Freitag, 19. August 2016

"Man muss zu Lebzeiten Tausende und Abertausende Erinnerungen sammeln.": INTERVIEW mit Linda Schipp


Vor Kurzem habe ich euch hier auf dem Blog den Debütroman der Jungautorin Linda Schipp vorgestellt, der diesen Sommer im Drachenmond Verlag erschienen ist: Memories to Do. Wie ihr vielleicht noch wisst, hat mich das Buch ziemlich begeistert und mir brannten nach dem Lesen einige Fragen auf den Nägeln. Zu meinem (und eurem!) großen Glück hat Linda sich bereit erklärt, mir diese zu beantworten und hier lest ihr nun mein Interview mit ihr. Viel Spaß!

© Linda Schipp


Liebe Linda,
erst einmal möchte ich dich im bunten Tintenfässchen willkommen heißen und mich ganz herzlich bei dir für die wundervolle Signatur in meinem Exemplar deines Debütromans „Memories to Do: Allies Liste“ aus dem Drachenmond Verlag bedanken. Und natürlich dafür, dass du dir die Zeit nimmst und dich meinen neugierigen Fragen zu dir und deinem Buch stellst. =)

Na, aber sehr gerne! :-)

Zum Einstieg: Wie würdest du dich selbst in 3 Worten beschreiben?

Ich habe das Gefühl, meine Antwort auf diese Frage ist immer stimmungsabhängig. Ein Wort ist aber jedes Mal dabei: herzlich. Ich glaube, ich bin ein herzlicher Mensch. Außerdem ehrgeizig und begeisterungsfähig. 

Die Frage hast du bestimmt schon ein paar Mal beantworten müssen, deswegen formuliere ich sie ein bisschen um. Aus „Wie bist du zum Schreiben gekommen?“ wird: Was reizt dich am Schreiben von Geschichten am meisten?

Ich glaube, es ist das Gefühl, etwas Neues zu erschaffen. Etwas, das man in den Händen halten und von dem man nach stundenlanger Arbeit sagen kann: "Schau, das hier ist dabei herausgekommen". Eine eigene Welt zwischen zwei Buchdeckeln – das ist doch grandios, oder?

Das stimmt allerdings. ;) Und was machst du, wenn du gerade nicht schreibst?

Wie, man kann noch was anderes machen …? Nein, also momentan stecke ich meistens irgendwo zwischen Bachelorarbeit, Unikram und meinem Nebenjob als Texterin. Im Grunde genommen ist es also doch schreiben 24/7. Wenn tatsächlich mal ein wenig freie Zeit übrig ist, dann bin ich gezwungen, meinem Freund etwas Aufmerksamkeit zu schenken. ;-) Oder ich treffe mich mit Freundinnen, lese ein Buch … Das ist ganz unterschiedlich.

© Drachenmond Verlag
Stichwort Buch: „Memories to Do“ ist dein Debütroman und handelt von der Macht der Erinnerungen und vor allem von der ganz großen Liebe. Wie kam dir die Idee dazu und an welchem Punkt hast du gemerkt, dass du gerade dabei bist, daraus einen ganzen Roman zu machen?

Wie ich auf die Idee kam, kann ich leider überhaupt nicht mehr beantworten. Memories To Do war eine Eingebung irgendwann mit 15 oder 16, viel zu lange ist das schon her! Die erste Szene war die Nacht im Bootshaus und von dort entwickelte sich die Geschichte ganz eigenmächtig weiter. Bis zum Schluss hatte ich selbst keine Ahnung von "der Sache", dem großen Geheimnis, das meinem Protagonisten Luis auf der Seele lastet. Ich saß ähnlich perplex vorm Laptop wie meine Protagonistin Allie, als Luis endlich mit der Sprache rausrückte. ;-)
Als ich dann tatsächlich das Wort "Ende" unter das Manuskript setzen durfte, war ich selbst baff. Krass, ich hatte tatsächlich ein Buch geschrieben! Erst da wurde mir bewusst, dass ich einen echten Roman verfasst hatte.

Und der kann sich auf jeden Fall sehen lassen! Ich bin ja ein erklärter Romantik-Fan und finde, „Memories to Do“ braucht sich hinter anderen Büchern des Genres wie beispielsweise denen von Nicholas Sparks nicht zu verstecken. Gibt es vielleicht einen Autor oder einen bestimmten Roman, der dich diesbezüglich besonders geprägt oder vielleicht sogar dazu inspiriert hat, selbst eine Liebesgeschichte zu schreiben?

Ach, danke schön erst einmal für das liebe Kompliment! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: Nicholas Sparks ist mein großes Vorbild in Sachen Schreiben. Ich bewundere es, wie er in ganz einfache Situationen, winzige Handlungen so viel Gefühl hineinsteckt. Er findet die richtigen Worte, um die Emotionen seiner Protagonisten in die Herzen der Leser zu tragen. Das möchte ich auch beherrschen.

Ebenso wie Sparks‘ Geschichten spielt ja auch „Memories to Do“ in einer us-amerikanischen Kleinstadt, nämlich in Townsend. Wieso gerade dort? Wie bist du auf den Ort gekommen?

Genauso, wie Luis seine Wahlheimat gefunden hat: Ich habe meinen Finger über der Landkarte Amerikas schweben lassen und blind getippt. Man kann sich schließlich nicht aussuchen, wo man geboren wird, nicht wahr? ;-) Ich habe mich aber gleich in Townsend verliebt. Ein winziges amerikanisches Dorf mit kaum 1.000 Einwohnern und einer tollen, wenn auch nicht spektakulären Landschaft – perfekt für Allies Geschichte.

Und Allie hat mich an deinem Roman auch besonders fasziniert beziehungsweise die Tatsache, dass sie sozusagen zwei Persönlichkeiten besitzt – die von vor der Amnesie und die ihres 17-jährigen Selbst. Wie hat es sich für dich angefühlt, eine Protagonistin mit solch unterschiedlichen Facetten zu beschreiben? 

Ich habe es schon als Herausforderung empfunden, beide Persönlichkeiten authentisch darzustellen. Die 34-jährige Allie fiel mir dabei schwerer, einerseits, weil sie mit den Folgen ihrer Amnesie zu kämpfen hat, andererseits aber auch, weil ich zum Zeitpunkt des Schreibens selbst keine zwanzig Jahre alt war. Sich dann in eine vierzehn Jahre ältere Frau hineinzuversetzen, ist nicht leicht. Ich denke aber, mir ist es dennoch gelungen, da auch die 34-jährige Allie zu Anfang, kurz nach ihrem Unfall, handelt und denkt wie ein Teenager. 

Auf jeden Fall! Mich hat die Geschichte von Allie und Luis zumindest sehr berührt. Wie war das bei dir – gibt es Szenen im Buch, die zu schreiben dir besonders schwer fielen oder die dich selbst sehr mitgenommen haben?

Ganz ehrlich? Nein. Es ist seltsam, denn ich weiß, dass die meisten Autoren mit ihren Figuren leiden. Das ist bei mir anders. Ich fiebere mit, ich verwende unheimlich viel Zeit darauf, mich in die Protagonisten hineinzuversetzen und die genauen Worte zu finden, die ihre Gefühlsregungen beschreiben. Aber ich leide nicht selbst, wenn es Allie schlecht geht. Vielleicht, weil ich daran glaube, dass alles im Leben einen Sinn und das Schicksal einen Plan für uns hat. Um die Sonne schätzen zu lernen, muss es manchmal eben auch regnen. :-)

„Die Liebe hört niemals auf“ - dieser Satz spielt in „Memories to Do“ eine wesentliche Rolle. Würdest du sagen, dass das die Kernaussage der Geschichte ist?

Tatsächlich, ja. Und die zweite Kernaussage lautet: Man muss zu Lebzeiten Tausende und Abertausende Erinnerungen sammeln. Damit man später einmal von ihnen zehren kann.

Ein anderer Autor hat in einem Interview mal zu mir gesagt: „Das Buch, das man am liebsten lesen möchte, sollte man selbst schreiben.“ Trifft das bei dir und „Memories to Do“ zu?

Der Gedanke ist nicht mein erster Antrieb, aber sicherlich einer der Gründe, weshalb ich schreibe. Ich habe an den meisten Büchern etwas auszusetzen. Insbesondere an den Enden: Haben Bücher Happy Ends, sind sie vorhersehbar. Ist das Ende traurig, hinterlässt das Buch einen bitteren Nachgeschmack. Ich glaube, Memories To Do hat da einen neuen Lösungsweg gefunden. Das gefällt mir. :-)

Da hast du recht, mich hat dein Ende auf jeden Fall auch überzeugt. Zunächst hast du deinen Debütroman ja selbst publiziert, bevor er beim Drachenmond Verlag erschien. Wie kam die Zusammenarbeit denn genau zustande?

Das war vielleicht verrückt: Nur wenige Tage, nachdem ich Memories To Do veröffentlicht habe, ist eine Drachenmond-Autorin auf mich zugekommen: Sie habe mein Buch angelesen und es Astrid, der Verlegerin des Drachenmond Verlages, empfohlen. Da ich mich vor der Veröffentlichung schon in einigen Schreibgruppen herumgetrieben habe, ist sie schon vorher auf mein Buch aufmerksam geworden. Astrid hat auf die Empfehlung – und ihren Bauch – vertraut und innerhalb weniger Wochen war ich auf einmal Verlagsautorin!

Das könnte doch glatt direkt aus einem Roman stammen. ;) Und? Wie fühlt man sich so als richtiger Autor mit Verlags-Vertrag? ;)

Darf ich Mimik sprechen lassen? *FETT GRINS*
Wenn ein jahrelanger Traum wahr wird, dann fühlt sich das einmalig an. Auch wenn ich den Weg des Selfpublishings toll finde, ist es eine große Ehre, dass ein Verlag (und dann auch noch ein so toller) mir so großes Vertrauen entgegenbringt.

Was mich persönlich brennend interessiert: Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt und wenn ja, kannst du vielleicht eine winzig kleine Kleinigkeit dazu verraten? =)

Hmmmm, okay, eine Kleinigkeit, nur für dich. Eigentlich steckt das Projekt nämlich noch in den Kinderschuhen: Der Arbeitstitel lautet "Himmel, Fee und Erde". Meine Protagonistin wird dem Himmel einen Besuch abstatten. Das Stichwort "Nahtoderfahrung" spielt eine Rolle, ebenso die Wissenschaft der Liebe.

Wow – vielen Dank für diesen kleinen Ausblick. Ich bin jetzt schon super gespannt auf dein neues Buch und setze es auf jeden Fall auf meine Must-Read-Liste. Apropos Liste: Auf Allies „Memories to Do“-Liste stehen ja Erinnerungen, die sie in ihrem Leben noch sammeln möchte. Hast du vielleicht auch eine solche Liste oder gibt es bestimmte Dinge, die du dir für die Zukunft fest vorgenommen hast?

Einen Punkt meiner Memories-To-Do-Liste mache ich sogar noch dieses Jahr wahr: Ich werde mir eine Zeit lang nur zum Schreiben nehmen, es quasi "hauptberuflich" ausüben. Dabei umfasst das Schreiben zwar nicht nur das Romaneschreiben, sondern auch PR-Texten für Kunden und journalistisches Schreiben, aber es ist ein Anfang. Wer weiß, was sich daraus entwickelt. Ein zweiter Punkt: Ich möchte unbedingt noch mal ein paar Monate im Ausland leben.


Vielen vielen Dank für deine tollen und ausführlichen Antworten <3 Zum Schluss würde ich dich bitten, noch ein paar Sätze für mich zu vervollständigen:



Mein Lieblingsbuch ist "Wie ein einziger Tag" von Nicholas Sparks
Am liebsten lese ich Bücher von Nicholas Sparks! Sebastian Fitzek finde ich aber auch super, Kiera Cass und Mila Olsen.
Ein fesselndes Buch muss für mich unerwartete Wendungen beinhalten.
Literatur bedeutet für mich Genuss.
Ein perfekter Tag sieht für mich so aus: Ein ausgiebiges Frühstück, eine Zeit lang am Meer verbringen, ein einmaliges Erlebnis machen (zum Beispiel einen Wasserfall hinunterzuspringen, das war toll) und ein riesiges Abendbuffet genießen.
Ich liebe es, Zeit mit meinem Hund zu verbringen.
Ich würde gerne mal backpacken.
Mein großes Ziel ist es, eines Tages vom Schreiben leben zu können.
Mein Lebensmotto lautet: Alles im Leben hat einen Sinn.


Das war also mein Interview mit Drachenmond-Autorin Linda Schipp :) Ich möchte mich ganz herzlich bei ihr dafür bedanken, dass sie mir so bereitwillig Rede und Antwort gestanden hat und ich hoffe, euch hat das Interview ebenso viel Freude bereitet wie mir. Und wenn ihr jetzt neugierig auf Linda Schipps Roman Memories to Do geworden seid, dann könnt ihr euch *HIER* noch einmal meine Buchbesprechung durchlesen und gelangt *HIER* direkt zum Drachenmond Verlag. Danke fürs Lesen! ;)


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