Donnerstag, 4. August 2016

REZENSION: "Harry Potter and the Cursed Child" (J. K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne)

Copyright Little, Brown


Titel: Harry Potter and the Cursed Child
Autor: J. K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne
Genre: Fantasy / Drama
Verlag: Little, Brown
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover
Seiten: 343
ISBN: 978-075156355



Inhalt:

20 Jahre nach der großen Schlacht um Hogwarts ist Harry Potter ein überarbeiteter Ministeriums-Angestellter mittleren Alters und Vater von drei Kindern. Sein jüngster Sohn Albus Severus muss schon in seinem ersten Schuljahr schmerzlich erfahren, was es bedeutet, das Kind des berühmten Harry Potter zu sein und kapselt sich mehr und mehr von seinem Vater ab. Sein einziger Freund ist Scorpius Malfoy, Sohn von Draco und ebenfalls ein Außenseiter in Hogwarts. Als die beiden einen vom Ministerium beschlagnahmten Zeitumkehrer finden, sieht Albus endlich eine Chance, selbst jemand zu sein, indem er in die Vergangenheit reist, um den größten Fehler seines Vaters ungeschehen zu machen. Er ahnt nicht, dass der Zaubererwelt dunkle Zeiten bevorstehen, denn nach mehr als 20 Jahren schmerzt zum ersten Mal wieder Harrys Narbe...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir eigentlich ganz gut - es ist auf jeden Fall ein Eyecatcher, auch wenn es nicht so richtig zu den Covern der eigentlichen sieben Bände passt. Aber vielleicht ist genau das die Intention des Ganzen: Harry Potter and the Cursed Child soll meiner Meinung nach nicht als Teil der Reihe, sondern als eigenständige Geschichte gesehen werden.

Meine Meinung:

Eine Rezension zu einer Fortsetzung von "Harry Potter" schreiben - niemals im Leben hätte ich geglaubt, dass ich das mal tun würde beziehungsweise könnte. Aber nun ist es tatsächlich soweit: Mit Harry Potter and the Cursed Child, dem Script zum Theaterstück, kehren wir zurück nach Hogwarts und tauchen einmal mehr in die magische Zaubererwelt ein. Was für ein Genuss! Vorab: Ich werde versuchen, die Besprechung so gut wie möglich spoilerfrei zu halten, um euch die Geschichte nicht zu verderben, aber trotzdem einen guten Einblick in sie zu geben.

Die achte Geschichte beginnt genau dort, wo die siebte endete: Am Gleis 9 3/4. Für Harrys und Ginnys jüngsten Sohn Albus Severus beginnt das erste Jahr in Hogwarts und er befürchtet, nach Slytherin zu kommen und damit seine Familie zu enttäuschen. Es stellt sich heraus, dass es genauso kommt und Scorpius Malfoy, den ein grausames Gerücht zum Außenseiter macht, wird sein einziger Freund. Obwohl Albus also eigentlich so gar nicht wie sein Vater ist (er ist ein Slytherin und kein guter Quiddtich-Spieler), befindet er sich in seiner ganz ähnlichen Situation wie einst Harry, wird gemieden und gemobbt - doch bis Albus das erkennt, passiert eine ganze Menge. Und genau davon erzählt John Tiffanys und Jack Thornes Theaterstück, basierend auf einer Geschichte von J. K. Rowling.

Zunächst einmal kann ich all jene beruhigen, die noch skeptisch sind, weil Harry Potter and the Cursed Child nicht in Prosa-, sondern in Dramen-Form geschrieben ist. Es liest sich trotzdem außerordentlich gut und hintereinander weg und es tut der Handlung absolut keinen Abbruch. Wie auch die übrigen "Harry Potter"-Bände ist The Cursed Child außerdem in einfachem Englisch verfasst, sodass man auch mit etwas eingerosteten Schulkenntnissen weit kommen sollte. Ich jedenfalls hatte überhaupt keine Probleme und fand den Stil sogar recht angenehm. Die Script-Form bringt die Handlung eben auf den Punkt - sie bleibt spannend und rasant, ohne zwischendrin merklich abzuflachen. Allerdings ist das gleichzeitig ein kleiner Schwachpunkt des Buches: Wer "Harry Potter" ebenso sehr liebt wie ich, der weiß vor allem die Komplexität dieses eigenen Universums und auch des Plots zu schätzen. Das fehlt Harry Potter and the Cursed Child natürlich, denn das Theaterstück soll schließlich keine 10 Stunden lang sein. Mit der von vorne bis hinten durchdachten und wahnsinnig komplexen Handlung beispielsweise eines Harry Potter und der Orden des Phoenix kann die Geschichte deshalb - ganz klar - nicht mithalten. Wer sich aber darauf einstellt und sich dessen bewusst ist, der wird garantiert nicht enttäuscht.

Der Plot selbst überzeugt nämlich (fast) auf ganzer Linie. Ich möchte diesbezüglich natürlich nicht zu viel verraten, nur so viel: Den geneigten "Harry Potter"-Fan erwartet ein spannendes "Don't mess with the past"-Szenario mit den Söhnen der einstigen Rivalen Harry Potter und Draco Malfoy - Albus Severus und Scorpius - als Protagonisten und ein interessanter Mix aus neuen Handlungselementen und Szenen, die man aus Band 1 und 4 kennt. Man kehrt beim Lesen also tatsächlich nach Hogwarts zurück, erlebt altbekannte Szenarien aus einem anderen Blickwinkel und trifft vor allem auch geliebte Charaktere wie natürlich Harry und Ginny, Ron und Hermine, Professor McGonagall und sogar Dumbledore (als Porträt) wieder. Auch an Magie fehlt es der Handlung nicht, denn vom einfachen Alohomora über Vielsaft-Trank bis hin zu den unverzeihlichen Flüchen ist alles dabei - was mich wiederum ziemlich neugierig auf das Theaterstück und die Umsetzung auf der Bühne macht.

Zusätzlich wartet die Handlung unerwartet mit düsteren Elementen auf und Voldemort spielt auch 20 Jahre nach seinem Fall noch (oder wieder) eine Rolle in der magischen Welt. Inwiefern, das wird natürlich nicht verraten, aber es ist auf jeden Fall überraschend und spannend. Allerdings bin ich beim Lesen auf den ein oder anderen Logikfehler gestoßen, an dem man dann doch erkennt, dass man hier nicht 100% pure Rowling vor sich hat. Das finde ich etwas schade, war aber zu erwarten. An ihr Genie kommt in Bezug auf Harry Potter nun einmal keiner heran.

Nun aber zum Wichtigsten: Schafft es das Theaterstück, dieses typische "Harry Potter"-Feeling, diese ganze eigene Atmosphäre heraufzubeschwören? Klares Ja! Einmal angefangen, konnte ich das Buch trotz kleinerer Unstimmigkeiten im Plot nicht mehr aus der Hand legen - das Fieber hat mich genauso gepackt wie vor 9 Jahren, als ich Harry Potter und die Heiligtümer des Todes in den Händen hielt. Auch die Charaktere sind nach wie vor vertraut: Harry ist noch immer ein Junge/Mann mit Makeln und Fehlern, der nicht immer absolut korrekt handelt und in Ginny tatsächlich seine bessere Hälfte gefunden hat. Hermine und Ron sind nach wie vor nicht unbedingt das perfekte Paar, aber ihre kleinen Kabbeleien rufen Erinnerungen an die Jahre an Hogwarts wach und lassen sich einen direkt wie Zuhause fühlen. Einzig Draco hat mich überrascht, denn sein Leben als Einzelgänger in Hogwarts hat ihn gezeichnet und ich kann euch verraten, dass euch in Bezug auf Harrys einstigen Erzfeind einige Überraschungen erwarten.

Mit Albus und Scorpius wird in Harry Potter and the Cursed Child die zweite Generation eingeführt. Während Albus ganz offensichtlich nicht viele Eigenschaften von seinem Vater geerbt hat, mit seinem pubertären Verhalten aber extrem an den jungen Harry aus Band 4 und 5 erinnert, ist Scorpius bis auf den Fakt, dass er auch nach Slytherin kommt, alles andere als der Sohn seines Vaters. Ich fand das ziemlich erfrischend und beeindruckend, denn ich hatte schon befürchtet, die Feindschaft zwischen Harry und Draco könnte mit ihren Söhnen in die zweite Runde gehen und das wäre doch ziemlich einfallslos gewesen. So jedenfalls bringen die beiden Charaktere frischen Wind in die Geschichte und man schließt sie ebenso schnell ins Herz wie einst das Dreiergespann Harry, Ron und Hermine. Ich hätte es unheimlich toll gefunden, noch weitere Charaktere wie Molly, Arthur und George Weasley oder auch Luna und Neville wiederzutreffen, aber bei einem Theaterstück sind die Möglichkeiten nun mal auch personell begrenzt und deswegen sehe ich das nicht als Minuspunkt.

Die magische Welt übt auf jeden Fall noch immer eine so große Faszination auf mich aus wie früher. Trotz einiger Schwachstellen liebe ich die Geschichte des Cursed Child und Rowling dafür, dass sie sie mit uns teilt - und das auf eine ziemlich originelle Weise. Ich bin sicher, die Dialoge und die Story an sich wirken auf der Bühne noch einmal um einiges fantastischer, überzeugen aber auch in niedergeschriebener Form absolut.

Mein Fazit:

Der lang erwartete 8. Teil der "Harry Potter"-Saga hält, was er verspricht. Trotz einiger kleiner Unstimmigkeiten ist die Rückkehr in die magische Welt von Harry Potter perfekt, die Handlung vielleicht nicht so ausgeklügelt, wie man es aus den ersten sieben Teilen gewöhnt ist, aber dennoch spannend, überzeugend und einfach wunderbar zu lesen. Die Script-Form stört überhaupt nicht und auch mit etwas eingerostetem Schulenglisch kann man die Geschichte absolut genießen. Wer nicht bis zum 24. September warten möchte, der sollte sich auf jeden Fall jetzt schon verzaubern lassen. Denn das tut Harry Potter and the Cursed Child sowieso!



Die Reihe:


8. Band: Harry Potter and the Cursed Child (dt. ab 24.9.2016)

2 Kommentare:

Jacquy hat gesagt…

Mit jeder positiven Meinung die ich lese freue ich mich mehr. Bisher habe ich mich noch nicht getraut, das Buch zu kaufen und zu lesen, weil ich Angst hatte, enttäuscht zu werden, aber das scheint wohl nicht der Fall zu sein. Dann kann ich es mir bei Gelegenheit ja beruhigt zulegen :)
Schöne Rezension!

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Jacquy :)

Dankeschön *-* Man muss sich einfach überraschen lassen :) Ich bin auch ganz unvoreingenommen an das Buch herangegangen und ohne mir irgendwo schlechte Bewertungen durchzulesen, die es teilweise ganz schön verreißen. Wenn man sich komplett auf die Geschichte einlässt und sie vielleicht weniger als Fortsetzung, sondern mehr als separate Geschichte sieht, dann wird man auf jeden Fall nicht enttäuscht :)

Liebe Grüße
Svenja

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