Donnerstag, 11. August 2016

REZENSION: "Die Bücherdiebin" (Markus Zusak)

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Titel: Die Bücherdiebin
Autor: Markus Zusak
Genre: Jugendroman / historischer Roman / Zweiter Weltkrieg
Sprecher: Boris Aljinovic
Erscheinungsjahr: 2014 (Erstveröffentlichung 2008)
Format: Hörbuch (9,99 €), HC, TB, eBook
Länge: 470 Minuten (592 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3837124019

Inhalt:

Nazideutschland, 1939: Der Zweite Weltkrieg bricht aus und der Tod hat viel zu tun. Während seiner grausigen Arbeit trifft er immer wieder auf ein kleines Mädchen, dem es stets gelingt, ihm zu entwischen: Liesel Meminger, auch bekannt als "die Bücherdiebin". Denn Liesel stiehlt immer wieder Bücher - zuerst das "Handbuch für Totengräber" am Grab ihres Bruders. Später klaubt sie völlig durchgeweichte Bücher aus dem Schnee, rettet angekokelte Bücher vor den Flammen während der Bücherverbrennungen und lässt auch aus dem Haus des Bürgermeisters den ein oder anderen Titel mitgehen. Liesel ist fasziniert von Wörtern und von den fremden Welten, die sie ihr eröffnen. Während Bombenalarm und Todesmärsche schon bald grausamer Alltag für das kleine Mädchen werden, bieten ihm die Bücher immer wieder eine Möglichkeit zur Flucht...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover der 2014 erschienenen Ausgabe zeigt das Filmposter mit Sophie Nélisse in der Rolle der Liesel. Es gefällt mir ziemlich gut (der Film ist übrigens auch großartig), trotzdem mag ich das Cover der 2009er Blanvalet-Ausgabe einfach lieber.


Meine Meinung:

Die Bücherdiebin von Markus Zusak ist eines meiner Lieblingsbücher. Zuletzt gelesen habe ich es, glaube ich, vor etwa 6 Jahren und da ich ja gerade total auf dem Hörbuch-Trip bin, dachte ich, es wäre langsam mal an der Zeit, es zu re-readen bzw. re-vorgelesen zu bekommen. :P Und wieder habe ich mich in Zusaks Geschichte verliebt.

Geschichte und Erzählstil:

Die Geschichte erzählt von einem kleinen Mädchen, das auf grausame Weise aus ihrem bisherigen Leben gerissen und in eine Pflegefamilie gebracht wird, die sie nur aufnimmt, weil sie Geld dafür bekommt. Doch schnell merkt die kleine Liesel und auch der Leser, dass vor allem ihr neuer Vater Hans Hubermann ein großes Herz hat und so führt er sie in die Welt der Worte ein und entfacht in Liesel eine glühende Leidenschaft für Bücher. Diese sind es, an die sie sich klammert, als die Welt um sie herum in Flammen aufgeht und der Zweite Weltkrieg nicht nur in Form von Bomben, sondern auch in Gestalt eines verzweifelten Juden, der vor dem Regime flüchtet, nach Molching kommt. Eine herzzerreißende Geschichte von Hoffnung, Liebe und kindlicher Unschuld, die so großartig erdacht und erzählt ist, dass sie ihresgleichen sucht.

Das liegt nicht nur an der bedrückenden Thematik oder an den großartigen und in jeder Hinsicht liebenswerten Charakteren. Sondern vor allem an der großen Besonderheit des Romans. Erzählt wird die Geschichte nämlich aus der Sicht des Todes, der den Krieg als seinen Knechter sieht und all seine Grausamkeiten aus einem ganz besonderen, interessanten Blickwinkel schildert. Bei Zusak ist der Tod kein erbarmungsloser, herzloser Sensenmann, sondern eher eine tragische Figur, die der Krieg müde und mürbe macht. Eine Figur, der ein so lebensfrohes und heiteres Mädchen wie Liesel Hoffnung gibt. Es ist schon etwas Außegerwöhnliches, dass die kleine Liesel es vermag, das Herz des Todes zu erweichen - und überhaupt ist es außergewöhnlich, dass der Tod überhaupt ein Herz hat. Irgendwie ist das ein tröstender Gedanke, vor allem bezogen auf eine solch dunkle Zeit wie die des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust.

In einer ungewöhnlich bildhaften, einerseits kunstvollen und andererseits wiederum kindlich einfachen Sprache erzählt Zusak von großem Leid, Silberstreifen am Horizont, kleinen Glücksmomenten und vor allem von der unglaublichen Macht der Worte. Seine Geschichte rührt zu Tränen und macht betroffen, bringt einen an vielen Stellen aber auch zum Lachen. Sie sprüht nur so vor Energie und Nachdruck und das ist es, was sie für mich zu einer der ganz großen Geschichten der Gegenwart macht.

So gut mir die Vertonung der Bücherdiebin auch gefällt: Leider muss ich sagen, dass die gekürzte Version doch ziemlich eingestampft wirkt und jemanden, der das Buch bereits gelesen hat, enttäuscht. Ich weiß nicht, inwieweit auch Zuhörern, die die Geschichte noch nicht kennen, die Lücken und Sprünge auffallen, aber für mich persönlich ist Die Bücherdiebin eines der am schlechtesten gekürzten Hörbücher, das ich kenne. Und das ist einfach unglaublich schade, da das dieser wundervollen Geschichte leider nicht gerecht wird.

Sprecher:

Gelesen wird Die Bücherdiebin von Boris Aljinovic, der mir bis jetzt völlig unbekannt war. Was mir besonders gut gefallen hat: Seine Stimme klingt weder jung noch alt, sondern irgendwie alterslos und passt somit so wunderbar zu dem Erzähler - dem Tod -, dass ich nur meinen Hut vor dieser grandiosen Besetzung ziehen kann. Außerdem mochte ich die Wärme und die Wehmut, die oftmals in Aljinovics Stimme mitschwingen und die die Geschichte von Liesel Memminger so lebendig und berührend machen. Auch die Interpretation der Dialoge hat mir sehr gut gefallen. Wirklich eine ganz fantastische Lesung!

Mein Fazit:

Markus Zusaks Die Bücherdiebin ist meiner Meinung nach einer der großartigsten Romane unserer Zeit und erzählt eine so vielfältige, in jeder Hinsicht faszinierende Geschichte, dass man sich ihr nicht entziehen kann. Man muss sich einfach in die wundervollen Charaktere und sogar den besonderen Erzähler in Gestalt des Todes verlieben und Boris Aljinovics Stimme hilft einem zusätzlich dabei. Leider kann ich der Hörbuchfassung trotzdem nur 4 von 5 Schriftstellerköpfen geben, da sie mir zu auffällig und unglücklich gekürzt ist. Lest auf jeden Fall zuerst das Buch und lasst euch dann von Aljinovics Stimme erneut mit nach Molching nehmen!



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