Mittwoch, 8. Juni 2016

REZENSION: "Das Licht in deiner Stimme" (Patricia Koelle)

Copyright S. Fischer Verlag


Titel: Das Licht in deiner Stimme (Ostsee-Trilogie 02)
Autor: Patricia Koelle
Genre: Roman
Verlag: S. Fischer
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 576
ISBN: 978-3596032976




Inhalt:

Florida, 2000: Hier ist Tiryn aufgewachsen, hier leben alle ihre Freunde und ihre Familie. Doch tief in ihrem Inneren wusste Tiryn schon immer, dass sie eigentlich ganz woanders zuhause ist. Und zwar in Ahrenshoop, dem kleinen verschlafenen Städtchen an der rauen Ostsee, das sie nur aus den Erzählungen ihres Großvaters Nicholas kennt. Endlich bekommt Tiryn dann die Chance ihres Lebens: Nach Ahrenshoop zu fliegen und sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Nicholas unterstützt sie tatkräftig dabei, doch wie werden die Einwohner auf sie reagieren? Sie, die Enkelin des Mannes, der die stadtbekannte Künstlerin Henny ohne ein Wort des Abschieds vor der Hochzeit sitzen ließ und ihr und der Ostsee für immer den Rücken kehrte...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover hat bei mir direkt für Urlaubsstimmung gesorgt und weckt wie schon das des ersten Bandes Sehnsucht nach dem Meer. Ich finde es sehr stimmungsvoll, vor allem den hell erleuchteten Abendhimmel und den Strand, aber auch einen Ticken zu kitschig. In Kombination mit dem Titel könnte man das Buch ziemlich leicht für einen vor Schmalz triefenden Schmachtfetzen á la Rosamunde Pilcher halten, was es definitiv nicht ist!

Meine Meinung:

Es ist nun schon fast genau ein Jahr her, dass ich Das Meer in deinem Namen - den Auftakt zu Patricia Koelles Ostsee-Trilogie gelesen habe und ehrlich gesagt waren die Erinnerungen nicht mehr besonders frisch. Entsprechend schwer fiel es mir, in die Geschichte von Das Licht in deiner Stimme hineinzufinden. Insgesamt fand ich den Anfang aber auch besonders schleppend und zäh. 

Zunächst lernen wir Tiryn kennen, eine junge Frau (übrigens exakt in meinem Alter), die an einem wunderschönen Flecken Erde aufwächst und deren Heimat die Küsten Floridas sind. Koelle zeichnet ein traumhaftes Bild von diesem Ort und man hat sofort das Gefühl, dort zu sein. Umso weniger verständlich war es für mich, dass Tiryn, die eigentlich mit Haut und Haaren dorthin passt (so habe ich es zumindest empfunden), sich mit der Zeit immer unwohler fühlt und sich geradezu nach der Ostsee verzehrt. Vielleicht liegt es daran, dass man das, was in der Nähe liegt, nicht zu schätzen weiß, aber ich für meinen Teil hätte Florida um nichts in der Welt verlassen wollen.

Weitaus problematischer waren aber die zahlreichen Figuren mit überwiegend indianischen Namen, die ich irgendwann alle nicht mehr auseinander halten konnte und die in meiner Vorstellung so zu einem einzigen Einheitsbrei verschwammen. Auch war mir die Geschichte von Beginn an zu esoterisch: Mit all den Bildern im Meer (Visionen), dem Sprechen mit Tieren, den unzähligen Wundern, die sich durch das gesamte Buch ziehen, den Vorzeichen und den Geistern konnte ich einfach nichts anfangen. Eine Andeutung hier und da, ein leichtes Abschweifen ins Fantastische - das hätte mir vollkommen genügt. Aber so konnte ich angesichts des Überhand nehmenden Aberglaubens und der Figuren, die ohne jeden Zweifel sofort an all das glauben, nur noch die Augen verdrehen. Das ist leider so gar nicht mein Fall.

Über beinahe 250 Seiten erstreckt sich Koelles gigantische Einleitung, in der ein Vorzeichen nach dem anderen Tiryn den Weg weist - hier wird nicht mehr mit dem Zaunspfahl gewinkt, sondern gleich mit dem ganzen Zaun und dem dazugehörigen Garten noch dazu. Doch immer wieder zweifelt Tiryn und man möchte sie einfach packen und direkt eigenhändig in den Flieger setzen. Das war schier einfach nicht mehr auszuhalten, ich habe schlichtweg die Reise herbeisehnt, denn irgendwann hat selbst der unaufmerksamste Leser verstanden: Tiryn gehört an die Ostsee!!!

Doch auch, als Tiryn endlich in Ahrenshoop eintraf, konnte mich die Geschichte nicht packen. Ein Wunder jagte auch hier das nächste, ein Zufall nach dem anderen ereignete sich und das Spirituelle war ebenso präsent wie im ersten Teil des Romans. Zweifel von Seiten der Einwohner werden blitzschnell zerstreut, Probleme lösen sich in Windeseile von selbst und alles ist von Anfang an eigentlich nur wunderbar, großartig und super. Carly (sie kennt man ja noch aus dem ersten Band) und Tiryn werden sofort beste Freundinnen, leben zusammen, arbeiten zusammen und man fragt sich immer wieder: Passiert denn hier auch noch was? Irgendwann war es tatsächlich soweit, doch sobald einmal Spannung aufkommt, lässt Koelle sie sofort wieder fallen und die Geschichte plätschert wie gehabt seicht vor sich hin.

Wie schon im ersten Teil der Ostsee-Trilogie gibt es auch hier wieder einige Geheimnisse, die gelüftet werden wollen, doch auch hier verschenkt Patricia Koelle meiner Meinung nach jede Menge Potenzial. Jeder kleine Hinweis führt sofort zum nächsten und am Ende hat man ein großes, verschachteltes Rätsel ohne Lösung. Zwar wird (zugegeben wider Erwarten) auf den letzten Seiten noch einiges enthüllt, aber nach all den Spuren, die sich im Sand verloren, nach all den Zufällen, Wundern und Geister-Begegnungen hatte ich dafür einfach keinen Nerv mehr - es kam zu spät. Das Interesse hatte ich leider schon lange vorher verloren.

Auch die Charaktere sind leider lange nicht so gut ausgearbeitet und lebendig wie in Das Meer in deinem Namen. Genau wie Carly ist Tiryn ein herzlicher, begeisterungsfähiger Mensch, der in Ahrenshoop sofort aufblüht und schnell alle in seinen Bann zieht. Wie Carly findet auch Tiryn hier ihre Bestimmung, hat natürlich sofort Erfolg und alles ist prima. Die Geschichte wiederholt sich - in etwas anderen Farben und gespickt mit wesentlich mehr Esoterik, aber sie wiederholt sich. Das hat mich im Großen und Ganzen ziemlich enttäuscht. Auch die gelegentlich eingeschobenen Rückblenden auf Nicholas' Leben konnten den Plot nicht retten. Zwar konnte man seine Beweggründe nun eher nachvollziehen, aber dann doch auch irgendwie wieder nicht (Bilder im Meer? Visionen, die ihm sagten, er solle das Land verlassen?). Mir war das alles zu fade und zu unglaubwürdig. Insgesamt ist Das Licht in deiner Stimme für meinen Geschmack zu viel Friede-Freude-Eierkuchen, zu viel Glück und Zufall auf einen Haufen und damit einfach nicht mehr authentisch und glaubwürdig. Irgendwie ein unglücklicher Mix aus Realität und Fantasy, der bei mir gar nicht ankam.

Zu Ende gelesen habe ich den zweiten Teil der Ostsee-Trilogie aber trotzdem und das hat mehrere Gründe. Zum Einen gelingt es Koelle auch in diesem Band wieder, eine stimmungsvolle, traumhafte Urlaubs-Atmosphäre heraufzubeschwören (wobei mir der Teil in Florida um einiges besser gefallen hat als der an der Ostsee). Einfach wundervolle Orte, an die man sich während des Lesens träumt. Zum Anderen sind die Charaktere zwar nicht besonders authentisch, dafür aber sehr liebenswert - man schließt sie sofort ins Herz. Und dann wären da natürlich wieder Koelles angenehmer, sommerlich frischer Erzählstil, die wundervollen Rezepte zwischen den Kapiteln und das wieder einmal sensationelle Nachwort, in dem die Figuren auf die Autorin treffen - ein Kniff, den ich nach wie vor bewundere und einfach großartig finde.

Mein Fazit:

Der zweite Teil von Patricia Koelles Ostsee-Trilogie ist angenehm leichte Sommer- und die perfekte Strandlektüre. Die Geschichte hat ihre Momente, hat mich aber insgesamt leider ziemlich enttäuscht: Zu viele Wiederholungen, eindeutig zu viel Esoterik und Spiritismus, zu viel Friede-Freude-Eierkuchen für meinen Geschmack. Trotzdem bin ich irgendwie doch gespannt auf den dritten Teil. Ob ich ihn lesen werde, weiß ich aber noch nicht.




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