Sonntag, 24. April 2016

REZENSION: "Der Zirkus der Stille" (Peter Goldammer)

Copyright Atlantik Verlag


Titel: Der Zirkus der Stille
Autor: Peter Goldammer
Genre: Roman
Verlag: Atlantik / Hoffmann & Campe
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (20,00 €)
Seiten: 256
ISBN: 978-3455600438





Inhalt:

Thais Leblanc wird von ihrer Großmutter, der unvergleichlichen Madame Victoria, großgezogen und verabscheut das Zirkusleben. Mit 18 Jahren zieht sie deshalb nach Paris, wo sie eine Ausbildung in einem Brautmodengeschäft absolviert und von nun an ein geregeltes, normales Leben führt. Doch als Madame Victoria stirbt, wird Thais von ihrer Vergangenheit eingeholt: Ein merkwürdiges Testament führt sie zum wundersamen Cirque Perdu, einem kleinen Wanderzirkus, wo Thais lernt, sich ihren Ängsten zu stellen und ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist ein absoluter Traum. Ich liebe dieses Vintage-Zirkus-Thema in klassischem Rot-Weiß und die Illusion, als wären die Streifen in Bewegung. Für mich ist "Der Zirkus der Stille" optisch schon mal ein echter Hingucker.

Meine Meinung:

Hereinspaziert in Peter Goldammers fabelhaften Zirkus der Stille, tretet näher und staunet! Genau dazu hat mich dieses kleine Büchlein, das mir vom Atlantik Verlag als Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt wurde (noch einmal vielen Dank dafür!), gebracht.

Erwartet habe ich eine außergewöhnliche, originelle Geschichte, die mich mitnimmt an einen fremden Ort und mich zum Staunen bringt - und ich wurde nicht enttäuscht. An der Seite der 24-jährigen Thais Leblanc taucht man als Leser nämlich ein in eine völlig andere Zirkuswelt, nicht die laute, bunte und opulente Manege, die man von den berühmten Zirkussen kennt, sondern eine viel stillere, irgendwie besinnlichere und symbolischere Welt. 

Die Protagonistin Thais erscheint einen am Anfang wie eine selbstbewusste junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und ganz genau weiß, was sie will und nicht will: Ein ruhiges, geregeltes Leben in Paris, aber auf keinen Fall ein chaotisches Leben in einem Zirkus. Der Tod ihrer Großmutter, zu der sie stets ein eher zwiespältiges Verhältnis hatte, bringt Thais' heile Welt allerdings ins Wanken und ich fand es sehr schön und beeindruckend, wie dieser Todesfall irgendwie alles in Thais' Leben umkippt und auf den Prüfstand stellt.

Auf der Suche nach ihrer wahren Identität und der Identität ihres Vaters, die ihre Großmutter bis zuletzt geheimhielt, wird Thais nämlich mit dem sehr wundersamen Dreimann-Zirkus Cirque Perdu konfrontiert, der sie in eben diese stille, eher fantasievolle und gedankliche als greifbare und logische Zirkuswelt entführt. Ich habe den Cirque Perdu von Anfang an geliebt, weil er etwas so völlig anderes ist als das, was man sich unter einem Zirkus normalerweise vorstellt, weil er irgendwie seinen eigenen Regeln folgt und überhaupt nicht danach strebt, ein viel umjubelter, lukrativer Zirkus zu sein.

Im Cirque Perdu geht es nicht um eine beeindruckende Manege, ein großes Zelt, um spektakuläre Vorstellungen und Massen an zahlenden Zuschauern, es geht um etwas viel Tieferes, Bedeutenderes. Um die Suche nach sich selbst und das Sich-Darüber-Klar-Werden, wer man ist und wie man sich selbst zum Staunen bringt. Ich mochte diese etwas esoterische Sicht auf die Dinge und das, was diese Herangehensweise mit Thais macht, die zu Beginn eher befremdet und nicht bereit ist, sich auf den Cirque Perdu einzulassen, nach und nach aber völlig in diese geheimnisvolle Welt eintaucht. 

"Der Zirkus der Stille" ist ein absoluter Wohlfühlroman, der leichtfüßig und unterhaltsam geschrieben ist und der beim Lesen etwas mit einem macht, einen zum Staunen bringt - ganz ohne übertriebenen Pomp und eine extravagante Handlung. Viel eher ist die Handlung außergewöhnlich, leicht skurril und bleibt irgendwie immer in Bewegung, inklusive einer spannenden Schnitzeljagd und gut gehüteten Geheimnissen, denen Thais hinterher jagt. Auch die Charaktere habe ich sofort ins Herz geschlossen, angefangen bei Thais, mit der ich mich absolut identifizieren konnte, bis hin zu der resoluten Madame Victoria und dem geheimnisvollen und etwas verschrobenen Direktor des Cirque Perdu. Man muss sich von dieser fantastischen, einzigartigen Welt einfach gefangen nehmen lassen.

Mein Fazit:

Peter Goldammers Debüt "Der Zirkus der Stille" ist ein träumerischer Wohlfühlroman, der einen in eine völlig andere, stillere Zirkuswelt entführt und einen mit einer beeindruckenden Leichtigkeit sowohl zum Staunen als auch zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringt, ganz ohne übertrieben und aufdringlich zu wirken. Mir haben die originellen, teilweise liebevoll schrulligen Charaktere, der angenehm frische Erzählstil und vor allem die Welt des wundersamen Cirque Perdu unheimlich gut gefallen und ich hätte absolut nichts dagegen, dahin zurückzukehren und einer Vorstellung von Thais, Papó, Bajou und dem Rumänen beizuwohnen.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen