Samstag, 9. April 2016

REZENSION: "Nur ein Tag" (Gayle Forman)

Copyright FJB Verlag



Titel: Nur ein Tag
Autor: Gayle Forman
Genre: Liebesroman
Verlag: S. Fischer - FJB
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 432
ISBN: 978-3841421067




Inhalt:

Die 18-jährige Allyson ist der Inbegriff des braven Mädchens: Gehorcht ihren Eltern, hält sich an die Regeln, handelt verantwortungsbewusst und tanzt niemals aus der Reihe. Bis sie gegen Ende ihrer Europareise den mysteriösen Schauspieler Willem trifft. Willem lädt sie ein, einen Tag mit ihm in Paris zu verbringen und ohne groß darüber nachzudenken sagt Allyson zu und stürzt sich in das bis dahin größte Abenteuer ihres Lebens. Zwischen ihr und Willem funkt es sofort und schon nach wenigen Studen in der Stadt der Liebe kommen sie sich näher. Doch am nächsten Morgen ist alles anders: Willem ist fort und Allyson spürt, dass sie irgendwie nicht mehr dasselbe Mädchen ist wie vor diesem einen verrückten Tag in Paris...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist so wunder-, wunderschön - ich liebe es! Besonders toll ist natürlich, dass es erst in Verbindung mit dem zweiten Teil ein Ganzes gibt und sich erst, wenn man die beiden Bücher nebeneinanderstellt / -legt, das zerbrochene Herz zusammenfügt. Eine wirklich grandiose Idee.


Meine Meinung:

Für Nur ein Tag und die zeitgleich erschienene Fortsetzung Und ein ganzes Jahr von Gayle Forman wurde ja zuletzt ganz schön die Werbetrommel gerührt. Und da mir schon Wenn ich bleibe und Nur diese eine Nacht unheimlich gut gefallen haben, konnte ich mir die beiden neuesten Liebesromane der Bestsellerautorin nicht entgehen lassen.

Die Geschichte von Nur ein Tag klingt erst einmal zauberhaft, beinahe magisch und natürlich furchtbar romantisch: Zufällig trifft ein junges Mädchen in einer fremden Stadt einen charismatischen, gutaussehenden Schauspieler, der es einlädt, mit ihm zusammen nach Paris zu fahren - für einen einzigen Tag. Genauso fängt nämlich die Geschichte von Allyson und Willem, den Protagonisten in Gayle Formans neuem Roman, an. Eine Ausgangssituation, die von vornherein fasziniert und berührt. So ging es auch mir.

Allerdings hat mich die Liebesgeschichte am Anfang nicht so richtig packen können. Natürlich entwickelte sich die Liebe zwischen Allyson und Willem in rasanter Geschwindigkeit, denn schließlich geht es nur um einen einzigen Tag. Das Ganze wirkt unheimlich surreal und ideal und wenn man nicht unbedingt an Liebe auf den ersten Blick glaubt, kommt es nicht so richtig bei einem an. Man kann es irgendwie nicht ganz nachvollziehen. Besonders Willem blieb für mich ein undurchsichtiger Charakter: Ist er einfach nur ein gewiefter Womanizer, der eine weitere Trophäe in Gestalt eines hübschen Mädchens sammeln will? Oder sieht er tatsächlich etwas in Allyson, das sie selbst nicht sehen kann? Auch wenn mich Willems Undurchsichtigkeit ein wenig gestört hat, so ist es aber genau das, was auch Allyson sich fragt: Man sieht Willem durch ihre Augen, man weiß nicht mehr und nicht weniger als das, was sie weiß. Und das macht das Ganze natürlich auf der anderen Seite auch ziemlich spannend.

Erst einmal war mir Allysons "Obsession" für Willem und ihre tiefe Trauer, als er nach dieser einen gemeinsam verbrachten Nacht in Paris plötzlich verschwindet, ein Rätsel. Es war für mich nicht nachvollziehbar, wie man innerhalb eines einzigen Tages sein Herz derartig an jemand (fast) völlig Fremden verlieren kann. Ab der Mitte des Romans etwa ergibt das alles aber einen Sinn, denn man erkennt, dass Willem viel mehr ist als nur der gutaussehende Weltenbummler: Er verkörpert Allysons Chance, aus ihrem geregelten, eintönigen Leben, das sie, wie ihr später klar wird, gar nicht führen will, auszubrechen. Ein anderer Mensch zu sein, sich selbst zu finden. Somit ist ihre Beziehung tatsächlich etwas Tieferes, Magischeres als nur eine Liaison, zumindest für Allyson. Diese Symbolkraft hat mich unheimlich beeindruckt.

Was mir auch sehr gut gefallen hat: Allyson lernt Willem als Schauspieler in einer Shakespeare-Inszenierung kennen und zwar (genau) in Stratford upon Avon. Später ist es ein Shakespeare-Kurs am College, der Allyson wieder zurück ins Leben holt. Shakespeare, seine Worte und seine Stücke ziehen sich als roter Faden durch die ganze Geschichte - sie sind die unsichtbare Verbindung zwischen Allyson und Willem. Ein unglaublich romantischer Gedanke. Ebenso symbolträchtig ist aber auch Allysons Suche nach ihrer verlorenen Liebe Willem, denn es ist nicht nur die Suche nach dem Jungen, in den sie sich in Paris verliebt hat, sondern auch die Suche nach sich selbst und nach dem Menschen, der sie wirklich sein will. 


Ich hatte nicht damit gerechnet, aber etwa ab der Mitte des Romans wird die Geschichte zu einer spannenden Spurensuche. Allyson folgt jedem Brotkrumen, hat neue Freunde an ihrer Seite und wird von der unmöglich erscheinenden Aufgabe, Willem zu finden, aus ihrer Lethargie gerissen, woraus sie eine ungeheure Kraft schöpft. Sie wird vom schüchternen Mädchen, der perfekten Tochter, dem ewigen Ja-Sager zu einer selbstbewussten, offenen und zielstrebigen jungen Frau, die dafür kämpft, ihre Ziele zu erreichen. Sie entwickelt sich auf äußerst bemerkenswerte Weise weiter, was ebenfalls beweist, wie stark Liebe sein und was sie in uns bewirken kann. Wie sie sich auf unser gesamtes Leben auswirkt. Und wie sie uns zeigt, wer wir wirklich sind.


Obwohl Willem selbst im Roman keine so große Rolle spielt wie erwartet (also was die Anwesenheit angeht), hat mich das später überhaupt nicht mehr gestört. Er ist eher eine Art Lebenskonzept, nach dem Allyson strebt. Er steht symbolisch für den Menschen, der sie gerne sein will und der sie (noch) nicht ist. Deshalb ist es für sie auch so wichtig, ihn zu finden. Denn findet sie ihn nicht, kann sie auch nicht zu sich selbst finden. Etwas so Tiefgründiges hatte ich ehrlich gesagt gar nicht erwartet und war absolut positiv überrascht. Denn eine seichte Teenie-Liebesgeschichte ist Nur ein Tag ganz und gar nicht. 


Vielmehr ist Gayle Formans neuester Roman eine außergewöhnliche, tief berührende und inspirierende Geschichte von der Liebe zu einem anderen Menschen, aber auch von der Liebe zu sich selbst. Dieses originelle und fesselnde Konzept und Formans einzigartiger, mitreißender Erzählstil sorgen dafür, dass man den Roman (vor allem gegen Ende) nicht mehr aus der Hand legen will bzw. kann. Ich bin immer noch total geflasht und brenne nun auf den zweiten Teil, der Gott sei Dank schon bereit liegt.



Mein Lieblingszitat:


"Wir werden an einem Tag geboren. Wir sterben an einem Tag. Wir können uns an einem Tag verändern. Und wir können uns an einem Tag verlieben. Alles kann passieren an einem einzigen Tag." (S. 152)

Mein Fazit:

Berührend, magisch, mitreißend, faszinierend, bemerkenswert - mir fallen so viele Worte ein, mit denen ich Gayle Formans neuen Roman Nur ein Tag beschreiben könnte. Und sie wären nicht zu euphorisch, abgedreht oder übertrieben, denn die Geschichte ist etwas völlig anderes, als ich erwartet hatte. Kein 08/15 Teenie-Liebe-Gequarke, sondern eine tiefgründige Geschichte über die Liebe auf den ersten Blick, darüber, wie eine zufällige Begegnung unser ganzes Leben bestimmt, und über die Liebe zu sich selbst. Auch wenn die Gefühle zu Beginn nicht wirklich bei mir ankamen, hat sich die Geschichte, hat sich die Protagonistin Allyson am Ende in eine derart andere, unerwartete Richtung entwickelt, dass ich den Roman einfach nur bemerkenswert und großartig finden kann. Und ich gebe euch einen Tipp: Lest ihn nicht, ohne den zweiten Teil parat zu haben.


    
Die Reihe:

1. Band: Nur ein Tag
2. Band: Und ein ganzes Jahr

2 Kommentare:

Nadine Reich hat gesagt…

Hallöchen :)

Mensch, ich habe jetzt schon so viel von dem Buch gehört. Vielleicht muss ich es mir wirklich mal holen :D Schöne Rezension♥

Liebste Grüße,
Nadine♥

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu :)

Dankeschön :-* Das Buch ist wirklich toll, ich kann es nur empfehlen :)

Liebe Grüße
Svenja

Kommentar veröffentlichen