Samstag, 2. April 2016

REZENSION: "Wetten, dass wir uns lieben?" (Orna Landau)

Copyright Atlantik Verlag



Titel: Wetten, dass wir uns lieben?
Autor: Orna Landau
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Atlantik / Hoffmann & Campe
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (15,00 €)
Seiten: 304
ISBN: 978-3455651034




Inhalt:

Nach 20 Jahren Ehe ist es bei Sarah und Ben vorbei mit der Romantik. Als die beiden in einem Fastfood-Restaurant im Einkaufscenter Sarahs 45. Geburtstag feiern und Ben scherzhaft sagt, sie würde sowieso niemanden neues mehr finden, trifft Sarah einen folgenschweren Entschluss. Beide wetten miteinander, dass sie innerhalb von drei Monaten mehrere One Nigh Stands haben können. Liebesbeziehungen und Romanzen sind aber tabu, denn eigentlich lieben sich die beiden ja und sind glücklich miteinander. Aber kann eine solche Auszeit gut gehen?

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist für mich ein absoluter Eyecatcher und gefällt mir wirklich total gut. Es ist originell gestaltet und man erkennt sofort, dass es ein Buch aus dem Atlantik Verlag ist. Das Zusammenspiel des leuchtend roten Ballons mit dem blauen Himmel, den Umrissen des Pärchens und der geschwungenen Schrift trifft absolut meinen Geschmack und hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht.


Meine Meinung:

Wetten, dass wir uns lieben? ist aus dem aktuellen Programm des Atlantik Verlags, ein noch kleiner, aber sehr feiner Verlag, den ich auf der Frankfurter Buchmesse für mich entdeckt habe. Orna Landaus Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich im Vorfeld schon einmal ganz herzlich bedanken möchte.

Die Idee, eine etwas eingerostete Ehe mit einer absurden Wette aufzupeppen und dadurch als Paar wieder zueinander zu finden, fand ich von vornherein sehr originell und interessant. Die Ausgangssituation ist eben die, dass die nun 45-jährige Sarah das Gefühl hat, ihr Mann Ben halte sie für selbstverständlich und begehrenswert wäre sie ohnehin nicht mehr. Das (man muss es so sagen) Trampeltier Ben bestätigt ihr das auch noch und so kommt es, dass die beiden sich gegenseitig hochschaukeln und schließlich darum wetten, wer von ihnen die meisten Männer bzw. Frauen herumkriegen kann. Eine absolut bescheuerte Idee, wie den beiden durchaus klar ist - aber keiner hat den Mumm, das dem anderen einzugestehen und so gehen sie (anfangs) zähneknirschend ihrer Wege.

Die Ausgangssituation hat mir wirklich gut gefallen und auch die Charaktere, die in ihrer teilweise überspitzten Klischeehaftigkeit gleichermaßen authentisch, liebenswert und auch ein bisschen tragisch sind, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Allerdings fiel mir der Einstieg in die Geschichte trotz allem etwas schwer, die Handlung konnte mich zu Beginn nicht so richtig packen. Ich denke, das liegt an Landaus etwas gewöhnungsbedürftigem, aber auch erfrischend direktem und ehrlichem Schreibstil, mit dem ich erst einmal warm werden musste. Nach der Aufwärmphase von etwa 60 Seiten hat er mir aber wirklich gut gefallen, denn durch ihn erzeugt Landau den Eindruck, es wären tatsächlich die Midlifecrisis-Geplagten Eheleute, die die Geschichte erzählen. 


Geschildert werden die Ereignisse nämlich mal aus Sarahs und mal aus Bens Sicht. So gewinnt man irgendwie beide Charaktere lieb und schlägt sich nicht auf die Seite des einen oder des anderen. Zumindest anfangs nicht. Die Handlung hält nämlich einige unvorhersehbare Twists bereit und sowohl Sarah als auch Ben tun Dinge, die sie jeweils ziemlich unsympathisch und vielleicht auch ganz schön verzweifelt wirken lassen. Aber genau das sind sie ja auch irgendwie und macht sie nur noch authentischer, denn was wäre eine verworrene Liebegeschichte ohne Fettnäpfchen, Fauxpas und absolute No Gos?

Eine skurrile Situation folgt auf die andere. So habe ich mehrmals über Bens absolut missglückte Dates oder Sarahs bis auf die Spitze getriebene Suche nach Bestätigung schmunzeln können. Wirkt Ben anfangs ein wenig chauvinistisch, selbstgefällig und auf jeden Fall selbstbewusst, macht ihn die Wette zu einem fast schon weinerlichen und bedauernswerten Würmchen, das erst eine Lektion gebraucht hat, um zu erkennen, was er an seiner Frau hat. Sarah hingegen verwandelt sich von der unsicheren, genügsamen Ehefrau zu einem toughen und selbstbewussten Menschen. Ein wunderbarer Gegensatz, der die Handlung spannend und temporeich macht. 


Trotz des Perspektivwechsels war mir Sarah insgesamt doch sympathischer, denn Ben hat vor allem gegen Ende des Romans gewisse Momente, die ihn in meinen Augen zu einem absoluten Mistkerl machen, der Sarah nicht verdient hat. Ich will natürlich nichts genaues verraten, aber mit diesem weiteren Twist hat Landau mich komplett überrascht und absolut mitgerissen, denn ich hatte beim Lesen teilweise das Bedürfnis, Ben eine runterzuhauen oder ihn zumindest stark zu schütteln. Sein Verhalten war für mich vor allem gegen Ende weniger nachvollziehbar als das von Sarah, aber vermutlich liegt das daran, dass ich auch eine Frau bin und auch so mein ganz persönliches Männerbild habe. Noch einmal überrascht wurde ich dann auch von dem Ende, das vielleicht einen Ticken zu unrealistisch (zumindest nach meiner Vorstellung), aber wieder sehr originell und großartig gestaltet ist.

Insgesamt ist Orna Landaus Roman eine ehrliche und schonungslose Auseinandersetzung mit der Institution Ehe und damit, welche Anstrengungen und Probleme mit einer Langzeitbeziehung verbunden sind. Er ist das Porträt eines im Alltagstrott gefangenen Paares, das erst das Leben ohne einander kennenlernen muss, um wieder zueinander zu finden. Mit dem Mix aus berührend, urkomisch, skurril, witzig und knallhart ehrlich hat Landau ein Buch geschrieben, das ebenso kurzweilig und unterhaltsam wie klug, gewitzt und tiefgründig ist. Eine wirklich außerordentlich gute Kombination!



Mein Fazit:

Der Einstieg in Orna Landaus rasante Geschichte um ein Paar, das seine Beziehung aufs Spiel setzt, um wieder zueinander zu finden, fiel mir nicht leicht. Nach einer Weile aber hat Wetten, dass wir uns lieben? mich komplett mitgerissen, die skurrile, originelle Liebesgeschichte von Sarah und Ben mich großartig unterhalten. Schonungslos rechnet Landau mit der klassischen Institution Ehe ab und zeigt auf unheimlich gewitzte und kluge Weise, dass der ein oder andere Seitensprung nicht zwangsläufig das Ende einer Beziehung sein muss - oder doch? Bis Zum Ende konnte ich jedenfalls nicht sagen, wie die Geschichte ausgeht: Ein weiterer Punkt, der Wetten, dass wir uns lieben? zu einem sehr unterhaltsamen, etwas anderen, aber auf jeden Fall lesenswerten Buch macht. Mich haben die wunderbar verworrene Story, der herrlich direkte Erzählstil und die authentischen Charaktere jedenfalls überzeugt.


2 Kommentare:

Lottasbuecher hat gesagt…

Hallöchen liebe Svenja,
das Buch muss ich auch ganz dringend noch lesen! :D Ich habe es schon zu Hause und bin auch sehr gespannt drauf, weil ich noch keine Rezension gelesen habe, die in Richtung negativ ging! Das ist schon mal ziemlich ziemlich gut. Ich bin gespannt auf die Art der Geschichte und ich glaube, dass ich mich nicht auf so etwas einlassen könnte. o:

Liebst, Lotta

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Lotta :)
Ich könnte mich definitiv auch nicht auf eine solche Wette einlassen. Aber das "Was wäre, wenn.." ist schon eine witzige Vorstellung :P

Liebe Grüße
Svenja

Kommentar veröffentlichen