Sonntag, 31. Juli 2016

REZENSION: "Der Todesengel von London" (Anne Perry)

Copyright Goldmann


Titel: Der Todesengel von London
Autor: Anne Perry
Genre: Krimi / Historischer Kriminalroman
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 416
ISBN: 978-3442483327




Inhalt:

Das viktorianische London: Die Krankenschwester Hester Monk übernimmt für ein paar Wochen den Dienst einer Freundin in einem Militärkrankenhaus in Greenwich. Eines Nachts trifft sie in den dunklen Gängen auf ein kleines, ausgemergeltes Mädchen, das ihr erzählt, ihr Bruder sei schwer krank und liege im Sterben. Alarmiert folgt Hester der Kleinen in einen geheimen Trakt, in dem mehrere Kinder in mehr oder weniger schlechter gesundheitlicher Verfassung untergebracht sind. Es gelingt ihr, den Bruder des Mädchens zu retten, doch schon bald gerät auch sie ins Visier des gefährlichen Mannes, der über Leichen geht, um seine Forschungen voranzutreiben...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir ganz gut und passt perfekt zum Setting der Geschichte, dem viktorianischen London. Für meinen Geschmack könnte es aber noch einen Ticken bedrohlicher und düsterer wirken.

Meine Meinung:

Die britische Schriftstellerin Anne Perry ist vor allem für ihre historischen Kriminalromane bekannt, deren Handlungen überwiegend im viktorianischen England angesiedelt sind. Am beliebtesten sind ihre Krimi-Reihen um die Kommissare Thomas und Charlotte Pitt und William Monk und Hester Latterly. Der Todesengel von London ist der neueste und sage und schreibe 21. Teil der Monk-Reihe, kann aber auch ganz gut als Einzel-Roman gelesen werden, so wie ich das getan habe. Es ist das erste Buch von Anne Perry, das ich bisher gelesen habe. 

Gemäß des Klappentextes habe ich eine spannende, mysteriöse Kriminalgeschichte vor der Kulisse des viktorianischen London erwartet und sofort an Sherlock Holmes gedacht - zumindest was Setting und Umstände betrifft. Der Anfang war dann schließlich auch vielversprechend und sorgte für eine schaurige, geheimnisvolle Atmosphäre. Das alte, viktorianische Krankenhaus, das bei Nacht irgendwie bedrohlich und wenig einladend wirkt, das plötzliche Auftauchen eines ausgemergelten Kindes, das verzweifelt um Hilfe bittet und das grausige Verbrechen, das dahinter steckt, schaffen beste Voraussetzungen für eine mitreißende, düstere Geschichte.

Doch nach dem vielversprechenden ersten Kapitel, in dem die Krankenschwester Hester die kleine Maggie findet, ihrem Bruder Charlie das Leben rettet und entdeckt, dass den versteckt gehaltenen Kindern regelmäßig Blut für medizinische Experimente abgenommen wird, flacht die Handlung erst einmal deutlich ab. Es kommen weitere Handlungsstränge hinzu und der eigentliche Fall gerät zunächst in Vergessenheit. So wendet sich Perry erst einmal Hesters Ehemann William Monk, Kommandant bei der Wasserpolizei, zu und es vergehen einige Tage. Bis auf Seite 80 ca. der Faden wieder aufgenommen wird, fragt man sich immer wieder, was denn jetzt eigentlich mit den Kindern ist, um die Hester sich so aufopferungsvoll gekümmert hat, die sie jetzt aber erstmal geflissentlich ignoriert. So zumindest mein Eindruck.

Die Nebenhandlung, Williams Monks Ermittlungen in einem schweren Fall von Waffenschmuggel, konnte mich nämlich leider überhaupt nicht fesseln und es hätte mir wesentlich besser gefallen, wenn der Fokus auf dem Fall der für medizinische Experimente festgehaltenen Kinder gelegen hätte. Dieser wird immer wieder unterbrochen und ist leider auch nicht so düster wie erwartet. Der Einblick in die medizinische Forschung des viktorianischen Zeitalters und überhaupt der Stand der Medizin Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts stehen im Mittelpunkt der Geschichte, was durchaus interessant und spannend zu lesen ist. So manche Experimente, wie sie der titelgebende Todesengel und Chemiker Hamilton Rand an den Kindern durchführt, wirken auf den modernen Leser auf jeden Fall gruselig und erschreckend, werden aber von den meisten handelnden Personen auch immer wieder relativiert und somit ein Stück weit entschärft.

Als historischer Roman mit Fokus auf das viktorianische London und die Geschichte der Bulttransfusion ist Der Todesengel von London auf jeden Fall gelungen, für einen Krimi haben mir aber die Suche nach dem Verbrecher, falsche Fährten und überhaupt unerwartete Entwicklungen gefehlt. Die Handlung war mir einfach zu geradlinig und dünn. Im Mittelpunkt stehen das medizinische Experiment der Bluttransfusion, das moralische Dilemma, das mit diesem einhergeht, und die anschließende Gerichtsverhandlung.

Auch die Figuren haben mich nur mehr oder weniger überzeugt. Hester Monk ist eine starke, kluge Frau, die ihr Leben der Medizin verschrieben hat und eine differenzierte, sehr fundierte Meinung zu allem hat. Das hat mich sehr beeindruckt. Ihr Mann, der eigentliche Ermittler, steht in dieser Geschichte eher im Hintergrund und hat bei Weitem nicht so große Momente wie sie selbst. Während die Waisenjungen, die den beiden bei dem Fall helfen, an Oliver Twist oder auch die Bakerstreet Irregulars erinnern und damit perfekt ins viktorianische London passen, war mir Hamilton Rand, der Todesengel, teilweise zu positiv dargestellt. Die Gefahr für Hester und die drei Kinder ist zwar ab und zu da, aber nicht immer unmittelbar spürbar. Alles in allem hat mich das ein wenig enttäuscht.

Mein Fazit:

Der Todesengel von London ist ein interessanter, authentisch aufgearbeiteter historischer Roman mit Fokus auf die Entwicklung der Medizin im viktorianischen Zeitalter und die moralischen Grenzen. Für einen Kriminalroman ist mir die Geschichte aber eindeutig zu geradlinig und dünn. Spannung durch falsche Fährten und bedrohliche Situation kommt beim Lesen nur selten auf. Deswegen hat mich das Buch letztlich nicht ganz überzeugt, ließ sich aber dennoch bis zum Ende gut lesen.



   

2 Kommentare:

Swantje Schurig hat gesagt…

Was für ein wunderschöner Blog! Ich bin anz begeistert von der Designidee. Hast du alles selbst gestaltet oder ist nette Unterstützung im Spiel?

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Swantje,

dein Kommentar ist leider total untergegangen, deswegen antworte ich jetzt *schäm* Erstmal vielen Dank für dein Lob :) Wir sind ja zu zweit und machen vieles selbst, haben aber auch einen IT bewanderten Helfer an der Seite (mein Freund), den wir manchmal definitiv brauchen. :D Das Design selbst ist zwar ein Template, wir haben es aber nach eigenen Wünschen gestaltet :)

Liebe Grüße
Svenja

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