Freitag, 17. Juni 2016

REZENSION: "Nachts an der Seine" (Jojo Moyes)

Copyright Argon Hörbuch
Titel: Nachts an der Seine
Autor: Jojo Moyes
Genre: Erzählung / Liebesgeschichte
Sprecher: Luise Helm
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hörbuch (9,95 €), eBook, TB (ab 21.10.)
Länge: ungekürzte Lesung, 2 Stunden (80 Seiten)
ISBN: 978-3839814949

Inhalt:

Nell war noch nie in Paris und hat generell bisher eher wenig von der Welt gesehen. Endlich steht dann der langersehnte Kurztrip in die Stadt der Liebe gemeinsam mit ihrem Freund Pete an. Doch Pete erscheint nicht am vereinbarten Treffpunkt und so macht sich Nell allein auf den Weg nach Paris. Als klar wird, dass Pete nicht nachkommen wird, will Nell eigentlich so schnell wie möglich nach London zurück. Doch als sie zufällig den angehenden Schriftsteller Fabien kennenlernt, kommt alles anders. Zum ersten Mal in ihrem Leben macht Nell etwas Spontanes und lässt sich auf ein romantisches Abenteuer mit dem attraktiven Fremden ein...

So gefällt mir das Cover:

Wie jedes Cover eines Jojo Moyes Romans ist auch dieses wieder ein echtes Juwel. So stellt man sich Paris vor: Vor beeindruckender Kulisse und im Schein einer Straßenlaterne in einem Straßencafé einen Rotwein genießen und sich dem Moment hingeben. Und genau das symbolisiert das Cover für mich.

Meine Meinung:

Da ist doch tatsächlich eine Neuerscheinung von Jojo Moyes komplett an mir vorbeigegangen, das gab's ja noch nie! Fairerweise muss man aber sagen, dass Nachts an der Seine kein ganzer Roman, sondern nur eine etwa 80 Seiten lange Erzählung ist, die bisher nur als eBook und als Hörbuch erschienen ist (im Oktober soll die Taschenbuchausgabe im Rowohlt Verlag folgen). Da ich ja bekanntermaßen keine eBooks mag, hab ich mir kurzerhand die Hörbuchfassung bestellt.

Geschichte und Erzählstil:

Die Handlung klingt erst einmal typisch Moyes: Eine junge Frau ist bisher eher ein Mauerblümchen mit einem geregelten Leben mit wenig Überraschungen gewesen und ein spontaner Trip reißt sie aus ihrer vertrauten Routine und veranlasst sie dazu, sich auf ein rasantes Abenteuer einzulassen. Genau das passiert nämlich Nell, der Protagonistin in Nachts an der Seine. Sie scheint eine Frau zu sein, die nicht viel aus ihrem Leben macht und sozusagen im Alltagstrott gefangen ist. Mit ihrem Freund Pete ist sie nicht sonderlich glücklich, aber sie ist fast schon froh, dass sich überhaupt ein Mann für sie interessiert und nimmt seine Marotten in Kauf - auch wenn ihre Freundinnen über diese Beziehung eigentlich nur den Kopf schütteln.

Nell ist nichts Besonderes und das ist auch das Schöne an dieser Erzählung. Sie ist das nette Mädchen von nebenan und deswegen ist es so leicht, sich mit ihr zu identifizieren. Schließlich hat jeder von uns irgendwann mal das Gefühl, eigentlich nichts im Leben erreicht zu haben und an seinem Wohnort festzuhängen. Mir zumindest geht es so. Nells Trip nach Paris zeigt, dass man ab und an mutig (vielleicht sogar wagemutig) und spontan sein muss, um etwas zu erleben. Innerhalb der kurzen Zeit in Paris durchläuft Nell jedenfalls eine bemerkenswerte Verwandlung und kommt endlich aus sich heraus. Es ist einfach eine schöne Vorstellung, dass ein Ortswechsel und eine Bekanntschaft manchmal Wunder wirken können.

Was ich besonders schön finde: Genauso rasant wie Nells Beziehung zu dem Franzosen Fabien, den sie an dem einen Abend kennenlernt und an dessen Seite sie am nächsten schon auf dem Moped durch Paris fährt, ist auch die Handlung. Auf rund 80 Seiten geht es Schlag auf Schlag und Jojo Moyes hält sich nicht an langatmigen Formulierungen, unnötigen Dialogen oder Rückblenden auf. So wirkt die Geschichte lebensnah und authentisch, denn ab und an geht nun einmal manches viel zu schnell, um lange darüber nachzudenken, ob man es wirklich tun sollte. Wie Nell sollte man sich dann vielleicht darauf einlassen und sehen, wohin einen das führt. Für mich eine sehr schöne und trostspendende Botschaft.

Als Erzählung ist Nachts an der Seine also wirklich kurzweilige, aber auch tiefsinnige und anrührende Lektüre, die sich dank Jojo Moyes' flüssigem und nach wie vor sehr angenehmem Erzählstil in einem Rutsch runterlesen bzw. hören lässt. Allerdings war ich dann aber doch etwas enttäuscht, dass sie so schnell zu Ende war - obwohl ich das Rasante und Spontane wie gesagt sehr geliebt habe. Ich hätte einfach so gerne erfahren, wie es mit Nell und Fabien weitergeht. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht, denn schließlich spinnt man die Geschichte ja auch selbst weiter.

Sprecher:

Wie alle Geschichten von Jojo Moyes wird auch Nachts an der Seine von Luise Helm gelesen, die den Charakteren Leben einhaucht und mit ihrer sanften, angenehmen Stimme einfach auch von Anfang an romantische Stimmung aufkommen lässt. Sie ist einfach Balsam für die Seele und lässt einen selbst von der Stadt der Liebe träumen.

Mein Fazit:

Nachts an der Seine ist ein kurzes, amüsantes und anrührendes Intermezzo und versüßt vor allem Jojo Moyes Fans wie mir die Wartezeit bis zum nächsten Roman. Ich mag es, dass die Geschichte so auf den Punkt und so konzentriert ist und habe das Hörbuch wirklich genossen. Leider war es mir dann aber doch zu schnell vorbei und ich hätte noch ein, zwei Stunden weiterhören können. Dennoch: Wer Jojo Moyes' Romane liebt, wird auch diese Erzählung ins Herz schließen!



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