Samstag, 20. August 2016

REZENSION: "Das Orchideenhaus" (Lucinda Riley)

Copyright der Hörverlag
Titel: Das Orchideenhaus
Autor: Lucinda Riley
Genre: Roman / Liebesroman
Sprecher: Simone Kabst
Erscheinungsjahr: 2011
Format: Hörbuch (9,99 €), TB, eBook
Länge: 433 Minuten (560 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3867177658

Inhalt:

Julia Forrester ist eine berühmte Pianistin, die nach einem schweren Schicksalsschlag nicht ins Leben zurückfinden kann und sich deshalb zurück zu ihrer Familie nach England flüchtet. Das Schicksal führt sie nach Wharton Park, einem herrschaftlichem Anwesen, auf dem ihr Großvater Bill als Gärtner und Züchter von Orchideen beschäftigt war. Dort trifft Julia auf den charmanten Kit Crawford, den Erben von Wharton Park, und versteht sich auf Anhieb mit ihm. Bei Renovierungsarbeiten im ehemaligen Cottage von Julias Großeltern Bill und Elsie stößt Kit auf ein altes Tagebuch, das von den Erlebnissen eines Soldaten während des Zweiten Weltkriegs in Thailand erzählt. Julia ist erstaunt, denn ihr Großvater hat nie erwähnt, dass er während des Krieges in Asien war, und konfrontiert ihre Großmutter mit dem Tagebuch. Und so drängt schließlich ein Familiengeheimnis an die Oberfläche, über das jahrzehntelang geschwiegen wurde...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover zu Das Orchideenhaus war eines der ersten dieser Art (ich meine damit die Momentaufnahme eines herrschaftlichen Hauses und die von der Seite ins Bild ragenden Blumen) und hat mir schon damals, als ich das Taschenbuch kaufte, außerordentlich gut gefallen. Es ist sehr stimmungsvoll und passt zur geheimnisvollen Geschichte, auch wenn das Motiv in der Buchwelt mittlerweile etwas überstrapaziert wurde.

Meine Meinung:

Mit Das Orchideenhaus, dem Debütroman der britischen Autorin Lucinda Riley, habe ich mittels Hörbuch ein weiteres meiner Lieblingsbücher "re-readet". Vor fünf Jahren hat mich Das Orchideenhaus ähnlich mitgerissen und berührt wie Kate Mortons Der verborgene Garten. Und durch die Hörbuch-Fassung, eingelesen von Simone Kabst, habe ich festgestellt, dass die Geschichte nichts von ihrem Zauber verloren hat.  

Geschichte und Erzählstil:

In Das Orchideenhaus erzählt Lucinda Riley eine große, packende Familiengeschichte, die ganz klassisch mit den Nachforschungen einer jungen Frau ihren Anfang nimmt. Julia, die als erfolgreiche Pianistin in Frankreich gelebt hat, kehrt nach einer Tragödie in ihre Heimat England zurück, wo es sie nach Wharton Park, einem herrschaftlichen Anwesen kurz vor dem Verkauf durch den derzeitigen Besitzer Kit Crawford, verschlägt. Schon beim ersten Lesen war mir Julia unglaublich sympathisch und ich habe ihre Stärke und ihren Mut bewundert, mit dem sie sich tapfer zurück ins Leben kämpft. Dennoch ist Julia passiver als die meisten Protagonistinnen in Romanen des Genres: Sie macht sich nicht aus eigenem Antrieb auf die Suche nach dem großen Geheimnis, sondern stolpert viel mehr darüber und wird eher zufällig in die Geschichte verstrickt. Im Laufe der Handlung wird Julia jedoch enthusiastischer und es wird klar, dass ihr die Spurensuche dabei hilft, über ihre schrecklichen Erlebnisse hinwegzukommen.

Während Julia in der Gegenwart langsam aber sicher mit dem charmanten Erben von Wharton Park, Kit, anbandelt und sich zwischen ihnen eine zarte, unaufdringliche Liebesgeschichte mit irgendwie heilender Wirkung entspinnt, nimmt einen Das Orchideenhaus zwischenzeitlich auch noch in eine andere Zeitebene mit. Denn parallel zu Julias Entdeckungen und den Enthüllungen ihrer hoch betagten Großmutter Elsie, die in den 1940er Jahren als Dienstmädchen auf Wharton Park tätig war, wird auch die dramatische Geschichte von Olivia und Harry Crawford erzählt. Nicht nur der Glanz des prächtigen Herrenhauses in den 1930er und 1940er Jahren macht die Geschichte so faszinierend, sondern auch ein weiterer Handlungsort: Das exotische Thailand, wo Harry Crawford und Bill, Gärtner auf Wharton und Julias Großvater, nach dem Zweiten Weltkrieg in Gefangenschaft gerieten.

Riley beschreibt die Gräuel des Krieges in diesem Teil der Welt erschütternd authentisch, zeichnet gleichzeitig aber auch ein wunderschönes Bild von Bangkok und der umliegenden Landschaft, wie Harry Crawford es nach seiner Entlassung aus dem Gefangenenlager erlebte. Die Generationen umspannende Familiengeschichte schlägt den Leser in ihren Bann und fesselt ein ums andere Mal mit überraschenden Entwicklungen und großen Enthüllungen. Sowohl in Julias Gegenwart als auch in der Vergangenheit, in Olivias, Bills und Harrys Zeit, liegen Glück und Trauer nahe bei einander und das hat mich auch während des Hörens erneut beeindruckt und tief bewegt. Von der ersten bis zur letzten Seite bzw. Minute fiebert man mit und taucht völlig in die faszinierenden Welten von Wharton Park und Thailand ein.

Besonders geliebt habe ich an diesem Buch die Symbolik. Es gibt zwei wesentliche Dinge, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichten der verschiedenen Personen ziehen und ihre Schicksale miteinander verbinden. Zum einen sind das, wenig überraschend, die Orchideen, die Bill im Gewächshaus auf Wharton Park züchtete und die mit ihrer Schönheit die zarte Liebe symbolisieren und irgendwie die Zeiten überdauern. Zum anderen ist es die Musik beziehungsweise das Klavierspielen, aber was es damit auf sich hat, müsst ihr schon selbst herausfinden ;)

Zu Lucinda Rileys Schreibstil muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen. Ihr wisst ja, dass ich jeden ihrer Romane liebe und sie für das, was sie mit Worten macht, bewundere. Schon mit ihrem ersten Roman hat sie mich in ihren Bann geschlagen und ich habe auch nach der nochmaligen Lektüre fest gestellt, dass ich nach wie vor begeistert an ihren "Lippen" gehangen und den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit so gerne gelauscht habe.

Sprecher:

Gelesen wird Das Orchideenhaus von Simone Kabst, einer deutschen Theater- und Filmschauspielerin. Sie hat nicht unbedingt eine außergewöhnliche Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, wie zum Beispiel Maria Koschny, aber sie erzählt eindringlich und einfühlsam. Ihre Stimme klingt warm und angenehm und hat für mich deswegen perfekt zur Geschichte gepasst. Die verschiedenen Gefühle und Charaktere stellt sie sehr authentisch dar und ich habe es alles in allem wirklich genossen, ihr zu lauschen.

Mein Fazit:

Die wirklich sehr gut umgesetzte Hörbuchfassung von Lucinda Rileys Debütroman Das Orchideenhaus hat mir noch einmal gezeigt, wieso ich diese Geschichte so sehr liebe und seit dem ersten Lesen jedes Jahr gespannt auf eine Neuerscheinung von Lucinda warte. Große Gefühle, gut gehütete Geheimnisse und wundervolle Schauplätze - und das alles ohne jeden Kitsch - machen Das Orchideenhaus aus und haben beim Hören erneut eine große Faszination auf mich ausgeübt.



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