Donnerstag, 9. Juni 2016

REZENSION: "Club der gebrochenen Herzen" (Deborah Moggach)

Copyright insel taschenbuch

Titel: Club der gebrochenen Herzen
Autor: Deborah Moggach
Genre: Roman
Verlag: insel taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Taschenbuch mit Broschur (9,99€)
Seiten: 384
ISBN: 978-3-458-35931-9





Inhalt 

Als Buffy nach dem Tod seiner Freundin ihr Bed & Breakfast Myrtle House erbt, ist seine Überraschung groß. Was soll er nur damit anfangen? Nach einigen Startschwierigkeiten kommt ihm die Geschäftsidee: als 3-fach geschiedener Mann kann er auf ein bewegtes Leben zurückblicken und hat entsprechend Erfahrungen gesammelt, wie man im Alltag zurecht kommen muss. Warum also nicht diese Erfahrungen mit anderen teilen?, denkt er sich. Kurzerhand wirbt er mit Kursen in allen Bereichen des häuslichen Lebens für Verwitwete, Geschiedene und kürzlich Verlassene. Schon bald bevölkern Singles jedes Alters in unterschiedlichen Situationen seine Pension und versuchen ihre Probleme zu lösen. 


Cover

Was ich so interessant an dem Bild fand, war dass die Utensilien ebenso bunt zusammengewürfelt sind wie die Charaktere der Geschichte. Gleichzeitig strahlen sie aber eine gewisse Harmonie und damit Gemütlichkeit aus. 

Meine Meinung

Buffy, Andy, Amy, Monica, Harold, India, Nolan, Penny - das ist nur ein Bruchteil der handlungsrelevanten Namen, mit denen man im Roman konfrontiert wird, die wiederum in Verbindung mit anderen stehen. Von dieser Namensdichte hat mir am Anfang ganz schön der Kopf geschwirrt, denn bereits in den ersten Kapiteln wird man mehr oder weniger mit ihnen bekannt gemacht. Man bekommt sozusagen zunächst eine Einführung in das Leben einzelner Charaktere. Entweder läuft etwas bei ihnen schief oder sie sind generell mit sich und/oder der Welt unzufrieden. Da fiel es mir schon schwer, auseinanderzuhalten, wer wer ist und wem was passiert ist. Allein Buffy als feste Figur (nicht irreführen lassen: es handelt sich dabei um einen Mann) konnte ich immer eindeutig zuordnen. Denn er ist der Punkt, in dem alle Fäden zusammenlaufen - oder zumindest wird er es im Verlaufe der Handlung sein. Er eröffnet eine Pension Myrtle House, in der er Seminare für New-Singles, die sich nun um Dinge im Haushalt kümmern müssen, die vorher ihr Partner übernommen hat (Autos reparieren, Gartenarbeit, Kochen) - kurz:  um sie selbstständiger werden zu lassen. Seine Unterkunft bildet den Haupthandlungsort, wo alle früher oder später aufeinandertreffen. Das Konzept gefiel mir sehr gut, denn wo viele Persönlichkeiten aufeinander treffen, ist immer ein nährreicher Boden für gute Handlungsstränge vorhanden. Leider fehlten diese meiner Meinung nach dann doch, denn es war niemand dabei, der besonders mein Interesse geweckt hätte. Ich habe beim Lesen immer wieder mit meinem fehlenden Bezug zu den Sorgen und Problemen einiger Charaktere gehadert. An Moggachs Art zu schreiben lag es definitiv nicht, denn sie hat die Gedanken der Personen sehr gut nachgezeichnet und auch der Wechsel zwischen ihnen war ersichtlich (auch wenn ich über die Namensnennung über dem jeweiligen Auszug sehr froh war). Vielmehr ist es dem Alter der Agierenden geschuldet, da viele bereits über 50 sind (Buffy ist sogar 74). Als 22-Jährige fiel es mir etwas schwer, mich mit ihnen zu identifizieren, obwohl es natürlich universale Themen wie Liebeskummer gibt, mit denen jeder etwas anfangen kann. Buffy konnte ich zwar als niedlichen, fürsorglichen älteren Mann lieb gewinnen, aber auch zu ihm konnte ich keine rechte Bindung aufbauen.
Sehr gut fand ich jedoch, dass der Personenkreis auch später noch erweitert wurde und es nicht bei den anfänglich auftretenden Personen blieb. Sobald ihr jeweiliges Problem 'gelöst' und ihre Aufenthalt in der Pension beendet ist, treten sie in den Hintergrund. Sie verschwinden jedoch glücklicherweise nicht völlig (denn das hätte mich wirklich gestört), sondern werden immer wieder mal erwähnt oder haben Kurzauftritte, sodass man ihre weitere Entwicklung nachvollziehen kann. Für mich war das ein bisschen so wie eine Fortsetzungsgeschichte zu lesen, denn Erzählungen enden eigentlich nicht mit der letzten Seite eines Buches. Auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, der ihnen zugedachte Raum wäre zu knapp bemessen (vllt. daher auch mein mangelnder Bezug zu ihnen), so mochte ich doch die Kontinuität.
Allerdings habe ich in der Geschichte die Action, die Konflikte, die Dramatik vermisst, die ihr den nötigen Pepp verliehen hätten. Bei so vielen unterschiedlichen Charakteren hatte ich einfach angenommen, es würde turbulenter zugehen. Daher hat mich dieses sanfte Dahinplätschern nicht wirklich zufrieden gestimmt.

Fazit

Von der Inhaltsangabe habe ich mir eine turbulente, abwechslungsreiche Lektüre erhofft, aber dahingehend wurde ich  etwas enttäuscht. Zwar gefielen mir Schreibstil und der Wechsel zwischen den Figuren, aber letztlich fehlte es der Handlung an Dynamik und herausragender Charaktere, sodass mich der Roman nicht vom Hocker gerissen hat.


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