Montag, 15. August 2016

DIES & DAS: Endlich raus aus dem Grau - Mein Jobwechsel

Abschiedsgeschenk von meinen Kolleginnen
Ihr erinnert euch ja vielleicht daran, dass ich zurzeit eine Weiterbildung im Bereich Online-Marketing absolviere, mit dem Ziel, mich beruflich zu verbessern und irgendwann vielleicht meinen Traumjob zu finden. Einen weiteren Schritt in die richtige Richtung habe ich jetzt gemacht. Lange war ich unzufrieden in meinem Job, den ich seit Dezember 2014 mache, hatte regelrecht Panik davor, auf Arbeit zu gehen, und habe das Wochenende schon am Samstag Abend zu Grabe getragen. Und lange kam ich da nicht raus. Doch jetzt ging es endlich: Ich habe gekündigt und das fühlt sich so befreiend, so fantastisch, so so gut an!

Wenn man sich in seinem Job gefangen fühlt...

Seit Dezember 2014 arbeite ich als Werbetexterin/Content-Managerin für einen Onlineshop (nähere Angaben zu meinem Arbeitgeber mache ich nicht). Damals hatte ich gerade aus finanziellen Gründen mein Master-Studium der Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin abbrechen müssen und war händeringend auf der Suche nach einem Job in Richtung Onlineredakteur oder eben Werbetexter. Ich war dann schließlich so erleichtert, dass ich nach einer relativ kurzen Jobsuche um den Gang zum Arbeitsamt herum kam und schnell eine unbefristete Stelle fand. Das Einstiegsgehalt war niedrig, aber für einen ehemaligen Studenten vollkommen okay, die Arbeit klang spannend und die Kolleginnen waren mir von Anfang an absolut sympathisch.

Sah also zu Beginn alles ganz prima aus. Und ich will auch gar nicht alles schlecht reden, denn anfangs war ich wirklich zufrieden. Na klar, an die 40-Stunden-Woche musste ich mich erst gewöhnen und vor allem daran, dass ich nach der Arbeit nicht mal eben noch zur Post, aufs Amt oder zum Arzt gehen konnte. Aber so what - ich verdiente mein erstes Geld, war nicht mehr auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern angewiesen und lag auch dem Staat nicht auf der Tasche. Statt der kleinen, abgefrackten Einraumwohnung konnten wir uns nun eine große Maisonette-Wohnung leisten (die Mieten in Leipzig sind noch immer sehr niedrig - deswegen geht das zum Glück auch mit Mindestlohn).

Nach etwa einem Dreivierteljahr aber wurde mir klar, dass ich diesen Job nicht mehr machen möchte. Warum? Das hatte mehrere Gründe. Ich versuche mal, neutral und sachlich, dabei jedoch trotzdem konkret zu bleiben:

  • Ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sowohl finanziell als auch meine Aufgaben betreffend kam ich nicht voran. Weder Gehaltserhöhung noch berufliche Weiterbildungen oder schlichtweg anspruchsvollere Arbeiten waren in Aussicht.
  • So fühlte ich mich permanent unterfordert und demotiviert. Die Arbeit machte mir keinen Spaß mehr und ödete mich zunehmend an.
  • Das Verhältnis der Mitarbeiter zum Chef verschlechterte sich innerhalb kürzester Zeit rapide. Wertschätzung und eine sachliche, freundliche Kommunikation zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber fehlten komplett, stattdessen war ein unsachlicher, teilweise schon beleidigender Ton seitens des Vorgesetzten an der Tagesordnung.
  • Kreativität und Eigeninitiative seitens der Angestellten waren vom Chef nicht gewünscht. Quantität ging ihm stets vor Qualität und man hatte einfach nur stupide seine Arbeit zu machen.
  • Das hatte zur Folge, dass ich meinen Chef immer weniger respektierte und ihn stattdessen regelrecht fürchtete. Ich hatte manchmal abends schon Panik davor, ihn vielleicht am nächsten Tag auf dem Gang treffen zu müssen oder (noch schlimmer!) wegen irgendetwas zu ihm zitiert zu werden.
  • Die Arbeitszeiten ließen wenig Raum für Freizeit. Teilweise sehnte ich mich sogar nach der Abwechslung von Schichten (obwohl ich vor allem durch meinen Freund und meine Mutti weiß, wie anstrengend und kräftezehrend Schichtarbeit auf die Dauer ist). Ich wollte einfach flexibler sein.
  • Ich wollte diesen Job schlichtweg nicht mehr machen. Ich wollte Abwechslung, gerne etwas ganz anderes machen oder wenigstens mit anderen Produkten arbeiten. Ich konnte die immer gleichen Artikel einfach nicht mehr sehen.   
Wie ihr seht, kam hier ziemlich viel zusammen. Noch dazu konnte ich ja nicht einfach kündigen. In Leipzig gibt es nicht sonderlich viele freie Stellen für Geisteswissenschaftler und Germanisten im Allgemeinen und für Onlineredakteure, Werbetexter und Content-Manager im Speziellen. Hin und wieder fand ich eine Stellenanzeige, auf die ich mich bewarb - ich variierte die Anschreiben und Lebensläufe, probierte die verschiedensten Varianten aus. Und doch kam in 90% Prozent der Fälle nicht einmal eine Antwort. Die anderen 10% waren Absagen. Und kündigen ohne die Aussicht auf einen neuen Job - das geht ja nun mal nicht, denn dann wird man beim Arbeitsamt für mindestens 6 Wochen gesperrt und erhält solange kein Arbeitslosengeld. Einen Umzug in eine andere Stadt konnte ich mir aufgrund meines niedrigen Einkommens hingegen nicht leisten. Ich steckte also fest...


Welche Folgen diese verfahrene Situation bei mir hatte...

Das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen, auf der Stelle zu treten beziehungsweise richtiggehend festzustecken, hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Abgesehen davon, dass das Wochenende für mich gedanklich bereits am Samstag Abend vorbei war und mir eine weitere Woche im Betrieb stets wie eine Ewigkeit vorkam, hatte meine verfahrene Job-Situation auch und vor allem Auswirkungen auf mein Privatleben. Mehrmals die Woche kam ich vollkommen demotiviert und fertig mit den Nerven nach Hause, weil wieder irgendwas vorgefallen war. Ich kotzte mich manchmal stundenlang bei meinem Freund aus, war unglaublich reizbar und ging schneller in die Luft als sowieso schon. Ich war oft schlichtweg unheimlich genervt von allem, manchmal hatte ich nicht mal mehr Lust zu lesen!!! Und das hat mir schon ein bisschen Angst gemacht. Ich wusste: Es muss sich bald etwas ändern, sonst machst du dich auf kurz oder lang total kaputt. Auch, dass ich wesentlich öfter krank war als in den Jahren zuvor, war für mich ein eindeutiges Warnsignal.

Ich habe mir also immer wieder die Vorteile meines aktuellen Jobs vorgebetet: Nette Kollegen, relativ entspannte Arbeit (solange der Chef nicht um die Ecke kommt), überhaupt ein Job und nicht arbeitslos zuhause sitzen, das Geld kommt pünktlich. Man muss ja Prioritäten setzen... Trotzdem war das erste, das mir jeden Morgen sofort nach dem Aufwachen in den Sinn kam, mein Chef und meine dröge Arbeit. Man hat dann immer das Gefühl, sich selbst zu bedauern und auf hohem Niveau zu jammern, denn man weiß ja, dass man sich glücklich schätzen sollte, überhaupt einen Job zu haben und dass es anderen noch viel viel viel schlimmer ergeht. Aber das sorgt auf kurz oder lang nur dafür, dass man sich noch mieser fühlt. Mental hatte ich schon zig mal gekündigt, meinen Abgang minutiös geplant. Und wenn es einmal soweit ist, dann hat es einfach keinen Sinn mehr, so weiterzumachen wie bisher. Das ist jedenfalls die Erfahrung, die ich gemacht habe.

Der Befreiungsschlag - die Kündigung

Irgendwann geschah dann das für mich Unglaubliche: Ich erhielt auf eines meiner Bewerbungsschreiben tatsächlich eine Antwort und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Und was soll ich sagen? Bereits am Telefon klang meine neue Vorgesetzte in spe freundlich und zuvorkommend und bekundete viel Interesse an meinen Fähigkeiten und den Erfahrungen, die ich bisher sammeln konnte. Dieser Eindruck bestätigte sich im persönlichen Gespräch und auch die Kollegen und überhaupt die gesamte Arbeitssituation machten auf mich einen durchweg positiven Eindruck. Nach dem Gespräch wurde mir gesagt, ich könne anfangen, sobald ich möchte. Ich räumte mir aber selbst noch ein wenig Bedenkzeit ein, denn der neue Job wird anfangs auf 30-Stunden-Basis sein und so verdiene ich trotz eines höheren Stundenlohns zu Beginn erst einmal weniger als in meinem alten Job. Alle meine Freunde, meine Eltern und Großeltern rieten mir aber dringend dazu, das Angebot anzunehmen: Denn was ist schon ein bisschen weniger Geld im Vergleich mit Ruhe, Zufriedenheit, mehr Freizeit und einfach einer entspannten Atmosphäre? So sagte ich also zu und der Knoten platzte.

Schon die Kündigung zu schreiben, war ein unglaublich befreiendes Gefühl. Es verschaffte mir Genugtuung und gleichzeitig realisierte ich das erste Mal, dass ich jetzt endlich vorwärts komme. Es war der Hammer! Und dann kam der Tag, an dem ich meinem Chef die Kündigung auf den Schreibtisch legen konnte: Unglücklicherweise (zugegebenermaßen war ich aber auch ein wenig schadenfroh) hatte er genau an dem Tag beschlossen, umzustrukturieren und mir eine andere Aufgabe zu geben. Die hätte ich aber unter keinen Umständen machen wollen und zudem hätte ich aus dem Büro mit meinen drei Kolleginnen rausgemusst und so war ich auch unglaublich froh darüber, dass ich einen Schlussstrich gezogen habe. Die letzten Wochen waren dann ziemlich surreal, irgendwie konnte ich es noch nicht ganz begreifen. Und dann war am Freitag mein letzter Arbeitstag: Nachdem ich mich von allen verabschiedet hatte (von vielen mit einem Kloß im Hals, denn das kollegiale Umfeld hat einfach gepasst, auch wenn vieles andere nicht so toll war), legte ich das letzte Mal meinen (Mittel-)finger auf den Fingerabdruckscanner zur Zeiterfassung (eine Datenschutzerklärung hat man uns übrigens nie vorgelegt), ging das letzte Mal durch die gläserne Schiebetür und schaute mir das graue, hässliche Gebäude von außen noch einmal an. Das war es dann also. Ich stand im Nieselregen und dieses Gefühl war unbeschreiblich, das kann ich euch sagen! Freiheit!

Auf zu neuen Ufern

Wie gesagt, meine drei Kolleginnen, mit denen ich mir mehr als anderthalb Jahre lang ein Büro geteilt habe, werde ich ziemlich vermissen. Trotz allem hatten wir jede Menge Spaß, haben die ein oder andere Fressorgie veranstaltet, über Bücher gefachsimpelt, Frauengespräche geführt, uns gemeinsam über den Chef aufgeregt und zusammen unseren Träumen nachgehangen. Der abgeschlossene Kosmos unseres kleinen Büros war das einzige, das mich Morgen für Morgen motiviert hat, aufzustehen und auf Arbeit zu gehen. Und ich hoffe so sehr, dass wir in Kontakt bleiben und uns nicht aus den Augen verlieren. Übrigens haben seit meiner Kündigung drei weitere Mitarbeiter das Handtuch geworfen und langsam scheint sich in der Firma etwas zu bewegen. Nur schade, dass es dafür erst einiger Fortgänge bedarf...

Und ich - ich starte morgen, am 16.8., in einen neuen Lebensabschnitt und schreibe ab sofort Produkttexte für einen Onlineshop für Floristenbedarf. Ich habe noch nicht besonders viel Ahnung von den Produkten, aber ich denke, ich werde mich schnell eingewöhnen und dann schon bald ein Profi in Sachen Deko sein ;) Währenddessen lerne ich auch weiterhin fleißig für mein Fernstudium und verliere mein großes Lebensziel - in einem Verlag zu arbeiten - nicht aus den Augen. Ich bin auf jeden Fall wahnsinnig motiviert, habe wieder mehr Energie und freue mich wieder aufs Arbeiten. Und so soll es sein, oder!?

Ich kann euch nur raten, aktiv zu werden, sobald ihr merkt, dass ihr in eurem Job aus welche Gründen auch immer unglücklich seid. Man kann das eine Weile lang ertragen, aber irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Es ist nicht immer leicht, gleich etwas Neues zu finden, aber die Suche lohnt sich und zahlt sich irgendwann aus! Kennt ihr solche Situationen vielleicht auch? Dann schreibt es gerne in die Kommentare :)

4 Kommentare:

An Chan hat gesagt…

Huhu Svenja,

Glückwunsch, ich wünsche dir, dass es jetzt wieder bergauf geht! :D

Ich habe mich in all deinen Ausführungen total wiedergefunden. >.< Mein Job ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber bisher hatte ich mit der neuen Jobsuche keinen Erfolg... :( Naja, nachdem ich monatelang immer wieder (genau wie du) super gereizt und teilweise richtig depressiv nach Hause kam, habe ich jetzt eine "Scheißegal"-Haltung entwickelt, das hilft etwas... :'D Spätestens nächstes Jahr, wenn mein Freund fertig studiert hat und wir eh irgendwo hinziehen müssen, wo wir beide Arbeit finden können, kündige ich hier.

LG Alica

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Alicia :)

Lieben Dank <3 Die erste Woche war einfach großartig und ich fühle mich pudelwohl in der neuen Firma. Ich musste auch feststellen, dass ich mich an viele Kleinigkeiten erst einmal gewöhnen muss, z.B. dass der Chef eigentlich jeden Tag im Büro vorbeischaut, ganz ohne böse Absichten. Ich bin da noch gebrandmarkt :P

Ohje, ich drücke dir die Daumen, dass die Situation auch für dich bald besser wird und dass du einen Job findest, bei dem alles stimmt. Ich weiß, wie schwer das sein kann und wie extrem einen die ausweglose Situation runterziehen kann. Aber - ich habs geschafft und du schaffst das auch ;) Halt weiter durch!

Liebe Grüße
Svenja

An Chan hat gesagt…

Danke. Und das freut mich zu hören. :D Ich hoffe auch sehr, dass mein nächster Job mir mehr Spaß macht und der Chef nicht so ein Vollidiot wird. xD Naja, erstmal was neues finden... >.<

Anonym hat gesagt…

Liebe Svenja,
schön von dir zu lesen, schön, dass es dir gut geht und du dein Leben in die Hand nimmst. Veränderungen sind anstrengend, der Schritt scheint manchmal unmöglich. Aber wir haben nun mal nur dieses eine Leben und sollten es doch wohl mit den Dingen verbringen, die man mag.
Schön, dass du deinen Weg gehst.

Du wirst uns immer positiv in Erinnerung bleiben.

Liebe Grüße auch von Hendrik:-),
Marie

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