Mittwoch, 13. April 2016

REZENSION: "Black Rabbit Hall" (Eve Chase)

Copyright Randomhouse Audio

Titel:Black Rabbit Hall
Autor: Eve Chase
Genre: Roman / Familiendrama
Sprecher: Anna Thalbach
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hörbuch (19,99 €), HC, eBook
Länge: 433 Minuten (416 Seiten)
ISBN: 978-3837133592


Inhalt:

Cornwall, 1968: Die 15-jährige Amber Alton und ihre drei Geschwister können es kaum erwarten, in den Ferien auf Black Rabbit Hall zurückzukehren - das abgeschieden gelegene Anwesen der Familie Alton. Hier vergeht die Zeit irgendwie anders, hier kann die Familie sich vom aufregenden Leben in London erholen und die Idylle genießen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sich eine schreckliche Tragödie ereignet, die die vier Geschwister für immer aus ihrem behüteten Leben reißt...
Jahrzehnte später begibt sich die 32-jährige Lehrerin Lorna zusammen mit ihrem Verliebten John auf die Suche nach einer passenden Hochzeits-Location und stolpert dabei zufällig über das beinahe mystisch anmutende Anwesen Black Rabbit Hall. Lorna ist sofort hingerissen von dem alten Gemäuer, kommt aber schon bald einem erschütternden Geheimnis auf die Spur, das irgendwie mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenzuhängen scheint...

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist eigentlich der Hauptgrund, weshalb ich Black Rabbit Hall unbedingt lesen wollte. Seit der Leipziger Buchmesse ging es mir nicht mehr aus dem Kopf, denn ich finde es unglaublich stimmungsvoll, romantisch und trotzdem eher schlicht als zu überladen. Natürlich passt das offenbar herrschaftliche Haus im Hintergrund perfekt zur Geschichte, am besten gefällt mir aber der geschwungene Schriftzug, der dem Cover etwas Magisches, Mystisches verleiht. Für mich ein absolutes Traum-Cover.

Meine Meinung:

Über das Buch war ich nun schon mehrmals gestolpert, unter anderem auf der Leipziger Buchmesse, und habe mich umso mehr gefreut, dass es mir von Randomhouse Audio in Hörbuchform als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Dafür an dieser Stelle erst einmal vielen Dank.

Geschichte und Erzählstil:

Was mich bei diesem Roman von Anfang an gefangen genommen hat, ist das wundervolle Setting in Gestalt des alten Herrenhauses Black Rabbit Hall in Cornwall. Diese Art von Schauplätzen liebe ich ja ganz besonders und Eve Chase hat mit diesem abgelegenen, geheimnisvollen Ort ein sehr mystisches und vereinnahmendes Ambiente geschaffen, das mich völlig in seinen Bann gezogen hat. Ich hatte das ehemals prachtvolle und nun eher verfallene, fast gänzlich leerstehende Gebäude während des Hörens immer vor Augen, konnte mir den dichten Wald rundum vorstellen und die steilen Klippen und hatte das tosende Meer im Ohr.

Allerdings hat mich die Geschichte selbst anfangs nicht wirklich gepackt, denn sie erschien mir etwas unzusammenhängend und konfus, was wohl vor allem daran liegen mag, dass parallel zu Lornas Entdeckungstour erzählt wird, was 1968 und 1969 passiert ist. So konnte von Anfang an keine richtige Spannung aufkommen und hat die Handlung sozusagen enträtselt. Mir fehlte vor allem zu Beginn dieses typische Spurensuche-Feeling, das man z.B. von Kate Morton, Lucinda Riley und Katherine Webb kennt und die Geschichten der beiden Frauen, Amber und Lorna, schienen bis zum Schluss nur nebenher zu laufen, ohne sich zu überschneiden.

Langweilig war das Zuhören trotzdem nicht, denn ich warf meine Erwartungen noch nicht über Bord und hab mich unheimlich auf düstere Familiengeheimnisse und Intrigen gefreut. Die hält Black Rabbit Hall auch auf jeden Fall für den Leser/Hörer bereit, allerdings nicht in dem Umfang, wie ich es mir erhofft hatte. Ich hatte von Anfang an so eine Ahnung, worauf die Geschichten von Amber und Lorna hinauslaufen würden und habe deswegen nicht wirklich mit den beiden mitgefiebert. Ich will natürlich nicht verraten, was 1968 und im darauffolgenden Jahr wirklich geschieht und inwiefern das auch Lorna beeinflusst, aber die Auflösung erschien mir insgesamt irgendwie zu beliebig, wenig originell und war zu vorhersehbar. Die Handlung wird dem wundervollen Schauplatz, der ja eigentlich so viel hergibt, leider nicht gerecht.

Was ich auch sehr schade fand: In der Gegenwart, also praktisch in Lornas Zeit, passiert nicht allzu viel. Durch Zufall stößt Lorna auf Black Rabbit Hall, zufällig findet sie dort Hinweise auf eine Familientragödie und zufällig findet sie auch heraus, was es mit ihrer eigenen Vergangenheit auf sich hat. Das sind mir eindeutig zu viele Zufälle - ich hatte mir Lornas Suche nach Antworten irgendwie spannender und intensiver vorgestellt. Auch Lorna als Charakter bleibt leider oberflächlich beschrieben, man erfährt nicht viel über sie und ihren Verlobten John. Nicht, dass Lorna mir direkt unsympathisch gewesen wäre, aber ich hatte irgendwie durchgehend das Gefühl, sie ist kein Mensch, den man besonders gut kennt, sondern nur ein flüchtiger Bekannter. Deswegen habe ich auch nicht wirklich mit ihr mitgefühlt und nahm kaum Anteil an ihren Enthüllungen und ihren Gefühlen.

Bei Amber war das auf jeden Fall anders. Sie ist ein interessanter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich identifizieren kann und hat mir vor allem mit ihrer Willensstärke sehr imponiert. Sie war von Anfang an ein nach außen hin vielleicht etwas unsicheres und teilweise trotziges, aber innerlich ein mutiges und entschlossenes Mädchen. Eigentlich fand ich die ganze Familie Alton klasse: Ambers Zwillingsbruder Toby scheint sehr sensibel und in sich gekehrt zu sein, der kleine Barney ist ein aufgewecktes, fröhliches Kerlchen und Nesthäkchen Kitty ein eigenwilliges und exzentrisches Kind. Dynamisch wird die Handlung in den Jahren 1968 und 1969, als der Vater der Alton Geschwister eine neue Frau heiratet und diese zusammen mit ihrem Sohn nach Black Rabbit Hall kommt. Ab da geschehen einige unerwartete Dinge, obwohl mich auch diese Wendungen nicht vollends überzeugen konnten.

Die Atmosphäre, die Eve Chase in Black Rabbit Hall heraufbeschwört, stimmt auf jeden Fall. So dramatisch, geheimnisvoll und packend wie erwartet war die Geschichte aber leider nicht. Auch Chase' Erzählstil hat nicht hundertprozentig meinen Geschmack getroffen, mich allerdings auch nicht zu sehr gestört. Es war im Großen und Ganzen schon in Ordnung, jedoch leider auch nicht viel mehr.       

  
Sprecher:

Gelesen wird die Hörbuchfassung von Black Rabbit Hall von Anna Thalbach. Sie haucht den verschiedenen Charakteren Leben ein und bringt Stimmungen und bestimmte Tonfälle authentisch und wirklich perfekt zum Ausdruck. Was mich allerdings manchmal ein wenig gestört hat, ist, dass Anna Thalbach ab und zu in einen leicht quengligen, nervigen Singsang verfällt, der z.B. zu Ambers jüngeren Geschwistern hervorragend passt, ansonsten aber eher überzogen und fehl am Platz wirkt und den jeweiligen Charakter auch leicht unsympathisch wirken lässt. Außerdem hatte ich manchmal Probleme, zu erkennen, ob der Ich-Erzähler (entweder Lorna oder Amber) gerade mit jemandem spricht oder nachdenkt, da Thalbach diese verschiedenen Tonfälle bisweilen miteinander vermischt hat. Teilweise klang sie auch abgehackt und etwas gehetzt. Insgesamt hat Anna Thalbachs Stimme zwar wirklich gut zu den Charakteren und zur Geschichte gepasst, ist für mich aber nicht unbedingt die perfekte Hörbuch-Stimme.


Mein Fazit:

Black Rabbit Hall ist atmosphärisch und wartet mit einer großartigen, geheimnisvollen Kulisse und mit teilweise sehr authentischen und spannenden Charakteren auf. Die Geschichte selbst war mir aber insgesamt etwas zu fade und beliebig und die angekündigten Familiengeheimnisse und -tragödien erwiesen sich als vorhersehbar und für meinen Geschmack zu seicht. Auch mit Anna Thalbach als Sprecherin war ich nicht hundertprozentig zufrieden, weswegen Eve Chase' Roman mich letztlich zwar gut unterhalten, aber nicht mitreißen und überzeugen konnte. Ich hatte definitiv mehr erwartet.


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