Mittwoch, 13. Juli 2016

REZENSION: "Ist das jetzt schon Liebe?" (Christina Beuther)

Copyright Aufbau Verlag


Titel: Ist das jetzt schon Liebe?
Autor: Christina Beuther
Genre: Liebesroman
Verlag: Aufbau Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 336
ISBN: 978-3746632254





Inhalt:

Juli hat sich als Illustratorin und Autorin von Kinderbüchern ein eigenes Leben in den USA aufgebaut und ist dort endlich angekommen, als überraschend ihre Mutter stirbt, zu der sie nie ein besonders enges Verhältnis hatte. Für einen Monat kehrt Juli daraufhin zurück in ihr Heimatdorf Beekelsen, um sich um die Beerdigung und das Haus der Familie zu kümmern. Anfangs noch total genervt von dem biederen Dorfleben, vor dem sie einst nach Cambridge geflohen ist, genießt Juli schon bald die Gesellschaft ihrer besten Freunde aus Schultagen und findet vor allem Gefallen an dem hübschen Arzt Jan, der so gar nicht mehr der pummelige, gemeine Junge ist, den sie als Kind verabscheut hat. Doch komme, was wolle - Ende des Monats wird Juli zurückfliegen. Oder?

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist besonders zart und spricht mit der Farbgebung in Lila direkt die weibliche Zielgruppe an. Mir gefällt es ziemlich gut, vor allem der herzförmige Baum mit den beiden Ästen, die sich eher zögerlich annähern. Das macht direkt Lust auf eine romantische, aber nicht übertrieben kitschige Geschichte.

Meine Meinung:

Den neuen Roman von Christina Beuther - Ist das jetzt schon Liebe? - durfte ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de lesen und hatte mich total auf das Buch gefreut, denn es versprach eine heitere, lockerleichte Geschichte mit romantischem Touch. Eine solche war die Geschichte von Juli, die nach dem Tod ihrer Mutter, zu der sie nie einen wirklichen Draht hatte, in ihre Heimat in Deutschland zurückkehrt, auch. Allerdings hat sie letztlich nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Aber erst einmal der Reihe nach :)

Zunächst einmal gab es von Anfang an einiges, das mir an Christina Beuthers Roman richtig gut gefallen hat. Ich fand die Aufteilung der Kapitel nach Tagen (jeder Tag = 1 Kapitel) und den Zeitrahmen von exakt einem Monat ziemlich kreativ und erfrischend anders und mochte auch ihren humorvollen, unkomplizierten Schreibstil, der einen ganz entspannt durch die Seiten trägt. Dabei fängt Beuther auch das Leben auf dem Land ziemlich gut ein und wenn man, wie ich, ein Dorfkind ist, kommt einem hier vieles bekannt vor: Der bisweilen ziemlich beschränkte Horizont der Einwohner, die tratschenden und vorschnell urteilenden alten Damen und und und. Absolut verständlich, dass Juli sich in ihrer ehemaligen Heimat anfangs gar nicht wohl fühlt, denn schließlich wird sie von allen kritisch beäugt und auch schon mal gemaßregelt.

Ein wenig hat mich der Anfang von Ist das jetzt schon Liebe? an Andreas Izquierdos Romeo & Romy erinnert. Wie Romy hat auch Juli dem kleinen, verschrobenen Provinznest, in dem sie aufgewachsen ist, den Rücken gekehrt, um Karriere zu machen, und kommt nun aufgrund eines Todesfalls zurück. Anders als die Dorfbewohner in Izquierdos Roman sind die Beekelsener allerdings keine liebenswerten Alten, sondern eher sensationsgeile und geschwätzige Waschweiber, wie es sie wohl in jedem Dorf oder jeder Kleinstadt gibt. Die Grundstimmung ist also schon eine andere und ich konnte Juli, die von Beekelsen anfangs einfach nur genervt ist, total verstehen. Das hat sich allerdings im Laufe der Geschichte geändert.

Die Liebesgeschichte, die sich schon bald nach Julis Ankunft in Beekelsen zwischen ihr und dem gutaussehenden Arzt Jan entspinnt, fand ich zu Beginn ganz süß, wenn auch nicht besonders originell. Nach und nach wurde mir das Ganze aber zu anstrengend: Das ewige Hin und Her und die reichlich unsensible Juli, die mit ihren unbedachten Bemerkungen stets aufs Neue einen Streit provoziert, haben mich einfach irgendwann genervt.

Generell ist Juli eine unglaublich anstrengende Protagonistin. Sie weiß einfach nicht, was sie will und stößt vor allem Jan immer wieder vor den Kopf, was mir zunehmend auf den Geist ging. Mit Händen und Füßen wehrt Juli sich dagegen, in Beekelsen glücklich zu sein, obwohl sie sich nicht nur verliebt, sondern offensichtlich auch froh darüber ist, wieder mit ihrer schwangeren Cousine Mo und ihren anderen alten Freunden zusammenzusein. Julis Widerstand wird einfach immer weniger plausibel. Jeder einzelne ihrer Freunde und Bekannten redet ihr ins Gewissen, zeigt ihr auf, wie schön das Leben in Beekelsen doch eigentlich ist, und doch weigert sich Juli immer wieder, das zu sehen. Das konnte ich ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr nachvollziehen. Juli ist störrisch, unbelehrbar und stützt sich selbst immer wieder auf Vorurteile. Ihre Freunde, vor allem Mo und auch Jan, sind wahnsinnig geduldig mit ihr, helfen ihr immer wieder auf, wenn sie mal wieder am Boden zerstört ist, und werden nicht müde, ihr zu sagen, wie schön sie es doch hier eigentlich hat. Für ihre Geduld konnte ich die anderen Charaktere wirklich nur bewundern.

Was mir wiederum sehr gut gefallen hat, ist Julis Leidenschaft fürs Kochen, die sich als roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht. Auch die Rezepte im Anhang finde ich großartig und ich werde bestimmt einige davon nachkochen. Außerdem mochte ich es, dass Christina Beuther mit ihren Worten eine ganz bestimmte, sommerliche Atmosphäre erzeugt. Vom Aufbau und Grundkonzept her ist Christinas Beuthers Roman jedenfalls eine sehr süße, humorvolle und berührend erzählte Geschichte und bietet kurzweiliges Vergnügen. Sie ist aber stellenweise auch sehr beliebig, vorhersehbar und klischeebehaftet und konnte mich so leider nicht vom Hocker reißen.

Mein Fazit:

Christina Beuthers neuer Roman Ist das jetzt schon Liebe? ist humorvoll und berührend erzählt und bietet kurzweiliges Lesevergnügen. Einige Ideen wie zum Beispiel die Rezepte und die Aufteilung der Kapitel fand ich sehr kreativ und erfrischend originell, andere Handlungselemente aber wiederum zu beliebig, anstrengend und vorhersehbar - ganz besonders die Protagonistin Juli, die mir gegen Ende immer unsympathischer wurde. So ist mein Fazit zum Roman schließlich recht durchwachsen. Gut unterhalten hat er mich aber trotzdem.



2 Kommentare:

ForeverAngel hat gesagt…

Hi,
ich hatte ganz ähnliche Probleme mit Juli und ihrer Art, mir war sie durchweg unsympathisch. Schön, dass der Roman dich wenigstens gut unterhalten hat, bei mir trifft leider nicht einmal das zu. :P
Liebe Grüße
Miriam von Books and Biscuit
http://booksandbiscuit.blogspot.de/

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Miriam :)

Ich habe mir gerade mal deine Rezi angsehen - bei den meisten Dingen kann ich dir schon auf jeden Fall recht geben. Ich habe den Roman dann aber doch vor allem deshalb mit 3 Sternen bewertet (und nicht weniger), weil er sich für mich im Großen und Ganzen doch gut runterlesen ließ und ich ihn lange nicht so anstrengend fand wie so manch anderen Roman, den ich im letzten Jahr gelesen habe. Sozusagen war er im Kontext dann für mich nicht sooo übel, obwohl man definitiv hätte mehr draus machen können. :/

Liebe Grüße
Svenja

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