Montag, 23. Mai 2016

REZENSION: "Das Feuerzeichen 02 - Rebellion" (Francesca Haig)

Copyright Heyne fliegt


Titel: Das Feuerzeichen - Rebellion
Autor: Francesca Haig
Genre: Dystopie
Verlag: Heyne fliegt
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (16,99 €)
Seiten: 480
ISBN: 978-3453270411





Inhalt:

Die Insel ist zerstört und auch die rätselhafte Maschine der Beichtmutter existiert nicht mehr. Doch nach wie vor bedrohen Cass' Zwillingsbruder Zach und der Rat der Alphas die Existenz der Omegas und arbeiten systematisch an einer langfristigen Lösung, um ihre gezeichneten Zwillinge ein für alle Mal loszuwerden. Um sie aufzuhalten, setzen Cass, Piper und Zoe alles daran, um erneut einen Widerstand auf die Beine zu stellen und den Rat zu bezwingen. Doch dabei stoßen sie auf Dokumente, die endlich Licht ins Dunkel bringen. Was ist damals, vor fast 400 Jahren, wirklich mit der Bevölkerung geschehen? Wie kam es zu den mysteriösen Zwillingsgeburten? Und kann es tatsächlich sein, dass es irgendwo weit draußen noch einen Ort gibt, an dem alles anders ist? 


So gefällt mir das Cover:

Das Cover zu Band 2 von Das Feuerzeichen gefällt mir wieder richtig gut, denn es steht symbolisch für das Feuer, das Cass und die Widerstandskämpfer entfacht haben. Hat der Unmut der Omegas in Band 1 noch kaum merklich geschwelt, so beginnt er nun, sich mehr und mehr auszubreiten. Besser hätte man das Cover nicht wählen können.

Meine Meinung:

Francesca Haigs Dystopie Das Feuerzeichen hat mich von Anfang an vor allem mit der neuartigen, packenden und überaus grausamen Idee begeistert. Die Vorstellung von einer apokalyptischen Welt, in der nur noch Zwillinge mit jeweils einem unversehrten und einem in irgendeiner Weise verstümmelten Geschwisterkind geboren werden, fasziniert mich nach wie vor ebenso wie sie mich verstört. Ich konnte es kaum erwarten, mehr über Cass' Welt und die schreckliche Katastrophe, die die Menschen in zwei Lager spaltete, zu erfahren. Und hier ist sie nun, die Fortsetzung: Das Feuerzeichen - Rebellion.

Leider begann auch der zweite Teil von Francesca Haigs dystopischer Trilogie eher schleppend und beinahe 200 Seiten lang passiert nicht viel Bemerkenswertes. Cass, Piper und Zoe irren nach der Schlacht um die Insel umher und lassen den Angriff des Rats auf den Zufluchtsort der Omegas immer wieder Revue passieren. Das war für mich sehr ermüdend und ich musste mich stellenweise wirklich dazu zwingen, am Ball zu bleiben. Es war sehr schwer, wieder in die Handlung hineinzufinden und sich erneut die Charaktere ins Gedächtnis zu rufen. Hier ist es Haig leider nicht besonders gut gelungen, an die Geschehnisse in Band 1 anzuknüpfen. Rebellion wirkt vor allem zu Beginn sehr unkoordiniert, chaotisch und seltsam lose und bereits an dieser Stelle stand für mich fest, dass mindestens 150 Seiten weniger dem Roman wirklich gut getan hätten. Denn so erschien mir die Geschichte unnötig aufgebläht und in die Länge gezogen.

Etwa ab der Mitte kommt die Handlung aber dann so richtig in Fahrt und blutige Kämpfe, unerwartete Verbrüderungen mit dem Feind sowie die Suche nach einem mysteriösen Dokument, das irgendetwas mit der Explosion und dem Anderswo zu tun haben soll, lassen endlich Spannung aufkommen. Dabei ist Rebellion teilweise noch grausamer, schonungsloser und verstörender als der Vorgänger und die Grausamkeit der Alphas, angeführt von Cass' sprichwörtlich bösem Zwilling Zach und der skrupellosen Generalin, steigert sich immer weiter und raubt einem beim Lesen mehrmals den Atem. Nicht nur die Tanks, in denen die Omega-Zwillinge sicher verwahrt werden sollen, sondern auch ein weiterer perfider Plan des Rates bedrohen die Existenz der Omegas und ein ums andere Mal macht sich Hoffnungslosigkeit breit - nicht nur unter den handelnden Charakteren, sondern auch beim Leser.

Anders als von mir befürchtet, geht es im zweiten Band der Reihe jedoch nicht nur um den Aufstand der Omegas und ein Bündnis gegen die grausam herrschenden Alphas, sondern man erfährt endlich auch mehr über die Explosion und das sogenannte Vorher. Die Geschichte entwickelt sich zu einer spannenden Spurensuche und hält dann doch einige Überraschungen bereit, auf die ich nicht gefasst war. Viele Fragen, die der erste Teil offen gelassen hat, werden geklärt - zum Beispiel, weshalb die Menschen eine so große Angst vor jeglicher Technik haben, wie es zu den Zwillingsgeburten und den Mutationen kam und ob es tatsächlich ein Anderswo gibt, wo vielleicht alles anders ist. Im Mittelpunkt stehen dabei Cass' Visionen, die sich als etwas völlig anderes entpuppen, als gedacht. Hier darf man gespannt sein ;)

Sehr gut gefallen hat es mir, dass in Rebellion ein Wechsel der Hauptfiguren-Konstellation stattfindet. Während es in Band 1 stellenweise so wirkt wie "Cass und Kip gegen den Rest der Welt", bekommt die immer noch sehr labile Protagonistin mit den taffen und mit allen Wassern gewaschenen Zwillingen Piper und Zoe nun Verstärkung. Zusammen geben sie ein mächtiges Dreiergespann ab. Mit Cass, die ja gleichzeitig auch die Ich-Erzählerin ist, hatte ich allerdings nach wie vor so meine Probleme. Ihr Gefühls- und Gedankenwelt dominiert die gesamte Geschichte, ihre Schuldgefühle und überdimensionierten Ängste drohen den Leser stellenweise zu erdrücken. Sie geht einem nicht direkt auf die Nerven, aber irgendwann habe zumindest ich die Schotten dicht gemacht, weil mir Cass' ständiges Hadern mit ihrem Schicksal, ihre Trägheit und ihre alles überschattende Hoffnungslosigkeit schlicht und ergreifend zu viel wurden. Natürlich hat sie viel erlebt, viel Schlimmes gesehen und mit Kip auch ihren bisher engsten Vertrauten verloren, aber ihr Inneres scheint regelrecht ein Schwarzes Loch zu sein, ein Fass ohne Boden und das war zum Teil einfach nur anstrengend.

Piper und Zoe bringen da etwas mehr Dynamik und Spannung in die Handlung. Zugegebenermaßen hatte ich die beiden zu Beginn des zweiten Bandes gar nicht mehr wirklich vor Augen, aber das hat sich schnell geändert. Die ungewöhnlichen Zwillinge (ungewöhnlich, weil sie als Kinder erst spät getrennt wurden und dann zusammen wegliefen und aufwuchsen) sorgen gewissermaßen dafür, dass Cass nicht den Verstand verliert und dass sie am Leben bleibt. Besonders vielschichtig ist Zoes Charakter, die sich nach außen hin unnahbar und kratzbürstig gibt, tief drinnen jedoch ein dramatisches Geheimnis hütet. Piper wurde mir im Verlauf der Geschichte immer sympathischer, denn er ist nicht mehr nur der knallharte und rigorose Anführer des Widerstands und nur aufgrund ihrer Visionen an Cass interessiert, sondern erweist sich auch als besorgter, einfühlsamer Begleiter und Freund. Es gab da so einige Andeutungen und ich bin gespannt, ob Piper und Cass sich wohl näherkommen - ob sie Kip so schnell vergessen kann?

Einige Überraschungen hält die Handlung dann auch in Bezug auf Cass' Bruder und das Ratsmitglied "die Generalin", das Anderswo, das Vorher und die Explosion bereit. Der Untertitel "Rebellion" passt auf jeden Fall zur Geschichte, denn langsam aber sicher erwachen die Omegas aus ihrer Trance und beginnen, sich gegen die Alphas und ihre grausamen Pläne zur Wehr zu setzen. Dabei ist der zweite Teil auch wesentlich blutiger und brutaler als Band Nummer 1 - wie gesagt, aber erst ab Seite 200 etwa. Vorher zieht sich die Handlung wie Kaugummi und bei fast 500 Seiten kann man da schon mal an seine Grenzen kommen.

Mein Fazit:

Leider hat Das Feuerzeichen - Rebellion das gleiche Problem wie der erste Band von Francesca Haigs dystopischer Trilogie: Die Handlung kommt einfach unheimlich schwer in die Gänge und bei mir dauerte es in etwa 200 Seiten, bis ich endlich in die Geschichte hineingefunden hatte. Es folgte eine stellenweise rasante, sehr brutale und spannende Handlung, der lediglich die nach wie vor anstrengende Protagonistin mit seitenlangen Monologen einen Dämpfer verpasste. Für mich ein durchwachsener Mittelteil einer immer noch sehr interessanten und prinzipiell gut durchdachten Reihe, die hoffentlich in ein fulminantes Finale gipfelt.



Die Reihe:

1. Band: Das Feuerzeichen
2. Band: Das Feuerzeichen - Rebellion
3. Band: Das Feuerzeichen - Rückkehr (8.4.2017) 

    

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