Sonntag, 17. Juli 2016

REZENSION: "Die vier Jahreszeiten des Sommers" (Grégoire Delacourt)

Copyright Atlantik Verlag

Titel: Die vier Jahreszeiten des Sommers
Autor: Grégoire Delacourt
Genre: Roman / Liebesroman / Erzählung
Verlag: Atlantik
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (18,00 €)
Seiten: 192
ISBN: 978-3455600414




Inhalt:

Der Sommer des Jahres 1999 ist für vier Liebespaare ein ganz besonderer Sommer. In Le Touquet an der französischen Atlantikküste kreuzen sich die Wege dieser acht Menschen auf höchst ungewöhnliche Weise. Während die Liebe der einen gerade erblüht, entdecken andere die Gefühle füreinander wieder, sagt sich ein Pärchen Lebewohl und schwören sich wiederum andere ewige Liebe bis in den Tod. 


So gefällt mir das Cover:

Mit dem Cover hat der Atlantik Verlag (gemäß seines Namens :D) schon einen absoluten Sommerhit gelandet. Wenn es ein Buchcover gibt, das vor Sommerfeeling förmlich sprüht, dann ist es hundertprozentig dieses hier. Man bekommt direkt Lust auf einen entspannten Tag am Meer, spürt die Sonnenstrahlen auf der Haut und schmeckt das Eis auf der Zunge. Ich liebe das Cover einfach!

Meine Meinung:

Sich direkt an einen weiten, weißen Sandstrand träumen und spüren, wie einem die Sommersonne die Haut und die Seele wärmt - wer möchte das (vor allem an kühlen Regentagen) nicht!? Die perfekte Lektüre dafür kommt jedenfalls aus dem Atlantik Verlag: Die vier Jahreszeiten des Sommers von Grégoire Delacourt hat mir einen wunderbaren Kurzurlaub an der französischen Atlantikküste beschert und mir wenigstens für ein paar Stunden den Sommer ins aktuell eklig kühle Leipzig geholt.

Von Anfang an begeistert der Roman vor allem mit seiner poetischen, aber gleichzeitig auch sehr klaren und direkten Sprache. Delacourt kreiert hier seinen ganz eigenen, etwas ungewöhnlichen und anfangs sicher etwas gewöhnungsbedürftigen Erzähltsil und erzeugt so eine ganz besondere Atmosphäre, die von Beginn an deutlich spürbar ist. Als Leser ist man mittendrin: Mittendrin in Le Touquet, dem malerischen Seebad mit dem wunderschönen Sandstrand am Atlantik, mittendrin im Geschehen, mittendrin in vier faszinierenden und doch so angenehm normalen Personen.

Es ist der Sommer des Jahres 1999 und alle Welt rechnet damit, dass mit der Jahrtausendwende die Apokalypse über die Erde hereinbricht. Doch das tut der sommerlich trägen Stimmung im Touristenort Le Touquet keinen Abbruch. Zwischen Sonnenmilch und klebrigen Kindermündern (dank Delacourts bildhafter Sprache hat man das deutlich vor Augen) spielen sich große, berührende und absolut herzerwärmende Liebesgeschichten ab. Der Sommer und der Strand in Le Touquet sind jedenfalls beinahe greifbar, ebenso wie die Gefühle von Delacourts Charakteren.

Abwechselnd erzählen nämlich vier Personen von ihren Erlebnissen in Le Touquet und ihren Begegnungen mit der Liebe. Der Leser erfährt, wie es dazu kam, dass sie in diesem beschaulichen Küstenort die große Liebe fanden, wieder zum Leben erweckten oder endgültig zu Grabe trugen. Vier ganz besondere, einzigartige Liebesgeschichten von großen Gefühlen, tiefem Schmerz, unsagbarem Kummer und unendlichem Glück. Jede dieser Geschichten hat mich auf ihre Weise berührt und ich fand es sehr bewegend zu lesen, auf welche ungewöhnlichen Arten sie sich in Le Touquet miteinander verweben. Der Ort ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung und hat für jeden der Charaktere eine ganz bestimmte Bedeutung. Am Ende fügen sich die einzelnen Handlungsstränge zu einem großen Ganzen zusammen und so wie dann für die Charaktere alles einen Sinn ergibt, tut es das auch für den Leser. Ein wirklich gelungener und faszinierender Einblick in die Köpfe eigentlich ganz normaler Menschen mit ganz normalen Problemen und dem Drang, zu lieben.

Im Verlauf der Geschichte gibt es einige Überraschungsmomente, vor allem lebt der Roman aber von den authentischen Beschreibungen der Atmosphäre im Badeort Le Touquet und von der Nähe zu dem jeweils Erzählenden. Die Ich-Perspektive erlaubt in Kombination mit klaren, eindeutigen Worten und eher kürzeren Sätzen eine faszinierende Innensicht in die Charaktere. Ihre Gefühle und Empfindungen brechen förmlich über den Leser herein und man hat das Gefühl, ganz nah bei dem jeweiligen Liebenden zu sein und alles aus seiner Perspektive zu erleben. Delacourt erzählt wahnsinnig intensiv und temperamentvoll, gleichzeitig aber auch irgendwie reduziert und wenig blumig. Eine ziemlich interessante Mischung, die beim Lesen großen Spaß macht.

Für mich ist Grégoire Delacourts Roman jedenfalls eine echte Überraschung und wirkt fernab von manchmal doch etwas eintöniger Mainstream-Literatur ziemlich mutig, neu und erfrischend anders. Das einzige, was mir nicht ganz so gut gefallen hat, ist, dass es mir persönlich zu wenige Dialoge gab. Aus keinem bestimmten Grund liebe ich lange und detaillierte Dialoge (vermutlich, weil ich selbst alles bis zur Ermüdung ausdiskutiere und eher zum Schwafeln neige als zu kurzen, knappen Aussagen :D). Und hier fehlte mir stellenweise einfach ein wenig die Dynamik und Abwechslung, die längere und zahlreiche Dialoge mit sich bringen. Delacourt konzentriert sich eben vornehmlich auf die Gedankenwelt seiner Protagonisten, was wiederum sehr spannend ist. Das ist das Besondere an Die vier Jahreszeiten des Sommers und die eher reduzierten Dialoge sind wirklich nur ein ganz kleiner Kritikpunkt meinerseits.

Mein Fazit:

Für mich das Sommerbuch schlechthin! Eine traumhafte, sommerliche Atmosphäre, große Gefühle, hier und da ein wenig Drama und vier faszinierende Liebesgeschichten vor einer wunderschönen Kulisse - garniert mit einer einzigartigen, intensiven Sprache. All diese Dinge machen Die vier Jahreszeiten des Sommers von Grégoire Delacourt zu einem absolut lesenswerten Buch, das auch an kühlen Regentagen die französische Sonne heraufbeschwört und zum Träumen einlädt. Für mich gab es einen kleinen Kritikpunkt (den sparsamen Umgang mit Dialogen), alles in allem ist der Roman aber definitiv eine weitere Perle aus dem Atlantik Verlag, die man einfach lieben und schätzen muss.



2 Kommentare:

Lottasbuecher hat gesagt…

Liebe Svenja,
ich finde deine Rezension sehr eindrücklich. Man merkt richtig, dass dir das Buch gefallen hat. :D Ich freue mich, dass es so ist und jetzt kann ich meinen Kunden auch etwas dazu sagen. Ich komme mit dem Schreibstil von dem Autor nicht so gut zurecht, daher habe ich es nicht gelesen, aber ich bin mir sicher, dass es viele wie dich gibt, die es mögen. Übrigens: ich finde es auch besser, wenn es mehr Dialoge gibt. Ganz schlimm finde ich Bcher ganz ohne wörtliche Rede.

Liebst, Lotta

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Lotta :)

Dankeschön *_* Der Schreibstil ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich mag es, dass er so speziell und anders ist. Für mich ist er auf jeden Fall eine erfrischende Abwechslung zu den Romanen, die ich sonst so lese.

Romane ohne wörtliche Rede sind auch überhaupt nicht mein Fall. Mich stört es auch schon, wenn die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet ist - finde ich ganz furchtbar und ist mir in letzter Zeit tatsächlich immer mal wieder begegnet :/

Liebe Grüße
Svenja <3

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