Sonntag, 22. Mai 2016

REZENSION: "Mottentanz" (Lynn Weingarten)

Copyright cbt

Titel: Mottentanz
Autor: Lynn Weingarten
Genre: Roman / Jugendroman / Thriller
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2011
Format: Taschenbuch, eBook (7,99€)
Seiten: 320
ISBN: 978-3-57030-741-0




Inhalt

Zwei Jahre ist her, seitdem Ellies große Schwester Nina plötzlich verschwand. Doch noch immer glaubt Ellie daran, dass Nina irgendwo da draußen ist und nur darauf wartet, dass sie sie findet. Überall sieht sie Zeichen, die sie zu ihr führen könnten, doch immerzu münden sie in einer Sackgasse. Doch wie durch ein Wunder gelangt eine Karte mit einer von Ninas Zeichnungen in Ellies Hände. Diesmal hat sie einen konkreten Anhaltspunkt. Und tatsächlich führt sie der Hinweis weiter als je zuvor. Gemeinsam mit Sean, einem Jungen, den sie auf einer Party kennenlernte, verfolgt sie Ninas Spur durch die USA. Auf ihrem Weg muss sie jedoch allmählich feststellen, dass ihre Schwester einige Geheimnisse vor ihr verborgen hat. Und letztlich bleibt die Frage: lebt Nina tatsächlich noch?

Cover

Auch wenn ich das Cover an sich sehr ansprechend finde, so hat es mich doch ein wenig verwirrt. Auch wenn explizit dasteht, dass es sich um einen Thriller (für Jugendliche) handelt, so habe ich zuerst gedacht, es wäre ein Fantasy-Roman. Es wirkt einfach zu mystisch und verspielt.

Meine Meinung

Allein schon der Einstieg in die Geschichte war fantastisch. Ellie arbeitet als Barista in einem Café und hat dadurch immer wieder mit merkwürdigen Kunden zu tun. Durch ihre teilweise recht ironischen Beschreibungen bekommt  man sofort ein klares Bild von ihr und ihrer Person. Manche Begegnungen sind amüsant, was vor allem an ihrem besten Freund liegt, der sie ständig verkuppeln will. Auch wenn er nur einen kleinen Part in der Geschichte hat, so ist er doch zu einem meiner Lieblinge geworden. 
Aber zurück zu Ellie: sie ist klug, hübsch (sich aber dessen nicht bewusst), manchmal sarkastisch, etwas stur und vor allem: einsam und verzweifelt. Sie hat es nie verwunden, dass ihre Schwester Nina vor zwei Jahren spurlos verschwunden ist. Und auch wenn es keinen expliziten Grund gibt, so hat Ellie doch nie die Hoffnung aufgegeben, dass sie noch am Leben ist. Überall sieht sie Zeichen, die ihr Nina hinterlassen haben könnte. Sie verfolgt jede Spur, auch wenn sie jedes Mal in einer Sackgasse endet. Das stelle ich mir ungemein zermürbend vor. Ich bewundere sie allerdings für ihr Durchhaltevermögen und ihren starken Glauben daran, dass sie Nina finden kann.
Ein solcher Hinweis ist es schließlich, der die Handlung ins Rollen bringt. Denn endlich scheint die Fährte sie tatsächlich weiterzubringen. Kurzerhand macht sie sich mit Sean, den sie auf einer Party kennengelernt hat, auf den Weg durch die USA. Sie hangeln sich von einem Indiz zum nächsten und kommen Nina dabei immer näher. Klar, mag man hier argumentieren, dass hier ziemlich viele Zufälle zusammenkommen, damit Ellie die Spur nicht verliert, und ja, es ist irgendwie komisch, dass es zwei Jahre gedauert hat, bis sie einen richtigen Anhaltspunkt hat, aber ehrlich gesagt hat das meinem Lesefieber keinen Abbruch getan. Zumal mich die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Ellie und Sean bei der Stange gehalten hat. Auch wenn die Gefühle recht schnell aufkeimen, hat Lynn Weingarten es geschafft, dass sie nicht vollkommen surreal, sondern glaubhaft und echt wirken. Selbst die vielen kleinen Zuneigungsbekundungen und Gesten fand ich nicht übertrieben oder kitschig. Ein bisschen hab ich mich da selbst in Sean verliebt, weil er so aufmerksam und liebevoll auf Ellie eingegangen ist.
Aber worum es letztlich eigentlich geht, ist ihre Suche nach Nina. Aus jeder Zeile, die Lynn Weingarten schreibt, wird ersichtlich, wie sehr Ellie ihre große Schwester liebt. Wie sehr sie sie vermisst, auch wenn sie feststellen muss, dass sie Nina wohl nie völlig gekannt hat. Natürlich glorifiziert Ellie sie in ihren Erinnerungen zum Teil, denn sie bewundert Nina für alles, was sie selbst nicht ist: spontan, wild, charismatisch und künstlerisch begabt (im Buch sind mehrere Zeichnungen von Nina abgebildet, die wirklich sehr schön sind). Aber sie ist auch sehr geheimniskrämerisch und handelt manchmal etwas unbedacht. Dennoch kam ich nicht umhin, Nina ebenfalls zu mögen. Vor allem, da ich weiß, wie innig die Liebe zu einer Schwester ist. Das ist eine ganz besondere Art von Verbundenheit und Verständnis und genau deshalb hat mich dieses Geschwisterpaar genau ins Herz getroffen
Zudem fand ich es super interessant, in Ninas Welt abzutauchen, ihre Geschichte und ihren Weg zu rekonstruieren. Besonders weil man sie immer aus dem Blickwinkel anderer Leute beschrieben bekommt. Das offenbart immer eine neue Seite an ihr. 
Womit ich jedoch nicht wirklich zufrieden bin, ist der Schluss. Es kam mir so vor, als ginge alles Knall auf Fall. Nachdem ich so lange gespannt Ellies Reise mitverfolgt habe, kam mir der narrative Höhepunkt etwas flach bzw. zu kurz vor. Ein paar Seiten mehr hätten hier nicht geschadet. Die Wendung und Auflösung an sich gefiel mir jedoch sehr gut, auch wenn sie sich der Ausgang ab einem gewissen Punkt recht deutlich abzeichnete.

Fazit 

Kurz und gut: auch wenn einige Zufälle zusammenkommen mussten, damit Ellie nach zwei Jahren endlich die Spur zu ihrer Schwester verfolgen kann, und man in der Beziehung etwas skeptisch sein kann, so ist die Reise selbst ziemlich aufregend und gut geschrieben. Das Geschehen ist dynamisch und (durch die vielen unterschiedlichen Begegnungen) abwechselungsreich. Was mich aber vor allem überzeugen konnte, war Ellies Liebe zu Nina, die einfach aus jeder Zeile geklungen hat. Und die Romanze zwischen ihr und Sean hat ihr Übriges getan. Nur das Ende hätte meiner Meinung nach etwas in die Länge gezogen werden können. 



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