Montag, 29. August 2016

REZENSION: "Die Tribute von Panem 01: Tödliche Spiele" (Suzanne Collins)

Copyright Oetinger Audio
Titel: Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele
Autor: Suzanne Collins
Genre: Dystopie / Jugendbuch
Sprecher: Maria Koschny
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Hörbuch Gesamtausgabe (24,99 €), HC, TB, eBook
Länge: 381 Minuten (416 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3837307184

Inhalt:

Eine Reihe von Naturkatastrophen und schlimme Bürgerkriege haben die USA schon vor langer Zeit zerstört. Stattdessen wird das Land nun Panem genannt - eine Diktatur, in der Präsident Snow die 12 Distrikte von der Hauptstadt, dem Kapitol, aus kontrolliert. Um die Untertanen daran zu erinnern, dass sie sich unterwerfen müssen, werden jedes Jahr die sogenannten Hungerspiele veranstaltet, in denen sich je zwei Tribute aus jedem Distrikt gegenseitig töten müssen - bis nur noch einer übrig bleibt.
Als im Jahr der 74. Hungerspiele der Name der 12-jährigen Primrose Everdeen aus Distrikt 12 gezogen wird, meldet sich ihre ältere Schwester Katniss freiwillig als Tribut, um sie zu schützen - und zieht an der Seite des Bäckersohns Peeta Mellark in die Arena ein, um bis aufs Blut zu kämpfen. Seit 30 Jahren hatte Distrikt 12 keinen Sieger mehr und Katniss ist fest entschlossen, die Spiele zu gewinnen. Wäre da nicht Peeta, den sie während der Zeit im Kapitol und in der Arena mehr und mehr ins Herz schließt...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover der deutschen Ausgabe trifft nicht unbedingt meinen Geschmack, denn irgendwie finde ich, dass es der starken Geschichte nicht gerecht wird. Andererseits passt die Nahaufnahme des Mädchen-Gesichts, das hinter einem Baum oder Busch hervorlugt, zu den Hungerspielen und der Arena. Trotzdem - ein bisschen einfallsreicher hätte es sein können.

Meine Meinung:

Obwohl wir im Englischunterricht in der 11. Klasse bereits Lois Lowrys Hüter der Erinnerung (The Giver) gelesen und behandelt haben, war Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele ein paar Jahre später sozusagen meine Einstiegsdroge. Als der Film in die Kinos kam, konnte ich nichts damit anfangen und habe ihn erstmal ignoriert. Doch dann lief er im Fernsehen und ich stieß zufällig darauf und dann - nun ja, war ich infiziert. Ich habe das Buch also nach dem Film gelesen, was die Geschichte aber auf keinen Fall weniger spannend gemacht hat. Und dann hatte ich vor einer Weile das Glück, den Hörbuch-Schuber mit allen drei Teilen auf Tauschticket ertauschen zu können und so tauche ich nun auch wieder in die Welt von Panem ein.

Geschichte und Erzählstil:

Suzanne Collins dystopische Welt finde ich nach wie vor einfach großartig und genial. Sie schafft ein Szenario, das nicht nur durchaus vorstellbar und dabei absolut grausam und furchteinflößend ist, sondern das in seiner Struktur auf den Diktaturen der Geschichte fußt. Das Kapitol, eine prächtige und beinahe groteske Metropole in der Mitte der 12 Disktrite, in denen Angst, Hunger und Elend regieren, und an der Spitze Präsident Snow - ein gefürchteter Alleinherrscher, der seine Feinde eliminiert, bevor sie ihm zu gefährlich werden und seine Untertanen unterjocht und durch Angst und Hoffnung kontrolliert. Die Spitze des Eisbergs sind die sogenannten Hungerspiele. Sie sind (man kann es nicht anders sagen) ein geniales und effizientes Mittel, um die Bevölkerung in Schach zu halten, jeden noch so kleinen Akt der Rebellion im Keim zu ersticken und gleichzeitig, den Menschen Hoffnung zu geben - Hoffnung auf ein Leben in Frieden. Ein erschreckendes Szenario und ein ausgeklügelter Plot, der Die Tribute von Panem für mich einzigartig und originell macht. Die Idee hinter der Geschichte hat mich von Anfang an fasziniert und gefesselt.

Natürlich ist das ganze Drumherum nichts wirklich Neues: Mit ihrem heldenhaften Verhalten während der "Ernte" (ich finde den Begriff in diesem Zusammenhang übrigens überaus schaurig) tritt Katniss unbewusst eine Welle los und wird zum Symbol eines noch lediglich schwelenden Widerstands. Sie gibt den Menschen neue Hoffnung und den Mut, sich vielleicht doch irgendwann gegen das Kapitol und den Präsidenten aufzulehnen und wird somit ungewollt zum Rebell. Was mir aber sehr gut gefallen hat, ist, dass Katniss keineswegs das perfekte Mädchen ist. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, kann man als Leser in ihren Kopf schauen und sieht so all ihre Zweifel und Ängste. Katniss ist auf der einen Seite mutig und stark und tut, was sie tun muss, um zu überleben. Auf der anderen Seite ist sie vor allem sozial oftmals etwas unbeholfen und so unterlaufen ihr hin und wieder auch dumme Fehler, die sie das Leben kosten könnten, wenn sie nicht ab und an so viel Glück hätte. Das macht sie echt und sympathisch: Sie ist zu 100% ein 16-jähriges Mädchen, das zu schnell erwachsen werden musste und das eben nicht immer alles richtig macht.

Peeta hingegen ist das ganze Gegenteil von Katniss - er ist ein Publikumsmagnet, der weiß, was er tun und sagen muss, um die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Und trotzdem ist er ein sympathischer Charakter, denn man spürt, dass seine Gefühle für Katniss von Anfang an nicht gespielt, sondern echt sind. Ich mag es allerdings, dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht, sondern eher so nebenbei läuft und der Fokus wirklich auf den Spielen liegt. Ich fand alle Teile durchgehend interessant: Sowohl die Szenen bis zur Ernte in Distrikt 12, die einen an bisschen an das Leben im Mittelalter denken lassen, als auch im starken Kontrast dazu das Kapitol, wo die Menschen im Luxus schwelgen, und schließlich die eigentlichen Spiele, die definitiv blutiger und grausamer sind, als ich es erwartet hätte. Dieser Teil ist besonders packend und manchmal kommt man kaum zu Atem. Auch beim Hören konnte ich mich von der Geschichte kaum lösen und habe von Anfang bis Ende mit Katniss und Peeta mitgefiebert.

Auch die übrigen Figuren sind Collins großartig gelungen. Effie und Katniss' Stylisten-Team sind so wunderbar grotesk und abgedreht und wirken so fehl am Platz in dieser grausamen Welt - was der Geschichte aber einen interessanten Touch gibt. Und natürlich Haymitch, den die Spiele ganz offensichtlich zerstört haben, der mit seiner flapsigen Art aber trotzdem liebenswert ist und den man auch allein deswegen gern hat, weil er Katniss' Potenzial erkennt und schließlich alles tut, um ihr zum Sieg zu verhelfen. Einer meiner Lieblingscharaktere in Tödliche Spiele ist allerdings Rue. Sie hat zwar nur eine relativ kleine Rolle, aber ich fand es sehr bewegend, wie Katniss in der Arena mit ihr Freundschaft schließt und sich mit ihr verbündet. Und sie schließlich wirklich ins Herz schließt.

Collins Schreibstil hat mir auch von Anfang an gefallen, denn er ist leicht verständlich, aber nicht zu jugendlich und simpel, sodass die Geschichte durchweg spannend ist. Und ich liebe die düstere Welt, die sie mit ihren Worten erschafft. Bei vielen Dystopien habe ich das Problem, dass ich mir die jeweilige Welt nicht wirklich vorstellen kann und mir das Ganze zu abstrakt ist. Bei Panem ist das überhaupt nicht der Fall. Panem hatte ich beim Lesen/Hören durchweg vor Augen und hatte das Gefühl, dieses grausame Land durch Katniss' Augen zu sehen - was natürlich auch auf die blutigen (für ein Jugendbuch, das bei Oetinger erschienen ist, tatsächlich ziemlich blutig) Spiele zutrifft. Und das ist es, was ich an Suzanne Collins' Dystopie so faszinierend finde.

Sprecher:

Absolut genial: Die Tribute von Panem wird von Maria Koschny gelesen. Ich kenne sie bereits als Sprecherin von David Safiers 28 Tage lang, aber was noch viel wichtiger ist: Sie ist die Synchronstimme von Jennifer Lawrence. Und natürlich ist die Hörbuchfassung daher, abgesehen von der Geschichte, der absolute Oberhammer. Für mich war Maria Koschnys Stimme schon bevor ich das Buch gelesen hatte die von Katniss und deswegen nimmt man ihr die Geschichte von vorne bis hinten ab. Sie verkörpert Katniss einfach nur perfekt und bringt ihre Emotionen und Ängste sehr authentisch zum Ausdruck. Maria Koschny versteht es, mit ihrer Stimme zu arbeiten, sie je nach Situation anders klingen zu lassen. Und damit macht sie das Hörbuch zum Hochgenuss!

Mein Fazit:

Die Tribute von Panem ist immer noch meine absolute Lieblings-Dystopie. Suzanne Collins' düstere Zukunftsvision hat mich von Anfang an fasziniert - das grausame Panem, die Spiele und die einzigartigen Charaktere machen die Geschichte für mich zu einem großartigen Jugendbuch. Und ich kann euch nur empfehlen, euch die Hörbuchfassung, gelesen von Jennifer Lawrence' deutscher Synchronstimme Maria Koschny, anzuhören. Es ist ein Genuss!


  
Die Reihe:
1. Band: Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele
2. Band: Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe
3. Band: Die Tribute von Panem: Flammender Zorn

1 Kommentare:

Buchbahnhof hat gesagt…

Guten Morgen, Svenja,
ich finde deine Rezension klasse und habe sie bei meiner Rezension verlinkt. Ich hoffe, dass das für dich okay ist. Falls nicht,bitte Bescheid geben, dann nehme ich den Link wieder raus.
LG
Yvonne
http://www.buchbahnhof.de/hoerbuch-rezension-die-tribute-von-panem-toedliche-spiele-suzanne-collins/

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