Montag, 25. Juli 2016

REZENSION: "Vor mir die Sterne" (Beth Harbison)

Copyright Aufbau Verlag


Titel: Vor mir die Sterne
Autor: Beth Harbison
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Aufbau Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 395
ISBN: 978-3746632292





Inhalt:

Ramie ist eigentlich recht zufrieden mit ihrem Leben: Sie ist eine erfolgreiche Brokerin und verbringt den Tag vor ihrem 38. Geburtstag zusammen mit ihren Freunden ganz entspannt auf einer Jacht. Doch tief drinnen fühlt Ramie sich auch irgendwie einsam und leer und fragt sich immer wieder, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie ihre erste große Liebe nicht verlassen hätte, wenn ihr Vater nicht viel zu früh gestorben wäre!? Und plötzlich erhält Ramie die einmalige Chance, genau das herauszufinden, denn nach einem Unfall wacht sie als ihr 18-jähriges Ich wieder auf und hat nun Gelegenheit, all ihre Entscheidungen zu hinterfragen und noch einmal zu leben - intensiver und glücklicher.


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist einfach traumhaft schön - sehr fantasie- und stimmungsvoll und irgendwie so surreal, wie sich auch die Geschichte zunächst einmal anhört. Auch irgendwie märchenhaft. Ich mag das dunkle Blau und den wunderschönen Nachthimmel und finde das Bild von dem Mädchen, das auf den Sternen balanciert und sie einzusammeln scheint, einfach großartig. Ein fantastisches Cover und bis jetzt eines meiner Jahreshighlights. 

Meine Meinung:

Ein weiteres luftiges Sommerbuch zum Verlieben kommt aus dem Aufbau Verlag: In Beth Harbisons neuem Roman Vor mir die Sterne geht es um ein altbekanntes, mittlerweile recht klassisches Thema der Literatur, verpackt in eine fluffige, charmante Geschichte. Die Rede ist von der guten alten Zeitreise und der Frage: Was wäre, wenn ich in der Zeit zurückreisen und alles anders machen könnte? Wie wäre mein Leben dann verlaufen?

Zugegeben, die Idee der Zeitreise ist in der Literatur nicht neu (eher so etwas wie ein alter Hut), aber außerhalb des Sci-Fi-Genres ergibt sich aus ihr trotzdem ein interessantes, spannendes und amüsantes Gedankenspiel, das zum Nachdenken anregt und den Leser einlädt, sich selbst einmal zu fragen, was er an seinem Leben ändern würde - wenn er nur könnte. Genau dieses Szenario spielt Beth Harbison in Vor mir die Sterne durch und das ist von der ersten bis zur letzten Seite äußerst amüsant und berührend mitzuverfolgen.

Harbisons Protagonistin ist die 37-jährige Ramie, die eine erfolgreiche Karriere im Finanzwesen hingelegt hat, über ein recht ordentliches Vermögen verfügt und sich mit tollen Freunden rühmt. Am Vorabend ihres 38. Geburtstag gerät ihre heile Luxus-Welt allerdings ins Wanken, denn sie begreift, dass ihr Leben eigentlich recht leer und einsam ist, dass sie sich nach der wahren Liebe sehnt und nach Kindern. Sie klammert sich an den Alkohol, wird übermütig und hat schließlich einen schweren Unfall, infolgedessen sie 20 Jahre in der Zeit zurückreist und sich schließlich in ihrem 18-jährigen Körper wiederfindet.

Logischerweise begreift Ramie zunächst nicht, was mit ihr passiert und glaubt, zu träumen. Dementsprechend witzig und peinlich sind die ersten Begegnungen mit ihren Eltern, Highschool-Freunden und vor allem ihrem festen Freund Brendan. Eine 38-Jährige im Körper einer 18-Jährigen: Bei Harbison ist das auf jeden Fall so amüsant, wie es sich anhört. Aber auch sehr tiefgründig und nachdenklich. Ramie sieht die Welt ihres 18-jährigen Ichs nun nämlich mit ganz anderen Augen, bügelt so manchen Fehler wieder aus und setzt sich viel mit ihren Entscheidungen und vermeintlichen Fehlern auseinander. Sie will die Chance nutzen und ergründen, was damals schief gelaufen ist. Wieso sie und Brendan sich getrennt haben, obwohl sie sich doch so innig liebten, wieso sie nach dem Abschluss nicht einen anderen Weg eingeschlagen hat und warum sie an ihrem 38. Geburtstag so alleine und verbittert ist.

Ramies inneren Konflikt arbeitet Harbison sehr detailliert und authentisch heraus. Ihre Monologe und auch die Gespräche mit ihrem Vater sind von Weisheit und einer ganz besonderen Lebensphilosophie geprägt. Dennoch sind vor allem die Monologe auch die kleine Schwäche des Romans, denn ab und an sind sie ziemlich langatmig und unterbrechen die kurzweilige Handlung - obwohl sie natürlich auch wichtig sind, um Ramies Verwandlung nachvollziehen zu können. Denn diese findet definitiv statt, beschließt sie doch, beim zweiten Mal intensiver zu leben und bessere Entscheidungen zu treffen. Ich habe Ramie jedenfalls unheimlich gerne dabei beobachtet, wie sie die Gegend, in der sie aufwuchs, noch einmal neu entdeckt, wie sie sich wieder in einer Welt ohne Smartphone, Google und co. zurechtfinden muss und wie sie sich und Brendan noch eine Chance gibt.

Doch wohin führt das Ganze, inwiefern verändert Ramies Trip in die Vergangenheit ihre Zukunft? Das fragt sich nicht nur Ramie selbst, sondern auch der Leser. Und dahingehend hält der Handlungsverlauf einige Überraschungen bereit. Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, aber ich hätte definitiv nicht mit der Entwicklung und diesem Ende gerechnet. Was Ramie schließlich durch ihren Ausflug in die Vergangenheit lernt und ob sie wieder in ihren 38-jährigen Körper zurückkehrt - das müsst ihr schon selbst herausfinden. Die charismatischen Charaktere, die ebenso süße und lebensbejahende wie melancholische Geschichte und natürlich das komplett absurde und charmante Szenario machen jedenfalls durchweg große Lust darauf, Ramie bis zum Ende zu begleiten. 

Mein Fazit:

Vor mir die Sterne von Beth Harbison erzählt eine witzige, berührende Geschichte über verpasste Gelegenheiten und zweite Chancen. Dabei greift Harbison auf die nicht ganz neue, aber originell umgesetzte Idee der Zeitreise zurück und fesselt den Leser außerdem mit einer authentischen, charismatischen Protagonistin und einem amüsanten Szenario nach dem nächsten. Auch die ernsteren Stellen konnten mich überzeugen, im Mittelteil ist der Roman allerdings etwas in die Länge gezogen. Das schmälert aber nicht die Lust daran, unbedingt weiterlesen zu wollen und deswegen gehört Vor mir die Sterne auf jeden Fall zu meinen Lese-Highlights. 



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