Sonntag, 3. Juli 2016

REZENSION: "Der große Gatsby" (F. Scott Fitzgerald)

Copyright Diogenes Verlag


Titel: Der große Gatsby
Autor: F. Scott Fitzgerald
Genre: Roman
Verlag: Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Taschenbuch (9,90€)
Seiten: 249 
ISBN: 978-3-257-24089-4





Inhalt

Anfang der 1920er-Jahre zieht Nick Carraway nach West Egg in das Haus neben Jay Gatsby, der für seine ausschweifenden, glamourösen Partys bekannt ist. Gatsby sucht Nicks Nähe, denn er ist für ihn die Schlüsselfigur, um seine verlorene Liebe Daisy zurückzugewinnen. Berauscht von ihren Gefühlen sind sie blind für die Konsequenzen, die ihr Handeln nach sich zieht. Schon bald werden sie von ihrer rosaroten Wolke auf den Boden der Tatsachen geholt, als ihre Romanze zu einer schrecklichen Katastrophe führt.

Cover

Die Filmausgabe macht schon etwas her, einfach, weil sie dem Geschmack der Zeit mehr entspricht und nicht so kahl wirkt.

Meine Meinung

Ich ziehe recht ungern in Rezensionen Vergleiche zwischen Romanen und Filmadaptionen, aber in diesem Fall geht es bei mir nicht anders. Es passiert mir äußerst selten und ich lasse mir auch bereitwillig den Stempel 'Kulturbanause' aufdrücken, wenn mir jemand wiederspricht, aber im Fall von Der große Gatsby gefällt mir die Verfilmung von 2013 besser als die Romanvorlage. Das soll nicht heißen, dass das literarische Werk nicht gut wäre, aber bei mir ist der Funke nicht wirklich übergesprungen, weshalb ich den Hype nicht ganz nachvollziehen kann.
Die schriftstellerische Leistung von Fitzgerald fand ich durchaus gelungen. Die Geschichte liest sich sozusagen 'gut runter'. Mal beschreibt er ausführlich das Äußere, Gestik und Mimik von Charakteren und das Setting, mal legt er weniger ausschweifend das Geschehen dar, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Eine gute Kombination. Bei einer Geschichte, die in den 20er Jahren spielt, hat aber nun der Film den Vorteil, dass er die Extravaganz, das spektakuläre, ausschweifende Leben und die Farbenpracht besser in Szene setzen kann. Die Partys von Gatsby werden dadurch tatsächlich zu einem rauschenden Fest, wähend sie im Roman zwar als solche beschrieben werden, aber bei mir nicht dieses Feeling heraufbeschworen haben. Auch was die Dramatik betrifft, hat der Film ein wenig die Nase vorn. Wie sich der Konflikt allmählich zuspitzt und schließlich zu einer Katastrophe führt, wurde dort einfach wirkungsvoller dargestellt. Vielleicht hatte das im Roman mehr Eindruck bei mir gemacht, wenn er schlichtweg länger gewesen wäre.
Auch wenn, wie oben erwähnt, die Personen ziemlich genau charakterisiert werden, konnte ich doch keine Nähe zu ihnen aufbauen. Zum Teil lag es wohl in Fitzgeralds Interesse, dass man eine gewisse Abneigung gegenüber Tom, Daisy und Gatsby empfindet, da er mit seinem Werk Kritik am dekadenten Lebensstil der 1920er üben wollte. Das ist ihm bei mir zumindest geglückt. Auch wenn ich Daisys und Gatsbys Liebesgeschichte während des Lesens zunächst als romantisch und tragisch empfunden habe, konnte ich am Ende (bei Buch und Film) nur den Kopf schütteln und war besonders von Daisy enttäuscht. So ein egoistisches, schwaches Modepüppchen erlebt man zwar nicht selten, aber deswegen haben mich ihre Sorglosigkeit und ihr mangelndes Mitgefühl nicht weniger aufgeregt. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn Menschen immer den einfachen Weg wählen. Auch Gatsby hat bei mir keine wirklich positiven Gefühle heraufbeschworen, auch wenn ich letztlich natürlich Mitleid mit ihm hatte. Außerdem ging mir seine Phrase "alter Knabe", die er an fast jeden Satz gehängt hat, wirklich auf die Nerven. Tom muss ich wenigstens zugute halten, dass er sich seiner Charakterschwächen wenigstens bewusst ist, während die anderen so tun, als wären sie ach so unschuldig. Was mich auch etwas stört, ist, dass der eigentlich Protagonist Nick Carraway, der die Episode erzählt, sehr stark in eine Beobachterrolle gepresst wird. Ja, die Handlung ist um den mysteriösen Gatsby herumgestrickt, aber deswegen hätte es ja trotzdem nicht geschadet, Nick ein bisschen mehr Eigenleben und Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Er ist als Sprachrohr für Fitzgerald sozusagen nur Mittel zum Zweck, was ich einfach nur schade finde. 

Fazit

Ich lese wirklich gerne Klassiker der Weltliteratur, weil die meisten davon erstaunlicherweise angenehm geschrieben sind und man sich wie in einer anderen Welt fühlt. Das trifft auch auf Der große Gatsby zu, aber im Endeffekt hat mich Fitzgeralds 'Meisterwerk' nicht  nicht ganz so begeistert, wie erhofft. Mir fehlte schlicht der Bezug zu den Figuren und auch die Dramatik war nicht sonderlich spürbar. DIe Entwicklung und die Gesamtaussage wiederum gefielen mir sehr gut.

 


2 Kommentare:

Beatrix Petrikowski hat gesagt…

Ich kenne nur den Film. Meistens sind die Bücher ja besser, aber nach der Beurteilung lasse ich besser die Finder davon.

Katharina P. hat gesagt…

Hallo Beatrix,
also ich würde dir jetzt nicht komplett abraten, das Buch zu lesen. Es gibt da draußen weitaus schlechtere Romane, so viel steht fest. In erster Linie ist das ja meine persönliche Meinung. Es ist gut möglich, dass du das Original viel ansprechender findest. Wenn du also nichts anderes mehr im Schrank zu lesen hast (unwahrscheinlich, aber wer weiß?! ;) ), dann kannst du Gatsby ruhig lesen. Sind ja eh nur 250 Seiten^^
Liebe Grüße,
Katha

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