Dienstag, 12. April 2016

REZENSION: "Und ein ganzes Jahr" (Gayle Forman)

Copyright FJB Verlag



Titel: Und ein ganzes Jahr
Autor: Gayle Forman
Genre: Liebesroman
Verlag: S. Fischer - FJB
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 368
ISBN: 978-3841421074




Inhalt:

Auch für Willem war dieser eine Tag in Paris etwas ganz Besonderes und Allysons Verschwinden ein großer Schlag für ihn. Nachdem Willem nach Holland und erst einmal auch zu seinen alten Verhaltensweisen zurückgekehrt ist, wird ihm klar, dass Allyson, die er unter dem Namen Lulu kennt, ihm wirklich etwas bedeutet und dass er sie suchen muss. Doch wo soll man damit anfangen, wenn man nicht einmal den richtigen Namen des Mädchens kennt, das man liebt? Willem reist durch die Welt und beschließt, dass der Zufall ihn und Lulu irgendwann wieder zusammenführen wird - wenn es den beiden denn so vorherbestimmt ist...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir genauso gut wie das des ersten Teils, auch wenn das Blau für Willems Geschichte vielleicht einen Ticken zu stereotypisch ist. Andererseits erkennt man so direkt, dass es in dem Buch um den männlichen Protagonisten geht. Besonders toll ist natürlich, dass das zerbrochene Herz sich mit dem des ersten Bandes zusammenfügt. Ich liebe diese Covergestaltung!

Meine Meinung:

Nachdem mich Gayle Forman mit Nur ein Tag relativ unzufrieden zurückgelassen hat, da man am Ende nicht erfährt, wie das Ganze nun wirklich ausgeht, habe ich umso begeisterter zum zweiten Band Und ein ganzes Jahr gegriffen. Wie ich es mir schon anhand der Covergestaltung und des Klappentextes gedacht hatte, geht es darin nun um Willems Geschichte, was ich allerdings irgendwie ein bisschen schade fand, da mir Allyson so sehr ans Herz gewachsen war.

Und ein ganzes Jahr wird also aus Willems Sicht erzählt, die Geschichte setzt an dem Morgen in Paris ein, an dem Willem spurlos und scheinbar für immer aus Allysons Leben verschwindet. Es stellt sich heraus, dass Willem tatsächlich etwas zugestoßen ist und er mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus aufwacht. Ein bisschen schade finde ich es, dass man nur erfährt, dass Willem wohl von den Skinheads, die Allyson am Tag zuvor mit einem Buch angegriffen hatte, attackiert wurde, aber nicht, wie es zu dieser Begegnung kommt und wie sie genau abläuft. Allerdings liegt das vermutlich daran, dass Willem sich kaum erinnern kann und man auch hier nicht mehr und nicht weniger weiß als der Protagonist.

Nach dem Vorfall in Paris folgt der Leser Willem zurück nach Amsterdam und von dort aus an verschiedene Orte der Welt, zum Beispiel nach Mexiko, wo er nach Allyson bzw. Lulu sucht, und nach Indien, wo seine Mutter lebt. Nachdem man in Nur ein Tag erfahren hat, wie das Jahr nach dem Tag in Paris für Allyson lief, ist nun sozuagen Willem an der Reihe. Ich hatte gehofft, dass das Buch nicht noch einmal die Geschichte des ganzen Jahres erzählt, sondern irgendwie mehr Bezug nimmt auf das, was danach passiert. Doch hier wurde ich enttäuscht. Es geht wieder um die Suche nach der anderen Person (denn auch Willem versucht, Allyson zu finden). Es geht wieder um die Suche nach sich selbst und darum, wie dieser eine Tag mit Allyson in Paris Willems Leben von grundauf verändert hat. Es geht wieder um Shakespeare, der auch Willem irgendwie mit Allyson verbindet.

Willem ist durchaus ein sympathischer Charakter, seine Geschichte durchaus interessant und streckenweise auch spannend. Und trotzdem hat mich sein Jahr nicht in dem Maße mitgerissen, wie es bei Allysons Erlebnissen der Fall war. Obwohl auch Willem in diesem einen Jahr viel erlebt hat und vor allem viel herumgekommen ist, konnte mich das Ganze einfach nicht wirklich packen. Es zog sich einfach in die Länge und man hat von Anfang an der lang ersehnten Begegnung zwischen Willem und Allyson entgegengefiebert. 

Es wird zwar auch deutlich, dass Willem Allyson in irgendeiner Weise liebt, dass er sich nach ihr sehnt und dass er sie nicht vergessen kann, aber er verzehrt sich bei Weitem nicht so sehr nach ihr wie sie nach ihm. Wieder habe ich mich außerdem gefragt, wie es kommt, dass Willem sich so sehr an die Erinnerung an Allyson klammert, obwohl er sie ja kaum kennt. Später erfährt man, dass seine Beziehung zu Allyson die Beziehung zwischen seinen Eltern wiederspiegelt. Ein sehr romantischer Gedanke, der berührt. Ich fand es auch schön, dass Willem sich nach langer Sendepause wieder seiner Mutter annähert und den Tod seines Vaters Stück für Stück verarbeiten kann. Irgendwie scheint der Gedanke an Lulu ihm zu helfen und ihn durchs Leben zu führen. Willem wird klar, dass er nicht ewig der ratslose Weltenbummler und Womanizer bleiben kann.

Verrückt gemacht hat es mich, dass Willem und Allyson manchmal so dicht dran sind, sich wiederzutreffen und dann doch stets aneinander vorbeilaufen. Das macht einen beim Lesen wirklich wahnsinnig und man möchte rufen: Dreh dich doch mal um, Mensch! Hier fehlte mir allerdings etwas die Originalität, die ja den ersten Band des Roman-Duos ausmacht. Dass sich Willem und Allyson ständig verpassen, macht die Geschichte nicht spannender, sondern irgendwie beliebiger und ich war teilweise ziemlich genervt. 

Formans wie gewohnt träumerischer und wunderbar leichter Erzählstil lässt einen trotzdem nur so durch die Seiten fliegen, aber ich hatte mir einfach viel mehr erhofft. Wie gesagt, Willem ist ein sympathischer Charakter, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass im Folgeband nun noch einmal komplett das ganze Jahr aus seiner Sicht durchgekaut wird und die physische Beziehung zu Allyson so wenig Raum bekommt. Dahinter steckt zwar auch wieder eine bedeutende Symbolik (Willem und Allyson sind eben vor allem im Geist miteinander verbunden und beeinflussen das Leben des jeweils anderen, auch wenn sie abwesend sind), aber mein nach Romantik lechzendes Herz wollte schlicht und ergreifend mehr. Das Ende war genauso oberflächlich und offen wie das des ersten Teils und das hat mich dann wirklich ziemlich enttäuscht. Schade.


Mein Fazit:

Auch Und ein ganzes Jahr ist ein durchaus berührender Roman von der Liebe zu einem anderen Menschen, der Liebe zu sich selbst und von Zufällen, die unser Leben bestimmen - Halt, habe ich das so ähnlich nicht schon einmal geschrieben? Genau - denn der zweite Teil von Gayle Formans Roman-Duo folgt genau dem gleichen Schema wie der erste und ist deswegen leider weniger mitreißend, überraschend und spannend. Klar ist es eine gute Idee, zu zeigen, wie auch Willem dieser eine Tag in Paris beeinflusst hat. Aber ganz ehrlich, ich wollte einfach mehr über die Liebesgeschichte lesen, ich wollte nicht noch einmal eine erfolglose Spurensuche, ich wollte ein fulminantes Ende, das zu Herzen geht und mich komplett zufriedenstellt. All das hat mir Und ein ganzes Jahr leider nicht gegeben und ich bin deswegen etwas enttäuscht. Lesenswert ist das Buch aber auf jeden Fall, besonders, wenn man den ersten Teil gemocht hat.


      
Die Reihe:

1. Band: Nur ein Tag
2. Band: Und ein ganzes Jahr

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen