Dienstag, 19. April 2016

ABGEBROCHEN: "Gehen, ging, gegangen" (Jenny Erpenbeck)

Copyright Knaus Verlag


Titel: Gehen, ging, gegangen
Autor: Jenny Erpenbeck
Genre: Roman
Verlag: Knaus
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hardcover (19,99 €)
Seiten: 352
ISBN: 978-3813503708





Inhalt:

Nach dem Hungerstreik einiger junger Flüchtlinge vor dem Roten Rathaus in Berlin ist Richard, Linguistik-Professor im Ruhestand, auf die Situation der Geflüchteten aufmerksam geworden und hat einige Fragen. Anders als die meisten anderen Menschen beschließt er jedoch, die Antworten darauf bei den jungen Männern selbst zu suchen und sucht daher den direkten Kontakt zu den Flüchtlingen aus Afrika, die in Deutschland gestrandet sind und seit Jahren vor allem eines tun: Warten.

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist meiner Meinung nach eine riesige Katastrophe. So richtig etwas anzufangen weiß ich damit nicht, denn es wirkt doch sehr abstrakt und modern, ohne dass man einen direkten Bezug zum Inhalt herstellen könnte. Hinzukommt, dass ich weiße Einbände generell nicht mag. Wäre ich nicht in einer Fachzeitschrift auf das Buch aufmerksam geworden, ich hätte es aufgrund des Covers garantiert niemals wahrgenommen.

Meine Meinung:

Auf diesen Roman war ich ziemlich gespannt, weil er ja ein Thema behandelt, das brisanter und aktueller nicht sein könnte: Die Flüchtlingskrise und die Schicksale, die hinter den Flüchtlingen stecken. Natürlich hatte ich erwartet, dass das Buch keine leichte Kost und eher anspruchsvoll sein würde, aber nach etwa der Hälfte war mir klar - das wird so nichts! 

Woran also lag das? Denn das Thema hat mich wie gesagt von Anfang an interessiert und auch die einzelnen Schicksale, die der Protagonist Richard mithilfe seiner Fragen aufdeckt, sind fesselnd und berührend und verleihen den Gesichtern hinter der Flüchtlingskrise sozusagen eine Stimme, was ich sehr wichtig finde. Ich muss also sagen, dass mir Erpenbecks Roman inhaltlich wirklich sehr gut gefallen hat, aber leider hatte ich meine Probleme mit der Umsetzung.

Nun bin ich ja eher der Typ der ausladenden Beschreibungen, der großen und vielen Worte und tat mich deswegen von Anfang an sehr sehr schwer mit Jenny Erpenbecks schnörkellosem, äußerst sachlichem und (für mein Empfinden) wenig emotionalen Erzählstil, der mir teilweise auch irgendwie unzusammenhängend vorkam. Mein größtes Problem war allerdings wieder einmal die fehlende Kennzeichnung der wörtlichen Rede - ich kann mit dieser modernen Form einfach nichts anfangen und kann mir die Dialoge dann grundsätzlich nur sehr schwer vorstellen.

Auch mit dem Protagonisten Richard bin ich einfach nicht warm geworden, denn ich finde, man merkt viel zu deutlich, dass er nur Mittel zum Zweck ist - nämlich der Interviewer, der die Schicksale der Flüchtlinge erfragt. Richard als Person konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, weil er mir überhaupt nicht nahe war und eher grob umrissen und schemenhaft blieb.

So konnte mich Erpenbecks Roman insgesamt leider gar nicht packen und ich musste ihn beiseite legen - trotz des spannenden und interessanten Themas. Ich bin nun wirklich etwas enttäuscht, da die Grundidee ja wirklich toll ist, aber wenn der Erzählstil nicht passt, quält man sich ja nur :/ Das ist aber meine persönliche Meinung, denn schließlich hat Gehen, ging, gegangen ganz vielen Lesern auch ziemlich gut gefallen.


Welches Buch habt ihr denn zuletzt abgebrochen?   


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