Montag, 18. April 2016

REZENSION: "Die Diamantkrieger-Saga 01 - Damirs Schwur" (Bettina Belitz)

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Titel: Die Diamantkrieger-Saga - Damirs Schwur
Autor: Bettina Belitz
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (17,99 €)
Seiten: 448
ISBN: 978-3570164174




Inhalt:

Um zu überleben und die Pflege ihrer schwerkranken Großmutter finanzieren zu können, stiehlt die 17-jährige Sara teuren Schmuck und verkauft ihn an einen der gefürchtetsten Dealer der Unterwelt - den brutalen und skrupellosen Kratos. Doch dabei ist Sara weitaus mehr als nur eine Diebin, sie nämlich kann Diamanten erspüren, ja sogar hören. Über diese Fähigkeit denkt sie nicht weiter nacht, bis sie in den Katakomben auf den geheimnisvollen Damir stößt. Sein Erscheinen bringt Sara völlig aus dem Konzept und setzt etwas in Gange, was sie nicht versteht: Einen Wandlungsprozess, der sie zur Diamantkriegerin machen soll. Doch auf welcher Seite will Sara überhaupt stehen? 

So gefällt mir das Cover:

Das Cover wirkt sehr stimmungsvoll, fantastisch und mystisch und passt deswegen natürlich wie die Faust aufs Auge zur Geschichte. Ich finde, für ein Fantasy-Cover ist es trotzdem angenehm reduziert und schlicht, was ich persönlich mehr mag als diese überladenen, farbenprächtigen Fantasy-Bilder.

Meine Meinung:

Hier kommt sie - meine fünfte Fantasy-Rezension und zwar zum Auftakt der Diamantkrieger-Saga von Bettina Belitz. Ich war sehr gespannt auf das Buch, weil ich mir eigentlich schon seit über einem Jahr vorgenommen hatte, endlich etwas von Bettina Belitz zu lesen und sie mittlerweile auch schon persönlich kennenlernen durfte. Entschieden habe ich mich deshalb für Die Diamantkrieger-Saga, weil es das neueste Buch aus der Feder von Bettina Belitz ist und ich tatsächlich mal wieder Lust auf Fantasy hatte. Also los:

Ehrlich gesagt, hatte ich anhand des Klappentextes keinen blassen Schimmer, was mich mit der Geschichte erwarten würde und ich denke, das war auch ganz gut so, denn so hatte ich auch keine Erwartungen und konnte ganz vorbehaltlos an Die Diamantkrieger-Saga herangehen. Von Beginn an erschafft Bettina Belitz in diesem Roman eine bedrückende, bedrohliche und teilweise sehr düstere Atmosphäre, mit der ich nicht gerechnet hatte und die mich sofort gefangen genommen hat. Das beginnt schon damit, dass die Protagonistin, die 17-jährige Sara, ein unvorstellbar schlimmes Verhältnis zu ihrer Mutter Jaga hat, die sie (gelinde gesagt) behandelt, wie den Dreck unter ihrem Fingernagel.

Ich war vor allem am Anfang regelrecht erschrocken angesichts der Art und Weise, wie Jaga mit ihrer Tochter umgeht, und konnte diese Frau einfach nicht verstehen. Als dann herauskommt, dass Sara gar nicht Jagas leibliche Tochter ist, ist nicht nur die Protagonistin erleichtert, sondern auch der Leser. Eine Blutsverwandtschaft mit dieser Frau? Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Und vor allem Sara nicht, die mir am Anfang zwar nicht unbedingt sympathisch war, die ich aber von vornherein sehr für ihre unerschrockene, abgeklärte Art bewundert habe. Sara ist tough, erschreckend selbstständig, nach außen hin selbstsicher und ungewöhnlich willensstark. Sie tut alles, was nötig ist, um zu überleben - koste es, was es wolle - und beweist dabei ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, unter welchen Bedingungen Sara bei Jaga aufgewachsen ist, erscheint es einem dabei aber absolut logisch und nachvollziehbar, dass sie zu so einem starken und unerschrockenden Menschen geworden ist - sie musste es einfach.

Und das ist ihr nun natürlich von Nutzen, vor allem im Umgang mit dem widerlichen, sadistisch veranlagten Kratos, mit dem Belitz einen weiteren ekelhaften Charakter geschaffen hat. Kratos erschien mir wie der Inbegriff des Teufels oder auch eine Art Dämon, was zum einen sicherlich an seiner brutalen Art und seinem Wirkungsbereich, der sogenannten Unterwelt in den Katakomben, liegt, zum anderen aber sicher auch daran, dass Kratos' Aussehen eher dürftig beschrieben wird. So bleibt er gesichtslos und wirkt irgendwie wie ein allgegenwärtiger, körperloser Schrecken - wie eine Horrorgestalt. Er ist für mich die Manifestation des Bösen - Folter, Drogen, Mord - er schreckt einfach vor nichts zurück. Überhaupt sind die Szenen, die in der Unterwelt spielen und in denen Sara in Kontakt mit Kratos tritt, ziemlich bedrohlich, noch düsterer und auch unerwartet hart und schonungslos. Drogen, Gewalt und Tod sind in den Katakomben allgegenwärtig und so fiebert man unentwegt mit Sara mit - die Spannung ist teilweise praktisch mit den Händen greifbar.

Eine Art Gegenpol zu Jaga und Kratos stellt der mysteriöse Damir dar, der urplötzlich auftaucht und etwas in Sara auszulösen scheint, das weder sie noch der Leser begreifen oder definieren kann. Sara scheint nach Damirs Auftauchen nach und nach die Kontrolle zu verlieren, fühlt sich gleichzeitig aber unerklärlicherweise zu ihm hingezogen. Was mir sehr gefallen hat, ist dass es hier keine kitschige, überzogene Liebesgeschichte gibt, sondern eher eine Art zartes Band, das Sara mit Damir verbindet. Man spürt schon, dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen, aber das findet auf einer höheren Ebene statt und scheint zu etwas viel Größerem zu gehören. Tatsächlich ist man, da die Geschichte aus Saras Perspektive erzählt wird, bis zum Schluss ganz bei ihr und vor allem genauso ratlos und verwirrt wie sie - vor allem, was Damirs Rolle und die der geheimnisvollen La Loba, mit der er zusammenarbeitet, angeht.

Die Handlung ist insgesamt sehr kryptisch, mysteriös und rätselhaft. Sara stößt auf eine Frage nach der anderen und nur wenige davon werden am Ende beantwortet, was mich persönlich aber gar nicht stört, denn ehrlich gesagt geht es mir in vielen anderen Fantasyromanen und auch Dystopien ein wenig zu schnell. Der Protagonist findet heraus, wer er ist bzw. welche verborgenen Fähigkeiten er besitzt und stürzt sich auch schon in den Kampf, der im zweiten Band dann in die zweite Runde geht. Bei Die Diamantkrieger-Saga verhält es sich ganz anders: Man begleitet Sara bei ihrer verwirrenden Reise, empfindet ebenso wie sie und bleibt genauso ratlos wie sie - bis zum Schluss. Man erlebt ihre Entwicklung sozusagen hautnah, es fühlt sich fast schon so an wie am eigenen Leib. Denn Bettina Belitz bildet den Prozess der Wandlung von der gewieften Diebin zur Diamantkriegerin Schritt für Schritt ab und während dieses Prozesses ist man die ganze Zeit ganz nah bei der Protagonistin, was mich wirklich gefesselt hat. Irgendwie ist das ein völlig anderer Ansatz und ich finde ihn grandios und originell.

Manchmal war mir die Handlung allerdings einen Ticken zu rasant und stürmisch und am Anfang habe ich mich auch immer wieder gefragt, wieso es Sara nicht weiter wundert, dass sie Diamanten hören kann. Doch irgendwann merkt man, dass es einfach zu ihrem Wesen dazugehört, dass es ein Stück ihrer Persönlichkeit ist und dass das der Grund ist, wieso sie es mittlerweile akzeptiert und als gegeben hingenommen hat. Trotzdem hätte ich darüber gerne auch schon im ersten Band der Saga mehr erfahren, denn es hätte mir Sara vielleicht noch ein bisschen näher gebracht. Was mir aber wieder gut gefallen hat: Die Grenzen zwischen der "normalen Welt" und der Fantasy-Welt scheinen in diesem Roman zu verwischen, sie sind fließend. Ab und an hatte ich zwar die Vermutung, dass die Katakomben eine Art Portal in eine Parallelwelt sind, tatsächlich aber ist nicht auszumachen, wo die reale Welt endet und die Fantasy-Welt beginnt. Überhaupt habe ich den Fantasy-Part als eher unaufdringlich und esoterisch empfunden - für einen Nicht-Fantasy-Fan wie mich ist das wirklich angenehm und erfrischend.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Schreibstil: Auch darauf war ich sehr gespannt, da die Meinungen ja auch hier ziemlich auseinandergehen. Ich muss sagen - ich liebe den Schreibstil von Bettina Belitz! Er ist eindringlich, fesselnd, direkt und auf eine wirklich positive Art und Weise außergewöhnlich und speziell. Mit ihren Worten hat sie eine düstere Welt erschaffen, die zumindest vor meinem geistigen Auge die ganze Zeit über präsent war und ich finde, das ist doch ein Zeichen dafür, dass der Erzählstil ein sehr bildlicher und vereinnahmender ist. Mir gefällt er wirklich unglaublich gut.


Mein Fazit:

Zugegeben: Nach der Lektüre des ersten Bandes von Bettina Belitz' Diamantkrieger-Saga habe ich immer noch keine wirkliche Ahnung, in welche Richtung das Ganze geht und was es mit den Diamantkriegern auf sich hat. Aber - das stört mich bei diesem Buch überhaupt nicht, denn dafür habe ich die toughe und unglaublich starke Sara auf ihrer verwirrenden Reise begleitet und war die ganze Zeit über so nah bei ihr, wie das bisher bei kaum einer anderen Protagonistin in einem Buch der Fall war. Die Atmosphäre ist düster und bedrohlich, die Handlung verworren und mystisch und die Charaktere sind authentisch und einzigartig. Auch wenn es mir teilweise einen Ticken zu rasant ging und ich gerne ein ganz kleines Bisschen mehr erfahren hätte, kann ich das Buch wirklich empfehlen und bin als eigentlich kompletter Fantasy-Verweigerer unheimlich gespannt darauf, wie es mit Sara und Damir weitergeht.



Die Reihe:

1. Band: Die Diamantkrieger-Saga - Damirs Schwur

...zwei weitere Bände folgen     
        

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