Freitag, 15. Juli 2016

REZENSION: "Liebeskinder" (Jana Frey)

Copyright Arena Verlag


Titel: Liebeskinder
Autor: Jana Frey
Genre: Roman / Jugendroman / Drama
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hardcover (16,99 €), eBook
Seiten: 384
ISBN: 978-3-401-06787-2



Inhalt

Zadoc und Ivory sind seit ihrer Kindheit miteinander verbunden. Nichts kann die beiden auseinanderbringen. Weder ihre Mitschüler, die Zadoc schikanieren, noch Zadocs Mutter, die sie voneinander fernhalten will.
Kenzie hasst alles an sich: ihr Aussehen, ihre Schüchternheit, ihre absonderlichen Gedanken. Und vor allem hasst sie, dass sie nicht so ist, wie ihre schöne, wunderbare Schwester Janis. Doch dann fegt Amos in ihr Leben und erhellt es wie ein Sternschauer in der Nacht. Sie würde alles für ihn tun, einfach alles.
Zwei Geschichten über bedingungslose Liebe, die so unterschiedlich sind und doch mehr miteinander gemein haben. als die Vier selbst ahnen.

Cover

Auch wenn ich das Cover eigentlich recht schön finde, finde ich es für die Geschichte(n) etwas unpassend. Es wirkt viel idyllischer, als das Buch eigentlich ist, was für manche Leser etwas irreführend sein könnte. Allerdings gefällt mir die Optik millionenmal besser, als die von ihren bisherigen Publikationen.

Meine Meinung

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich durch den Anfang regelrecht durchgequält habe. Ich konnte mit keinem der Charaktere etwas anfangen und ihre Probleme (besonders die von Zadoc) waren mir zu merkwürdig und fremd, weil ich auch nicht recht wusste, woran ich bin. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir die Figuren nicht mehr so fremd waren und ich ein Feeling für sie bekam. Ab da habe ich den Roman quasi verschlungen. Keine der drei Protagonisten hat es sonderlich leicht im Leben. Eigentlich trifft das auf alle Akteure, d.h. ihre Familienmitglieder, zu. Sie alle werden so eingehend beleuchtet, dass man nur bedingt eine Grenze zwischen Haupt- und Nebencharakteren ziehen kann. Zum einen wäre da Ivory, die seit ihrer Kindheit mit Zadoc befreundet ist und ihn allen Widerständen zum Trotz liebt. Ich habe sie für ihre Stärke und ihren festen Glauben an das Gute an Zadoc bewundert. Wenngleich alle ihn als einen Spinner abgetan und entsprechend abschätzig behandelt haben, ist sie immer für ihn eingetreten und hat sich nicht von ihnen beirren lassen. Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage gewesen wäre. Weniger, weil ich etwas auf das Gerede der Anderen gegeben hätte, sondern weil Zadoc es einem phasenweise nicht einfach macht, ihn zu mögen. Seine Gedankengänge sind wirr und er drängt sich selbst immer wieder in die Opferrolle, sieht sich selbst als Verrückten an, der Ivorys Liebe nicht verdient hat. Aus diesem Grund stößt er sie häufiger von sich weg. In Anbetracht des Endes des Romans macht es sein Schicksal letztlich umso tragischer. Es war einfach bestürzend für mich, wie niederträchtig und widerwärtig Menschen sein können. Nicht nur gegenüber Zadoc, sondern ganz im Allgemeinen.
Die Person, die es mir jedoch am meisten angetan hat, war Kenzie, die sich ihr ganzes Leben ihrer Schwester Janis äußerlich und charakterlich unterlegen gefühlt hat. Wie Jana Frey ihren Selbsthass und ihre Verzweiflung geschildert hat, war einfach nur herzzerreißend, weil ich einfach sehr gut nachvollziehen konnte, wie schwer es für sie war, ihre Schwester einerseits zu lieben und andererseits zu beneiden und gewissermaßen zu hassen. Als sich ihre Gemütslage allmählich verbessert hat, hab ich mich ungemein gefreut, und ich habe mir für sie so sehnlich ein Happy End gewünscht. Ob mein Wunsch erfüllt wurde, verrate ich aus Spannungsgründen nicht, aber Jana Frey hat für sie definitiv eine sehr unerwartete Wendung bereitgehalten.
Das Geschehen wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Ivorys und Zadocs Geschichte handelt in der Gegenwart, die von Kenzie, Janis und deren Familie setzt über dreißig Jahre eher ein. Die erste Hälfte über war mir vollkommen schleierhaft, wie diese beiden Handlungsstränge denn nun zusammenhängen, aber irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das hat den Schluss aber nicht weniger imposant gemacht - im Gegenteil.
Interessant waren außerdem die Einschübe in das jeweilige Geschehen durch die Erzählerin, die das, was gerade passiert ist, durch zusätliche Informationen aus vorangegangenen Lebensabschnitten erklären. Sie füllten quasie die Lücken zwischen den Zeitsprüngen, die sonst keinen Sinn ergeben hätten. Anfangs fand ich das sehr gewöhnungsbedürftig, aber letztlich war es doch passend.

Fazit

Liebeskinder gehört definitiv zur anspruchsvollen Sorte von Jugendliteratur, an der man im Nachhinein viel zu kauen hat. Daher sollte man dem Roman definitiv eine Chance geben, selbst wenn man wie ich anfangs wenig begeistert ist. Er ist bedrückend, mitreißend, aufwühlend, spannend und überraschend. Er hat mich wirklich umgehauen und ich werde Kenzie, Ivory und Zadoc wohl nicht so leicht vergessen.   



3 Kommentare:

Anneliese Piske hat gesagt…

He, Katha, du machst mich neugierig. Vielleicht versuche ich, das Buch zu kaufen.
A. Piske

Lena Müller hat gesagt…

Hey ;)
Das Buch steht schon so lange auf meiner Wunschliste.
Ich muss es wirklich demnächst mal kaufen, dass ich es auch lesen kann.
Es hört sich unglaublich gut an.

Liebe Grüße,
Lena

Katharina P. hat gesagt…

Hi Lena,
bei mir ist auch eine halbe Ewigkeit verstrichen, ehe ich es nun endlich gelesen hab. Ich glaube, ich hatte es schon auf der LBM 2015 ins Auge gefasst, war mir aber nie 100% sicher, ob ich es wirklich lesen will. Aber es hat sich gelohnt. Allerdings solltest du nicht gerade in der Stimmung für eine locker-flockige Komödie oder Ähnliches sein. Denn dann könnte der Schuss nach hinten losgehen - bei mir wäre es fast so gewesen ;)

Liebe Grüße,
Katha

Kommentar veröffentlichen