Sonntag, 7. August 2016

REZENSION: "Better Life 01: Ausgelöscht" (Lillith Korn)

Copyright Drachenmond Verlag



Titel: Better Life: Ausgelöscht
Autor: Lillith Korn
Genre: Dystopie
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Taschenbuch (12,00 €)
Seiten: 224
ISBN: 978-3959910880




Inhalt:

Mit dem Slogan "Schenken Sie uns Ihren Körper und wir schenken Ihnen 10 unvergessliche Jahre" wirbt das Unternehmen Better Life für ein besseres Leben. Mithilfe eines Programms, das die anerkannte Wissenschaftlerin Zoe Fink entwickelt hat, werden Erinnerungen gelöscht und ganze Persönlichkeiten neu programmiert. Zoe hatte das Ziel, traumatisierten Menschen zu helfen und ahnte nicht, dass Better Life ihr Programm für seine menschenverachtenden Zwecke nutzen würde. Als Zoe auf Paul trifft, einem Mitarbeiter von Better Life, wird ihr klar, was das Unternehmen unter Leitung des skrupellosen Carlos Grewe wirklich vorhat. Kann sie den Wahnsinn noch stoppen?

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist ziemlich düster und bedrohlich und passt perfekt zu Lillith Korns düsterem Szenario. Mir gefallen der dunkle Blauton und die Zahlen und Zeichen, die bereits ahnen lassen, dass es in der Geschichte um Codes und Technik geht.

Meine Meinung:

"Schenken Sie uns Ihren Körper und wir schenken Ihnen 10 unvergessliche Jahre" - mit diesem Slogan wirbt das Unternehmen Better Life in Lillith Korns gleichnamigem Roman Kunden an. Schon mit diesen wenigen Worten kreiert die Autorin ein besonders originelles dystopisches Szenario und eine sehr interessante Ausgangssituation. 

Wir befinden uns im Berlin der 2060er beziehungsweise 2070er Jahre. Korn zeichnet das Bild einer modernen Zukunftsstadt mit schwebenden, von selbst fahrenden Autos, intelligenten Wohnungen und Häusern und einem Chip im Arm eines jeden Einwohners, der zur Identifikation und Bezahlung verwendet wird. Die Vorstellung einer solchen Zukunft ist spannend, cool und beängstigend zugleich. Man denkt sofort an Überwachung auf Schritt und Tritt eine extreme Einschränkung der Privatsphäre, bestimmte Dinge würde man aber selbst gerne mal ausprobieren. Mich hat zum Beispiel das Café "Blogger's Inn" absolut begeistert, das in verschiedene Themenbereiche gegliedert ist und einen Bereich nur für Buchblogger besitzt (was für ein Traum). Im gleichen Atemzug wird aber auch erzählt, dass es nur noch eBooks und so gut wie keine gedruckten Bücher mehr gibt - ein absoluter Alptraum für mich!

Das Bedrohlichste an Korns dystopischer Welt ist jedoch das Unternehmen Better Life. Anders als in den meisten Dystopien ist es hier nämlich nicht eine diktatorische Regierung, die die Einwohner unterwirft, sondern ein einzelner Konzern - ähnlich wie in Teri Terrys Mind Games. Mithilfe eines speziellen Programms, das von der Protagonistin Zoe entwickelt wurde, löscht Better Life nämlich die Erinnerungen der Menschen, programmiert völlig neue Persönlichkeiten und erschafft so treu ergebene Mitarbeiter, die dem Unternehmen dienen. Auch Experimente sind an der Tagesordnung und beim Lesen wird schnell klar, dass der Kopf der Firma, Carlos Grewe, überhaupt keine Skrupel hat und bis zum Äußersten geht. Eine schreckende, grausame Vorstellung, die einem die Kehle zuschnürt und gleichzeitig ein origineller, faszinierender Ansatz für eine Dystopie. Das einzige, was mir hier ein bisschen gefehlt hat: Bis zum Ende war mir nicht ganz klar, was genau Carlos Grewe mit dem Ganzen bezweckt. Will er einfach nur die Menschen unterwerfen und so die "Weltherrschaft" an sich reißen oder steckt doch mehr dahinter? Ich hoffe, das wird im zweiten Teil aufgeklärt, denn das ist das einzige, was an dem ganzen Szenario nicht ganz schlüssig ist.

Mit der Neuroinformatikern Zoe Fink und dem Better Life Mitarbeiter Paul Bornemann hat die Geschichte gleich zwei Helden. Zoe ist eine toughe, kluge junge Frau, die sich Better Life zum Feind macht, als sie entdeckt, was das Unternehmen tatsächlich mit ihrem Programm vorhat und aussteigt. Ihre Fähigkeiten haben mich beim Lesen ziemlich beeindruckt - gleichzeitig konnte ich mich aber auch sehr gut mit ihr identifizieren. Zu Paul möchte ich nicht allzu viel sagen, denn in Bezug auf ihn erwartet den Leser im Verlauf der Handlung eine Überraschung, denn Zoe gelingt es, Pauls Vergangenheit aufzudecken und ihn schließlich auf ihre Seite zu ziehen - wie genau, das müsst ihr schon selbst herausfinden. ;) Mit Carlos Grewe erschafft Lillith Korn wiederum einen wahrhaft bedrohlichen und zeitweise allmächtig wirkenden Feind. Er ist ein skrupelloser Geschäftsmann und Mörder, ein Psychopath, der einem mit seinem betont ruhigen Auftreten Angst einjagt. Ein grandioser Gegenspieler!

Die Handlung selbst ist sehr kompakt und äußerst spannend. Mit etwa 200 Seiten ist Better Life: Ausgelöscht ungewöhnlich kurz, was einerseits den Vorteil hat, dass die Geschichte sich rasant entwickelt, es Schlag auf Schlag geht und es zwischendrin keine Längen gibt. Das gefällt mir außerordentlich gut, denn bei vielen Dystopien wird sich ja an Kleinigkeiten aufgehalten, was die Handlung unnötig aufbläht. Lillith Korns Roman ist spannend und rasant von der ersten bis zur letzten Seite, überfordert aber trotzdem nicht und so hat man beim Lesen jede Menge Spaß. Ihre dystopische Welt ist detailreich beschrieben, andererseits hätte ich mir aber ein paar noch tiefgreifendere Informationen gewünscht. Aber die kommen ja vielleicht im zweiten Teil. Den muss ich mir jetzt so schnell wie möglich besorgen, denn der erste endet mit einem wirklich fiesen Cliffhanger!

Mein Fazit:

Lillith Korns Dystopie Better Life: Ausgelöscht überzeugt mit einer außergewöhnlichen, bedrohlichen Grundidee, einer rasanten und durchgehend spannenden Handlung und einem angenehmen Schreibstil, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt. Auch die Charaktere und das hoch technisierte Berlin der Zukunft sind einfach brillant beschrieben und haben mir absolutes Kopfkino verschafft. Einzig die Motivation des Bösewichts Grewe gibt mir nach dem Lesen Rätsel auf, aber ich hoffe, das wird im zweiten Band aufgeklärt. Ich freu mich auf jeden Fall auf die Fotsetzung!



Die Reihe:

1. Band: Better Life: Ausgelöscht

2 Kommentare:

buch - leben hat gesagt…

Danke für die Rezi. Ich dachte ich hätte an Dystopien langsam alles durch. Da ist es schön was neues zu entdecken. Weißt du wie viele Bände geplant sind?
Viele Grüße Jasmin

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Jasmin :)

Das stimmt, bei Dystopien läuft man ja immer irgendwie Gefahr, dass sich alles wiederholt. "Better Life" ist da wirklich eine coole Abwechslung. Es ist ein Zweiteiler und der zweite Band ist auch schon erschienen :)

Liebe Grüße
Svenja

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