Donnerstag, 28. April 2016

REZENSION: "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" (Jojo Moyes)

Copyright Rowohlt Verlag


Titel: Über uns der Himmel, unter uns das Meer
Autor: Jojo Moyes
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 512
ISBN: 978-3499267338




Inhalt:

Australien, 1946: Zahlreiche australische Frauen haben noch während des Krieges britische Offiziere geheiratet. Mehr als 600 von ihnen gehen im Juni an Bord des Flugzeugträgers HMS Victoria, der sie nach Großbritannien und zu ihren Ehemännern bringen soll. Unter ihnen sind auch die quirlige Jean, die hochschwangere Maggie und die wohl erzogene Avice, die sich mit der geheimnisvollen Krankenschwester Frances eine Kabine teilen müssen. Frances gibt sich stets zurückhaltend und verschlossen - nur in dem vor ihrer Kabine stationierten Offizier findet sie einen Seelenverwandten. Doch ausgerechnet auf hoher See holt Frances ihr so gut gehütetes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit ein...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist - wie alle Cover von Jojo Moyes' Romanen - wieder einmal traumhaft schön, romantisch und stimmungsvoll. Ich liebe den Farbton, den weiten Sternenhimmel, das leicht wogende Meer und das Mädchen, das mit dem Gesicht zur Reling steht und so hervorragend die Titelheldin Frances verkörpert.

Meine Meinung:

Auf einen neuen Roman aus der Feder einer meiner Lieblingsautorinnen, Jojo Moyes, warte ich ja immer besonders sehnsüchtig. "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" musste allerdings seit Ende Februar in meinem Regal ausharren, bis ich endlich die Zeit fand, es zu lesen.

Von Anfang an hat mich Jojo Moyes mit ihrem unvergleichlichen, eindringlichen und wahnsinnig detailreichen Erzählstil wieder einmal in ihren Bann gezogen und mich in eine völlig andere Welt hineingeworfen. Ihre Worte erzählen wieder eine sehr berührende Geschichte, diesmal sogar eine persönliche, denn tatsächlich war Jojo Moyes' eigene Großmutter eine der sogenannten Kriegsbräute, die 1946 auf der HMS Victorious (wie das Schiff eigentlich hieß) nach England und in ein neues Leben mit ihrem britischen Ehemann reiste. Man spürt beim Lesen ganz deutlich, dass dieses Thema der Autorin besonders am Herzen liegt und sie hat es mit einer Hingabe umgesetzt, die mich wieder einmal absolut beeindruckt hat.

Entgegen meine Erwartungen (ich ging davon aus, dass die im Klappentext genannte Frances die Hauptperson sei) hat "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" gleich vier grundverschiedene Protagonistinnen, die sich unter normalen Umständen sicherlich niemals angefreundet hätten, sich auf der HMS Victoria jedoch eine Kabine teilen und sich sozusagen gezwungenermaßen näherkommen: Die hochschwangere Bauerstochter Maggie, die blutjunge und ziemlich ungestüme Jean, die wohl erzogene und sehr auf ihr Ansehen bedachte Avice und natürlich die Krankenschwester Frances, die sich nach außen hin sehr verschlossen gibt und ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, um in England ein neues Leben zu beginnen.

Jedes der vier Mädchen hat auf seine ganz eigene Weise mit der beschwerlichen Reise zu kämpfen und - wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt - auch ihr eigenes Päckchen zu tragen. An den Schicksalen von Maggie und Jean habe ich beim Lesen besonders Anteil genommen, habe Maggie für ihre resolute, pragmatische Art und ihre Stärke bewundert und hatte Mitleid mit der gerade einmal 16-jährigen Jean, die in ihrem Ehemann das erste Mal jemanden gefunden hat, der sie liebt und achtet und die mit der neuen Situation offensichtlich sehr überfordert ist. Mit Avice bin ich bis zum Ende allerdings nicht warm geworden, denn sie war mir von Anfang an unsympathisch und hat mich mit ihrer überheblichen, selbstgefälligen Art ein ums andere Mal tierisch aufgeregt. Sie ist offensichtlich am unzufriedensten mit ihren Zimmergenossinnen und lässt keine Gelegenheit aus, das auch lauthals kundzutun. Dennoch tat sie mir am Ende irgendwie leid, denn schließlich war sie auch immer diejenige, die am tiefsten fallen konnte.

Frances war mir eigentlich die meiste Zeit über ein Rätsel. Ihre Geschichte wird erst Stück für Stück entwirrt und hat mich am Ende ziemlich betroffen gemacht. Aufgrund dessen, was sie bereits in jungen Jahren erlebt hat, wurde ihre zurückhaltende und verschlossene Art zwar absolut einleuchtend und nachvollziehbar, einen richtigen Zugang zu ihr hatte ich trotzdem irgendwie nicht. Auch ihr Anbandeln mit dem Offizier, der vor ihrer Kabinentür als Wachposten eingesetzt ist, war mir dann doch etwas zu unaufdringlich und zart. Man merkt eigentlich kaum, dass da etwas ist, und ich hatte wenn nicht eine große, aber zumindest eine berührendere und packendere Liebesgeschichte erwartet.

Die verschiedenen Schicksale der Menschen, die auf der HMS Victoria nach Großbritannien reisen, haben mich aber insgesamt sehr berührt und wirkten auf mich ausgesprochen authentisch. Man merkt dem Roman an, dass Jojo Moyes gründlich recherchiert und viel Wert auf historische Genauigkeit gelegt hat, was ihm jedoch keineswegs den Zauber nimmt - ganz im Gegenteil. Die Geschichte gibt einen umfassenden und sehr interessanten Einblick in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und beleuchtet ein Thema, das ich bisher gar nicht auf dem Schirm hatte. Für mich die perfekte Mischung aus Fiktionalität und Fakten.

Dabei konzentriert sich Moyes aber nicht nur auf die vier Mädchen, sondern auch auf andere Personen wie beispielsweise ihre Familien und Ehemänner, den Kapitän des Schiffes und Frances' Offizier. Einerseits finde ich diese allumfassende Sichtweise sehr informativ und dynamisch, andererseits waren mir die Perspektivwechsel manchmal etwas zu abrupt und haben für meinen Geschmack etwas Spannung aus der Geschichte genommen. Über die ein oder andere Person hätte ich einfach gerne etwas mehr erfahren und dafür etwas weniger über eine andere. Mitgerissen hat mich der Roman aber trotzdem absolut.

Meine Meinung:

"Über uns der Himmel, unter uns das Meer" ist vermutlich Jojo Moyes' persönlichster Roman, indem sie darin das Schicksal ihrer eigenen Großmutter als australische Kriegsbraut aufarbeitet. Wieder einmal erzählt Moyes darin auf gewohnt einfühlsame Art eine berührende Geschichte und verbindet die verschiedensten Schicksale und Geschichten gekonnt miteinander. Allerdings haben mich die vielen Perspektivwechsel manchmal etwas gestört und konnte mich die angekündigte Liebesgeschichte nicht ganz so packen, wie ich es erwartet hatte. Dennoch: "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" hat mir einige wundervolle Lesestunden beschert und ist auf jeden Fall ein echter Moyes.



2 Kommentare:

Lottasbuecher hat gesagt…

Hallöchen Svenja und huiii
hier hat sich was verändert! :D Ich hab mich eben schon gefragt, ob ich dem Blog schon immer folge. :D Nett sieht es hier aus. :) Schön schön.
Ich glaube auch, dass das Buch richtig schön ist, vor allem weil es so authentisch ist. Ich habe es zwar selber nicht gelesen, aber ich bin davon überzeugt, dass es gut geschrieben ist. Vielleicht packt es mich irgendwann mal und dann werde ich es auch lesen. :)

Liebst, Lotta

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Lotta :)

Ja, wir dachten, wir bauen mal ein bisschen um. Das alte Layout ist uns mit der Zeit ganz schön auf den Senkel gegangen :D Freut uns, dass dir das neue Outfit gefällt :)

Das Buch lohnt sich auch auf jeden Fall und wer Jojo Moyes so sehr liebt wie ich, für den ist es sowieso ein Muss :)

Liebe Grüße
Svenja

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