Sonntag, 12. Juni 2016

REZENSION: "Der Wahnsinn, den man Liebe nennt" (Clara Römer)

Copyright Diana Verlag

Titel: Der Wahnsinn, den man Liebe nennt
Autor: Clara Römer
Genre: Roman
Verlag: Diana Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (9,99€)
Seiten: 319
ISBN: 978-3-453-35879-9




Inhalt 

Susa ist ziemlich irritiert, als sie einen Anruf bezüglich einer Kühlschranklieferung erhält. Einen Kühlschrank, den sie nicht bestellt hat und der zudem an eine ganz andere Adresse geliefert werden soll. Auf den Papieren hat jedoch ihr Mann Wolf unterschrieben, daran besteht kein Zweifel. Obwohl Wolf versucht, sie zu beschwichtigen, bleibt Susa skeptisch. Zu recht - denn wie sich herausstellt, führt Wolf seit Jahren ein Doppelleben. Kurzerhand setzt sie ihn vor die Tür. Nach und nach häufen sich die Probleme und verwandeln Susas Leben in einen Scherbenhaufen. Doch Susa denkt nicht daran, den Kopf in den Sand zu stecken!


Cover

Kurz und gut: schlicht, aber ansprechend.

Meine Meinung

Betrogene Frau verlässt ihren Mann und krempelt ihr Leben um - so in etwa ließe sich der Plot von Der Wahnsinn, den man Liebe nennt herunterreißen. Belletristik in der Art gibt es natürlich ziemlich häufig, aber langweilig wird es deswegen nicht unbedingt. Vor allem für diesen Roman gilt das, denn die Geschichte verläuft nicht ganz so, wie man es eventuell gewohnt ist. Trotz des Titels handelt es sich nämlich eher um einen Selbstfindungsroman, denn um eine Liebesgeschichte. Klar fragt sich Susa häufig, ob sie noch Gefühle für ihren Mann hat, zeigt aber auch Interesse gegenüber anderen Männern. Dennoch ist Romantik nicht das zentrale Thema. Vielmehr dreht es sich um das Bild, das sie von ihren Eltern hat, denn das muss sie im Verlauf des Romans gründlich überdenken. Ich mochte die Entwicklung weg vom romantischen Schwerpunkt zu einem familiären hin, denn das war durchaus erfrischend. Ich selbst habe mich beim Lesen gefragt, wie viel ich eigentlich aus dem Leben meiner Eltern weiß und wie gut ich sie kenne und was sie vielleicht vor mir verbergen. Natürlich hoffe ich, dass sie keine so erschütternden Geheimnisse vor mir haben wie Susas Eltern (ich verrate bewusst nicht, welche es sind), aber man weiß ja nie... Umso bemerkenswerter fand ich Susas Art, damit umzugehen, und wie am Ende alles 'aufgelöst' wurde, hat mir gefallen, wenngleich es nach einer Weile absehbar war.
Natürlich bleibt das Thema Ehebruch kontinuierlich präsent, denn Wolf ist nicht so leicht abzuschütteln. Am Anfang denkt man noch: Wow, er gibt sich wirklich Mühe! Vielleicht liebt er sie ja doch! Diesen Eindruck gewinnt man besonders durch die Rückblenden von Susa, durch die man auch weichere, verletzlichere Facetten seiner Persönlichkeit kennenlernt. Aber glaubt mir: Wolf eröffnet eine neue Dimension an Dreistigkeit, die in mir nichts weiter als Hass ausgelöst hat. Aber auch hier hat mich Susa durch ihre Standhaftigkeit beeindruckt. Ebenso super fand ich, wie sie sich auch in ihrem Freundeskreis bemüht hat, die Probleme zu lösen, denn auch bei Ruth, deren Mann Sascha und Janis tut sich so einiges. Jedoch hatte ich manchmal das Gefühl, als ob die Autorin zu viel in eine relativ 'kurze' Geschichte gepackt hat. Denn auch wenn ich die ganzen Nebenhandlungen sehr mochte, kam es mir doch so vor, als würde sie vieles nur anreißen, obwohl eine viel größere Story dahintersteckt. Besonders zu Wolfs Bruder Ulf hätte es wohl noch eine Menge zu erzählen gegeben.
Weniger begeistern konnte mich allerdings die Erzählweise. Die Dialoge wirkten manchmal holzig und die Beschreibungen (besonders die Flashbacks) seltsam distanziert, während die Briefe von Susa fast schon kindlich klangen. Damit kam ich nicht sonderlich gut klar. Für meinen Leseflow ist der Schreibstil aber nun mal essentiell, deshalb ist mein Gesamteindruck nicht ganz so positiv, wie er hätte sein können.  

Fazit 

Der Roman hat mich ziemlich überrascht: nicht Romantik, sondern Freundschaften und Familie werden hier großgeschrieben - sehr zu meiner Freude. Denn dadurch hebt er sich von anderen Werken zum Thema Ehebruch ab. Von der sehr willensstarken Protagonistin und den Nebenhandlungen und Entwicklungen war ich sehr angetan, vom Schreibstil jedoch nicht wirklich. Er war meiner Meinung nach recht eigenwillig und hat nicht meinen Geschmack getroffen. 

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