unter einer seltenen Art von Amnesie. Die letzten 17 Jahre ihres Lebens sind komplett aus ihrem Gedächtnis gelöscht und so erkennt Allie weder ihren Ehemann Aaron noch ihren kleinen Sohn Mo wieder. Sie steht vor einem riesigen Rätsel und um ihrem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen und ihre Erinnerungen wiederzuerlangen, beschließt Allie, in ihren Heimatort Townsend zu reisen. Gemeinsam mit ihrem damaligen besten Freund Freund Luis, der ihr damals zumindest am nächsten war. Doch bald schon steht die Frage im Raum, ob zwischen den beiden nicht vielleicht doch mehr ist als nur Freundschaft... 

So gefällt mir das Cover:

Das Cover trifft nicht ganz meinen Geschmack. Mir gefallen zwar das Ruderboot im Vordergrund (es hat einen Bezug zur Geschichte) und die im Hintergrund durchschimmernde Schrift als Symbol für Allies "Memories to do"-Liste, die Farbgebung ist mir aber einen Ticken zu plakativ und klischeehaft. Zu viel Pink für meinen Geschmack.

Meine Meinung:

Memories to Do von Linda Schipp war mein erstes Buch aus dem Drachenmond Verlag und ich war super gespannt darauf. Zum einen, weil ich eigentlich nur Positives darüber gehört und gelesen habe und zum anderen, weil die Autorin sogar jünger ist als mein kleiner Bruder. =) Das hat mich von vornherein ziemlich beeindruckt und ich wollte unbedingt wissen, wie Linda Schipp die Geschichte umgesetzt hat.

Das Szenario klingt zwar nicht unbedingt neu, aber für einen leidenschaftlichen Romantiker wie mich sehr vielversprechend und berührend. Die 34-jährige Allie verliert nach einem Unfall alle Erinnerungen der letzten 17 Jahre - alles, was sie ausmacht, das Leben, das sie sich aufgebaut hat, ihre Hochzeit und die Ehe mit dem gutaussehenden Aaron und schließlich sogar die Geburt ihres mittlerweile 2-jährigen Sohnes Mo - all das ist ausgelöscht und Allie steht vor einem riesigen Rätsel. Linda Schipp gelingt es hier sehr gut, die Gefühle und Gedanken ihrer Protagonistin darzustellen, sie schildert die Situation sehr einfühlsam und authentisch. Besonders beeindruckt hat mich Allies innere Zerrissenheit: Auf der einen Seite will sie sich unbedingt erinnern, natürlich vor allem an ihre Beziehung und ihren Sohn, auf der anderen Seite jedoch ist ihr die Person, die sie vor dem Unfall war, fremd. Sie spürt, dass ihr Leben nicht das war, das sie eigentlich hatte führen wollte.

Es ist sehr berührend und bewegend mitzuverfolgen, wie Allie, die biologisch 34 und mental wieder 17 ist, um jede einzelne Erinnerung kämpft und tief in ihrem Inneren spürt, dass da etwas Dunkles in ihrer Vergangenheit schlummert, an das sie sich vielleicht gar nicht erinnern will. Herzzerreißend waren besonders die Szenen mit Mo - Allie weiß nicht mehr, was es heißt, Mutter zu sein, doch aufgrund ihres Instinkts und der tiefen Liebe zu ihrem Sohn findet sie sich in diese Rolle doch recht schnell wieder ein. Anders verhält es sich bei ihrer Ehe mit Aaron. Obwohl Aaron von Anfang an wie ein treusorgender, mitfühlender Ehemann wirkt, der alles für seine Frau tut, ist er einem doch stets unsympathisch. Ich kann nicht wirklich sagen, was mich an ihm gestört hat, aber irgendwie war er mir von Beginn an suspekt und ich hatte im Gefühl, dass er Allies Situation ausnutzt und ihr etwas Wichtiges verschweigt. Für Allie ist er ein komplett Fremder und sie findet nichts an ihm, das erklärt, wieso sie sich in ihn verliebt hat. Gleichzeitig ist ihr aber bewusst, dass sie diesem Mann das Ja-Wort gegeben hat und ihn somit lieben muss.

Allies Reise in die Vergangenheit ist für sie in vielerlei Hinsicht eine Offenbarung. Townsend mit seinen Bewohnern ist Allie viel vertrauter als das gemeinsame Zuhause mit Aaron in Philadelphia und jeder Tag, den sie in ihrer Heimat verbringt, bringt sie auch ihrem ehemals besten Freund Luis näher. Luis ist mittlerweile Ex-Soldat und wirkt vor allem loyal und stark, aber auch geheimnisvoll. Er ist der typische Beschützer und seine Sorge um Allie nimmt man ihm auf jeden Fall eher ab als Aaron. An mehreren Stellen wird deutlich, dass Luis sich arg zusammenreißen muss, um seine Gefühle für Allie zu verbergen und zu unterdrücken, um ihre Ehe nicht zu gefährden. Doch je näher sich Luis und Allie kommen, umso mehr wird deutlich, dass Allie sich nicht in die Person zurückverwandelt, die sie vor ihrem Unfall war, sondern eher mehr und mehr in die alte, 17-jährige Allie.

Zwischen Luis und Allie gibt es eine Spannung, die auf jeder einzelnen Seite spürbar ist und man wünscht sich als Leser nichts sehnlicher, als dass die beiden wieder zueinander finden und sich ihre Gefühle füreinander eingestehen. Doch immer scheint etwas im Weg zu stehen und dann ist da auch noch eine "Sache", wie Luis sie nennt, die zwischen den beiden steht und ein Zusammenkommen unmöglich zu machen scheint. Ich jedenfalls habe wahnsinnig mit den beiden mitgefiebert und Allie so sehr gewünscht, dass sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüftet und wieder ein normales Leben führen kann - genauso, wie sie es sich vorstellt. Dabei soll ihr schließlich ihre "Memories to Do"-Liste helfen, auf die sie all die Erinnerungen schreibt, die sie noch beziehungsweise wieder sammeln möchte. Besonders hübsch finde ich die Idee, die Liste an den Roman dranzuhängen. Darin zu stöbern macht jedenfalls viel Spaß!

Jede einzelne Seite füllt Linda Schipp mit Liebe, aber nicht auf eine aufdringliche oder kitschige Art und Weise, sondern auf eine sehr zarte, einfühlsame. Tiefgründige, kluge Dialoge - vor allem zwischen Allie und Luis -, teilweise viel Witz und teilweise wiederum eine Ernsthaftigkeit, die die Geschichte so authentisch und liebenswert macht, verleihen dem Roman gleichzeitig Leichtigkeit und eine gewisse Schwermut. Er lässt sich wunderbar runter lesen und bringt einen dazu, auch über das eigene Leben nachzudenken und über die große Liebe. Auf eine ganz besondere, unaufgeregte Art. Ich jedenfalls liebe Allies und Luis' Geschichte und bin absolut begeistert von meinem ersten Drachenmond-Buch!

Mein Fazit:

Mein erstes Buch aus dem Drachenmond Verlag war für mich ein voller Erfolg. Ich war begeistert von Linda Schipps reifem, ernsthaftem und gleichzeitig so berührendem Schreibstil und habe die bewegende Geschichte der jungen Allie, die sich mühsam an ihr Leben zu erinnern versucht, von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Der Roman ist unheimlich romantisch, ohne kitschig zu sein, ernsthaft und witzig zugleich und lässt einen schließlich an die große Liebe glauben. Für jeden, der zarte Liebesgeschichten ebenso mag wie ich, ein absoluter Hochgenuss!



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