Dienstag, 26. April 2016

REZENSION: "Ein Mann wie Mr. Darcy" (Alexandra Potter)

Copyright Goldmann Verlag



Titel: Ein Mann wie Mr. Darcy
Autor: Alexandra Potter
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2008
Format: Taschenbuch (8,95€)
Seiten: 416
ISBN: 978-3-442-46503-3




Inhalt

Die junge Amerikanerin Emily Albright hat die Schnauze voll vom Daten. Wo sind sie nur alle hin: die anständigen, höflichen Männer, die ihre Leidenschaft zügeln können und nicht bei der ersten Verabredung gleich auf's Ganze gehen? All diese Eigenschaften findet sie nur in einem Mann: Mr. Darcy, dem romantischen Held aus Stolz und Vorurteil. Als sie ihm bei einer Literaturreise durch England leibhaftig gegenübersteht, kann sie ihr Glück kaum fassen! Endlich hat sie ihn gefunden: den Helden ihrer Fantasie, dem Typen wie der ungepflegte Journalist Spike einfach nicht das Wasser reichen können. Aber ist er wirklich so zauberhaft und strahlend wie in ihren Träumen?

Cover

Die Optik mag ich in der Tat ganz gerne. Es ist zwar nicht herausragend, aber es schmerzt wenigstens nicht in den Augen. Auch dass nicht übertrieben Referenzen zu Stolz und Vorurteil oder Jane Austen hergestellt wurden, gefällt mir soweit.


Meine Meinung

Zunächst einmal finde ich den Gedanken von einer Literaturreise auf den Spuren von Jane Austen traumhaft schön. Ich liebe ihre Romane, ich liebe Großbritannien und ich liebe Briten. Ich würde also selbst sehr gerne mal so eine Reise unternehmen und daher war für mich klar, dass ich diesen Roman unbedingt lesen wollte. Auch Emilys Verehrung für Mr. Darcy kann ich absolut nachvollziehen, da ich immer etwas für grantige, mysteriöse Männer übrig habe. Auch wenn er mir öfter zu steif erscheint, so liebe ich doch die Wortgefechte, die er sich mit Elizabeth liefert und mir gefällt es, wenn er seine Maske fallen und er seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Aber eben dieses Knistern und die Leidenschaft habe ich zwischen Emily und Spike vermisst.
Im Großen und Ganzen war ich eigentlich mit der Protagonistin Emily zufrieden. Sie ist durch ihre Bodenständigkeit das nette Mädchen von Nebenan mit einem gewissen Sinn für Humor (der aber manchmal vom rechten Weg abkommt). Mit ihrer schieren Blindheit kam ich allerdings überhaupt nicht klar. Die Parallelen zwischen der Storyline und Stolz und Vorurteil waren so offensichtlich, dass man nicht mehr nur von einem "Wink mit dem Zaunspfahl" sprechen kann. Es war eher eine komplette Mauer, bei der einem die Autorin auch noch permanent Steine hinterhergeworfen hat. Man konnte die Zeichen einfach nicht übersehen, selbst wenn man den Austen-Roman nicht gelesen hat. Denn unmittelbar vor oder nach einer bestimmten Szene wurde die entsprechende Passage aus Stolz und Vorurteil zitiert und sogar von Emily kommentiert. Deshalb konnte ich über sie und ihre Reaktion meistens nur den Kopf schütteln. Außerdem finde ich, dass es mir ein wenig den Spaß am Lesen genommen hat. Ich musste gar nicht groß rätseln, wer das Pendant zur jeweiligen Austen-Figur war oder auf welche Szenen die Ereignisse nun anspielen sollten. Erst als ihr selbst allmählich zu dämmern kann, wie frappierend die Ähnlichkeiten sind, empfand ich sie nicht mehr so anstrengend. Auch diesen übernatürlichen Begegnungen mit Mr. Darcy konnte ich nicht viel abgewinnen. Für mein Befinden haben sie überhaupt nicht in das Gesamtbild gepasst. Abgesehen davon hatte ich bei den Schilderungen von Mr. Darcy nie das Gefühl, es würde sich um den Mann aus Stolz und Vorurteil handeln. Mehr als den Namen und einige Charaktereigenschaften teilen sie im Prinzip  nicht, denn sein Verhalten entsprach nicht dem seines literarischen Vorbilds. Auch einige Formulierungen, die ihm in den Mund gelegt wurden, klangen für mich nicht wirklich nach 19. Jahrhundert. Daran müsste man vielleicht etwas feilen.
Auf die Gefahr hin, oberflächlich zu klingen, aber wie Spikes' Äußeres (besonders am Anfang) geschildert wird, hat mir auch nicht so richtig gefallen. Ich erwarte (und will) keinen perfekten, mega-durchgestylten und durchtrainierten Märchenhelden, aber die abwertende Art, wie Emily über ihn spricht, färbt automatisch ab. Dadurch erscheint er ziemlich abstoßend, sodass ich öfter die Nase rümpfen musste. Zudem standen diese Beschreibungen dann auch immer im Widerspruch zu ihren Kommentaren à la "Aber trotzdem ist er irgendwie süß." Ja was denn nun?, hab ich dann immer gedacht. Entweder das eine oder das andere! Zum Schmachten hat dieses Hin und Her nun wahrlich nicht eingeladen. Ein weiteres Problem war, dass sich hier die großartige Liebe, die zwischen Elizabeth und Mr. Darcy über Monate hinweg gereift ist, zwischen Spike und Emily in nur einer Woche entwickeln muss. Das ist einfach zu kurz, um ihre Gefühle authentisch wirken zu lassen. Man muss den beiden allerdings zugutehalten, dass sie selbst in ihren "romantischen" Momenten weder schmalzig noch kitschig waren. Die Romanze zwischen Emilys bester Freundin Stella und Freddy hat mir insgesamt aber mehr zugesagt - und das obwohl sie fast gar nicht erwähnt wurde.
Trotz der herben Kritik am Handlungsstrang muss ich jedoch die Schreibweise selbst loben. Zwar neigt die Autorin zu mancherlei Übertreibungen, aber diese sind nötig, damit man die Geschichte nicht  (allzu) ernst nimmt. Daher ging das Lesen selbst doch recht flott vonstatten.  
Dass das Ende vorhersehbar ist, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen.

Fazit


Der Schuss ist irgendwie nach hinten losgegangen. Die Leidenschaft, der Witz und die verschiedenen Twists, die Stolz und Vorurteil ausmachen, fehlen in dieser Adaption fast völlig. Die Charaktere und die Handlung haben keinen Platz zu wachsen und zu gedeihen. Auch die Parallelen waren mir etwas zu offensichtlich. Ein bisschen Rätselspaß hätte mir doch vergönnt sein können, oder?


 

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