Montag, 18. Juli 2016

REZENSION: "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson 01" (Paige Toon)

Copyright Harper Collins

Titel: Das verrückte Leben der Jessie Jefferson
Autor: Paige Toon
Genre: Jugendroman / Young Adult
Verlag: ya! (Harper Collins)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 304
ISBN: 978-3959670234



Inhalt:

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter verliert die 15-jährige Jessie vollkommen den Boden unter den Füßen, vernachlässigt ihre ehemals beste Freundin, trinkt Alkohol, raucht und steht mit ihrem Stiefvater Stu absolut auf Kriegsfuß. Und da ist noch etwas, mit dem Jessie so gar nicht klarkommt: Ihre Mutter hat ihr den Namen ihres leiblichen Vaters nie verraten und nun hat sie das Geheimnis mit ins Grab genommen. Oder doch nicht? Im Streit gibt Stu schließlich zu, dass er weiß, mit wem Jessies Mutter damals vor 16 Jahren eine Affäre hatte: Es ist der weltberühmte Rockmusiker Johnny Jefferson. Jessie ist zunächst vollkommen perplex, will ihren leiblichen Vater aber unbedingt kennenlernen. So fliegt sie nach Los Angeles und taucht ein in das aufregende Glamour-Leben der Familie Jefferson. Doch so einfach ist das Ganze nicht, denn Johnny hat bereits eine Familie und Kinder und mit Jessies plötzlichem Auftauchen steht auch sein Glück auf der Kippe...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover passt ganz gut zur Geschichte und zum Genre und spricht mit seinen Lilatönen auch direkt die Zielgruppe an: Mädchen. Mich erinnern die Palmen, der Schriftzug und die Silhouette im Vordergrund auch sofort an Hollywood, trotzdem gehört das Cover irgendwie nicht zu meinen Favoriten. Ist mir vielleicht einen Ticken zu plakativ und uninspiriert. Aber wie gesagt - es passt :)

Meine Meinung:

Erinnert ihr euch an Paige Toons Romane Du bist mein Stern und Diesmal für immer? In beiden geht es um die Beziehung zwischen dem weltweiten Megastar Johnny Jefferson und seiner persönlichen Assistentin Meg. Mir hat die Geschichte ziemlich gut gefallen und beim Lesen bin ich auch ein kleines bisschen Fan von Johnny Jefferson geworden. So muss es auch seiner Schöpferin Paige Toon gegangen sein, denn in ihrem ersten Young Adult Roman Das verrückte Leben der Jessie Jefferson spielt Johnny wieder eine große Rolle. Und zwar als - angesichts des Titels kann man es sich ja denken - leiblicher Vater der unbändigen Teenagerin Jessie.

Den Leser erwartet hier eine klassische Aschenputtelgeschichte: Jessie wächst nicht gerade in ärmlichen, aber doch in bescheidenen Verhältnissen in einer unbedeutenden, britischen Kleinstadt auf und hat nie erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter hat Jessie eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben, als ihr Ziehvater Stu ihr eröffnet, dass ihr Erzeuger niemand geringeres als der weltberühmte Megastar Johnny Jefferson ist. Und so fliegt Jessie nach Los Angeles, um Johnny kennenzulernen, und taucht dort in die schillernde Welt des Luxus und Glamour ein. Das Grundgerüst ist also absolut nichts Neues und auch der Handlungsverlauf ist erst einmal wenig überraschend und vielleicht auch nicht besonders originell.

Trotzdem habe ich Das verrückte Leben der Jessie Jefferson von Anfang an sehr gerne gelesen. Zum einen ist eine solche Aschenputtelgeschichte nun einmal berührend und lässt auch uns noch ein wenig länger von einer solchen Chance träumen. Plötzlich Prinzessin oder Rockstar-Tochter? Das wünscht sich doch insgeheim jeder von uns. Zum anderen mochte ich die Figuren sehr und habe mich auch unheimlich darüber gefreut, Johnny, Meg und Christian wiederzutreffen. Mit der Protagonistin Jessie hat man es allerdings zu Beginn nicht leicht (ebenso geht es ja auch ihrem sehr einfühlsamen Stiefvater Stu), denn schließlich ist sie ein typischer Problemteenager außer Rand und Band, der nach dem Tod seiner Mutter endgültig die Kontrolle verliert und seinen Ziehvater Tag für Tag an seine Grenzen bringt. Jessie trinkt, raucht, gibt sich mit den falschen Leuten ab und fühlt sich von absolut jedem missverstanden - klassischer geht es eigentlich nicht.

Natürlich kann man Jessies Handeln und Tun nur bedingt nachvollziehen, denn wie gesagt - sie steckt mitten in der Pubertät. Trotzdem war sie mir von Anfang an sympathisch, denn ihre Gedanken- und Gefühlswelt offenbaren, dass sie sich oftmals selbst für die Art und Weise hasst, wie sie mit Stu und auch ihrer ehemals besten Freundin Libby umspringt und sie immer wieder von sich stößt. Jessie bereut es, ihre Mutter zu Lebzeiten nie wirklich wertgeschätzt zu haben und ist gleichzeitig sauer auf sie - schließlich hat sie ihr die Chance verwehrt, Kontakt zu ihrem leiblichen Vater aufzunehmen. Jessies innere Zerrissenheit und ihre chaotisch durcheinanderwirbelnden Gefühle kann man sehr gut nachvollziehen. Gut gefallen hat es mir auch, dass Paige Toon die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und sich einer modernen, direkten Sprache bedient - so hat man tatsächlich das Gefühl, Jessie selbst würde ihre Erlebnisse wiedergeben und zwar im typischen Teenie-Jargon.

Paige Toon geht insgesamt sehr einfühlsam auf die wirren Gefühle des Teenagers Jessie ein und zeichnet ein sehr authentisches Bild von Jessie, von ihrer Enttäuschung, ihrer Wut und auch ihrer Zuneigung - zu Stu, zu ihrem leiblichen Vater Johnny und schließlich zu dem heißen Nachwuchsmusiker Jack, den sie in Hollywood kennenlernt. Natürlich wartet in L.A. aber nicht nur ein Leben in Saus und Braus auf Jessie, fällt es ihr doch anfangs schwer, sich Johnny und seiner Frau Meg anzunähern. Jessie fühlt sich lange wie ein Fremdkörper. Ihr Auftauchen stellt jedenfalls alles auf den Kopf und jede Menge Missverständnisse, Konflikte, aber auch aufregende Erfahrungen machen die Handlung dynamisch und spannend. Hier und da hätte ich mir zwar ein bisschen mehr Action gewünscht - vor allem auch, was die Liebesgeschichte zwischen Jessie und Jack betrifft -, langweilig fand ich den Roman aber an keiner Stelle.

Im Mittelpunkt steht eben ganz klar Jessies Verwandlung - aus ihrem winzigen Vorstadthaus kommt sie in die riesige Villa eines Megastars, wird auf einmal von Paparazzi belagert und muss es bei all dem schaffen, auf dem Boden zu bleiben. Ob ihr das gelingt? Johnny und Meg habe ich beim Lesen ebenfalls ins Herz geschlossen, obwohl ich sagen muss, dass beide nicht mehr unbedingt die Personen sind, die man aus Diesmal für immer kennt. Die beiden haben mittlerweile zwei Kinder und Johnny ist jetzt ein verantwortungsbewusster, ruhiger Vater, der Alkohol und Drogen abgeschworen hat. Nicht mehr ganz so cool, wie man ihn in den anderen beiden Romanen kennengelernt hat, aber als schwerreicher Rockstar-Dad natürlich immer noch der absolute Traum. Ich jedenfalls möchte mehr von Jessie, Johnny, Meg und Jack lesen.

Mein Fazit:

Das verrückte Leben der Jessie Jefferson ist leichte, amüsante und berührende Lektüre mit viel Charme, Witz und Authentizität - ganz so, wie man es von Paige Toon gewöhnt ist. Klar, mit ihrer Aschenputtelgeschichte um den Teenager Jessie erfindet sie das Rad nicht neu und an einigen Stellen hätte die Handlung weniger vorhersehbar und dafür origineller sein können, aber das Buch macht Spaß! Und ich freue mich schon sehr auf die Folgebände, von denen im Englischen bisher zwei erschienen sind. Jessies Geschichte geht ganz bestimmt ebenso turbulent und chaotisch weiter, wie sie angefangen hat.



Die Reihe:

Band 1: Das verrückte Leben der Jessie Jefferson
Band 2: Das wilde Leben der Jessie Jefferson (Dezember 2016)

2 Kommentare:

Lottasbuecher hat gesagt…

Hallo :D
ich liebe es ja, wenn Bücher so einen Zusammenhang haben, wie hier das mit dem Papa, der in anderen Romanen schon eine Rolle (und anscheinend ja eine wichtige) gespielt hat. :D Das animiert mich einfach immer zum Lesen, weil ich das Gefühl habe nur ich weiß wie das alles zusammenhängt, obwohl das natürlich quatsch ist, aber was solls. :D
Auf jeden Fall eine sehr schöne Rezension und vielleicht sollte ich mir die Bücher von Paige Toon doch mal näher ansehen. :D

Liebst, Lotta

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Lotta :)

Dankeschön *_* Ich liebe es auch total, wenn Geschichten zusammenhängen - bei diesem Buch hier hatte ich sogar das Gefühl, dass Paige Toon ihre Charaktere (Johnny und Meg) irgendwie besonders lieb gewonnen hat und sie deswegen nicht gehen lassen wollte. Irgendwie mag ich diese Vorstellung :P Ich habe zwar bisher noch nicht mal annähernd alles von Paige Toon gelesen, aber ich kann dir vor allem dieses hier und "Du bist mein Stern" und "Diesmal für immer" empfehlen. Typisch romantischer Frauenkram, aber sehr schön geschrieben und sehr unterhaltsam. Ich mag die Romane sehr gerne :)

Liebe Grüße
Svenja

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