Samstag, 2. Juli 2016

REZENSION: "Gelöscht (Slated #1)" (Teri Terry)

Copyright Coppenrath Verlag

Titel: Gelöscht
Autor: Teri Terry 
Genre: Roman / Jugendroman / Dystopie
Verlag: Coppenrath Verlag
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Hardcover (17,95 €)
Seiten: 432
ISBN: 978-3-649-61183-7





Inhalt

Neun Monate, nachdem Kyla im Krankenhaus aufgewacht ist, fängt sie ein neues Leben an. Die Familie Davis adoptiert sie, nachdem nun all ihre Erinnerungen an ihre frühere Existenz gelöscht wurden. Ab sofort steht sie unter rund um die Uhr unter Beobachtung: durch ihre Ärzte, durch ihre Adoptiveltern und ihre Lehrer. Sie alle wollen verhindern, das Kylas Stimmung kippt und sie sich selbst oder andere verletzt. Doch immer mehr beginnt sich Kyla zu fragen, ob die Gefahr wirklich von ihr und anderen 'Geslateten' ausgeht oder doch von denen, die angeblich um ihre Sicherheit besorgt sind. Zusammen mit Ben stellt sie Nachforschungen an, die in ihre eigene Vergangenheit führen. Wer war sie, bevor sie Kyla Davis wurde? Und warum verschwinden plötzlich immer mehr Menschen aus ihrem Umfeld?

Cover

Im ersten Moment musste ich durch die kühlen Farben und das blasse Gesicht an das Freie Volk in Game of Thrones denken. Deshalb dachte ich auch, der Roman würde in einer ähnlichen Welt oder zumindesz im kalten Norden spielen. Damit lag ich allerdings völlig falsch^^ Auf jeden Fall fällt das Cover auf und macht neugierig.

Meine Meinung

In die Story kam ich ziemlich schnell rein, da Teri Terry weiß, wie man einen Prolog schreibt, der das Interesse weckt: kurz, knackig, kryptisch. Ich wollte unbedingt wissen, was es mit dem 'Slating' (welch treffendes Wort für das Auslöschen von Erinnerungen) auf sich hat, wie es dazu kam und natürlich wie eine Gesellschaft aufgebaut ist, in der so etwas für nötig gehalten wird. Auch zur tragenden Figur Kyla konnte ich sehr schnell eine Bindung aufbauen und habe mich stellvertretend für sie vor den Kopf gestoßen gefühlt, wann immer andere ihr feindlich begegnet sind oder sie ungerecht behandelt wurde. Leider flachte die Geschichte nach diesem gelungenen Start zunächst einmal ab. Es passiert relativ wenig, das man als ereignisreich oder relevant erachtet, da sich Kyla erstmal in ihrer Adoptivfamilie und ihrer Schule zurechtfinden muss. Sie wird nicht gerade warmherzig in Empfang genommen, was unweigerlich dazu führt, dass sie ihr emotionales Level nicht oben halten kann. Zur Erklärung an der Stelle: die Geslateten bekommen einen Chip eingebaut, der ihren emotionalen Zustand auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Fällt der Wert in einen kritischen Bereich (ab 4 abwärts), äußert sich das in Unwohlsein, Krämpfen oder Bewusstlosigkeit. Im Extremfall kappt der Chip die Verbindung zum Gehirn und der Betroffene stirbt. Damit soll verhindert werden, dass die Person eine Gefahr für sich oder für andere darstellt. Ziemlich grausam, wenn ihr mich fragt.
Kylas Wert bewegt sich meistens im Mittelfeld, was schon ziemlich kritisch ist. Darum muss sie immer wieder zu Mitteln greifen, die ihren Gemütszustand beleben (Schokolade, sportliche Aktivität, Zeichnen). Paradoxerweise werden ihr von anderen eben diese Mittel immer wieder untersagt bzw. wird ihr nahegelegt, sich mit dem Laufen und Zeichnen einzuschränken. Das hat mich immer extrem wütend gemacht, weil ich mit Scheinheiligkeit à la "Wir wollen nur dein Bestes!" überhaupt nicht klar komme.
Von den Nebencharakteren bin ich insgesamt eher enttäuscht. Mal abgesehen davon, dass sie ziemlich undurchsichtig sind, besticht keiner von ihnen durch irgendeine Eigenschaft oder ist mir sonderlich sympathisch. Amy, Kylas ebenfalls geslatete Adoptivschwester, erscheint mir ziemlich hirnlos (was wohl definitiv an der Operation liegt), ihre Adoptiveltern David und Sandra wechseln ständig zwischen heiß und kalt, und mit ihren Mitschülern hat Kyla relativ wenig Kontakt. Die Ausnahme ist hier Ben, in den sie sich verliebt. Allerdings bin ich mit ihm leider überhaupt nicht warm geworden. Mir ist absolut schleierhaft, was sie an ihm (abgesehen von seinem Äußeren) sofort so anziehend fand. Bis zu seiner 'Rebellion' gegen Ende war er blass bzw. schwach konturiert und hat in mir fast keine Emotionen ausgelöst. Er war einfach da. Entsprechend schlecht habe ich Kyla und Ben ihre Gefühle füreinander abgekauft. Mir fehlte hier das Feuer, jede Magie, sodass ich ihre gemeinsamen Momente eher störend als unterhaltend fand und bereitwillig auf sie hätte verzichten können. Ich würde sogar meinen, dass sie manchmal die Handlung ausgebremst haben, sodass es streckenweise etwas langatmig wurde.
Das grundlegende Konzept hinter der Story hat sich mir noch nicht in Gänze erschlossen. Es fehlen einfach noch genauere Informationen zur Motivation der Regierung, die die Slating-Methode eingeführt hat, und zur rebellischen Gruppierung. Es zeichnet sich zwar bereits eine Art Verschwörung ab, da immer mehr Menschen von Lordern (Law-and-Order-Polizisten) verschleppt werden, aber noch hängt man hier in der Schwebe. Das muss natürlich auch so sein. Nichts ist langweiliger, als ein Trilogie-Auftakt, bei dem schon alles klar und offensichtlich ist. Zum einen hält sich Terrydamit viele Optionen offen, die Handlung zu entfalten, zum anderen kann man als Leser selbst Vermutungen aufstellen. Bisher haben sich bei mir jedenfalls mehr Fragen als Antworten aufgetan. Warum wurde Kyla geslatet? Was hat es mit Robert's Tod auf sich? Warum verhält sich Kylas Adoptivvater so merkwürdig? Welche Rolle spielen Dr. Lysander und der neue Lehrer an ihrer Schule? Die Liste ist schier unendlich. darum bin ich auch gespannt, was Terry daraus macht und werde die Reihe weiter verfolgen, auch wenn mich der Auftakt nicht völlig faszinieren konnte.

Fazit

Die ersten Seiten lesen sich wunderbar, nach einer Weile flachte meine Begeisterung aber zunehmend ab. Die Handlung ist nicht gerade spannungsgeladenund die Charaktere empfand ich oft als nervtötend. Letzlich fehlt mir noch der Durchblick, worauf die Story hinaus laufen soll. Ich bin allerdings sicher, dass Terry hin den Folgebänden Klarheit schafft und auch einige Überraschungen parat hat.

 



2 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Dranbleiben! Band 2 und 3 sind besser! Mir kam Band Eins wie ein Einstieg vor, der manchmal ganz schön zäh war, aber trotzdem noch okay. Ich war am Überlegen, ob ich weiterlesen soll oder nicht und habe es nicht bereut, denn es wird besser und spannender!
Liebe Grüße
Martina

Katharina P. hat gesagt…

Hey Martina,
danke für das Feedback. Das gibt mir neue Hoffnung und neue Motivation :)
Ich habs auch wie ein Einstieg empfunden und vielleicht ist es gut, wenn sie noch nicht ihr ganzes Pulver im ersten Band verschießt^^
Ganz liebe Grüße,
Katha

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