Samstag, 26. März 2016

REZENSION: "Zorn und Morgenröte" (Renée Ahdieh)

Copyright One Verlag
Titel: Zorn und Morgenröte

Autor: Renée Ahdieh

Genre: Fantasy / Liebesroman / Jugendroman

Verlag: One Verlag

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Hardcover (18,99 €)

Seiten: 397

ISBN: 978-3-8466-0020-7

Inhalt

Jedes Mal, wenn die Sonne sich aus ihrem Schlaf erhebt und ihren Platz am Himmel einnimt, wird das Leben eines jungen Mädchens verwirkt. Jeden Tag nimmt sich der junge Kalif Chalid eine neue Braut. Am Ende jeder Nacht lässt er sie hinrichten. Auch Shahrzad steht dieses Schicksal bevor, doch anders als ihre Vorgängerinnen hat sie sich freiwillig zur Heirat bereiterklärt. Sie ist angetrieben von ihrem Schmerz über den Verlust ihrer besten Freundin Shiva und dem unstillbaren Wunsch nach Rache. Sie will die Eine sein, die die Nacht überlebt. Niemals hätte sie ahnen können, dass sie ihr Leben verhält, doch dafür ihr Herz verliert. Wie ist es möglich, ein Ungeheur zu lieben?

Cover


In die Gestaltung habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Das Buch ist wunderschön und traumhaft gestaltet. Es repräsentiert das Mysteriöse und Fantastische der Romanwelt und dieser stechende, funkelnde Blick hat mich sofort in den Bann gezogen. Ich bin wirklich begeistert. 

Meine Meinung


Es gibt mehrere Dinge, warum mich dieser Roman so gepackt hat. Als erstes wären da natürlich die zwei Protagonisten, Shahrzad und Chalid, zu nennen. Jeder für sich ist schon eine ausgeprägte Persönlichkeit und würde eine komplette Geschichte im Alleingang tragen. Aber in Kombination sind sie einfach umwerfend. Auf der einen Seite haben wir die starrsinnige, mutige Shahrzad. Mit ihrer direkten und kühnen Art habe ich sie sofort ins Herz geschlossen. Ich liebe willensstarke Charaktere in Büchern, die aber auch eine weiche, mitfühlende Seite haben. Und genau diese Aspekte vereint sie in sich. Ihr steht der verschlossene, als grausam geltende Chalid gegenüber, der vor allem Stolz und Gefühllosigkeit nach Außen trägt. Es klingt vielleicht erschreckend, aber vom ersten Moment an habe ich diese grausame Seite an Chalid geliebt. Das Dunkle und Unnahbare an ihm übt eine eigenartige Faszination auf mich aus (deswegen finde ich wohl auch Heathcliff in Sturmhöhe so toll). Es macht ihn rätselhaft, zu einem Buch mit sieben Siegeln. Da es in meiner Natur liegt, alles zu hinterfragen, wollte ich natürlich wissen, was hinter der Fassade vor sich geht. Ich befand mich also 1:1 in der Situation, in der sich auch Shahrzad befand. Meiner Meinung nach darf es in der Literatur gerne häufiger solche unbarmherzigen Charaktere in der Hauptrolle geben. 
Wenn diese beiden Charaktere nun aufeinandertreffen, kann man fast das Knistern zwischen den beiden spüren. Zwischen ihnen entfacht sich ein Feuer: gefährlich und faszinierend zugleich. Es wärmt einem einerseits das Herz, andererseits löst es eine gewisse Beklommenheit aus, denn man ahnt, dass ihre Geschichte wohl nur in einer Katastrophe enden kann. Diese Mischung aus Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Sehnsucht hat mich irgendwie zum Schmachten gebracht. Selbst in den Szenen, in denen sie nicht mal Körperkontakt haben, besteht zwischen ihnen eine ganz eigene Erotik, die keineswegs kitschig oder obszön wäre. Weil mich das so begeistert hat, konnte ich auch Shahrzads innere Zerissenheit zwischen der Treue zu ihrer toten Freundin Shiva und dem Wunsch nach Rache und ihrer stetig wachsenden Gefühle für Chalid absolut nachempfinden.
Obwohl Chalid und Shahrzad so dominante Figuren sind, bleibt genügend Platz für die übrigen Akteure, etwa Despina (Shahrzads Zofe) und Chalids Cousin Jalal, die jeweils auch ein Geheimnis in sich tragen. Zudem erfährt man durch den Perspektivenwechsel auch etwas über das Geschehen fernab der Stadt Ray. Denn Shahrzads erste Liebe Tarik sowie ihr Vater Jahandar wollen sie aus "den Fängen des Ungeheuers" befreien. Man spürt bei beiden die innige Verbundheit zu Shahrzad und kann entsprechend ihre Sorge um sie verstehen. Dennoch will man, dass ihre Pläne scheitern, damit Shahrzad und Chalid nicht entzweit werden. Beim Lesen habe ich also in einer ziemlichen Zwickmühle gesteckt. Ob ich mich daraus befreien kann, werde ich wohl erst im späteren Band heraufinden.
Renée Ahdieh erzählt ihre Geschichte außerdem fantasievoll und fesselnd. An manchen Stellen ist ihre Wortwahl blumig, an anderen wiederum schlicht - in jedem Fall passt sie sich an die jeweilige Situation an. Ich habe mich beim Lesen direkt in die Welt der Märchen aus 1001 Nacht versetzt gefühlt, in diese fremde, mysthische, magische Welt. Für diese Art von Geschichte gibt es einfach keine passendere Szenerie als diese. Was mich allerdings besonders am Anfang gestört hat, war mein fehlender Einblick in das Land, die dortigen Gepflogenheiten sowie die Hierarchie und auch die einzelnen sprachlichen Ausdrücke klangen zwar schön, doch wusste ich ohne Übersetzung nichts mit ihnen anzufangen. Zu spät habe ich gemerkt, dass sich am Ende des Buches ein Glossar befindet. Also an alle, die das Buch lesen wollen: schaut hinten nach! Allerdings kann man sich mit der Zeit einiges selbst erschließen, gänzlich unverständlich ist das Buch also nicht.  
Die Widmung finde ich übrigens ebenfalls genial. Sie ist genauso gefühlvoll wie der gesamte Roman. 

Fazit


Der Roman hat definitiv Suchtfaktor. Die Figuren und das Setting haben mich begeistert und ich bin gespannt, welche Bedrohungen weiterhin von Salim und dem sich formierenden Widerstand gegen den Kalifen und seine Königin ausgehen werden. Den halben Punkt Abzug gibt es eigentlich nur deshalb, weil ich mir noch die Option einer Steigerung für den Folgeband aufheben möchte. Ich bin mir sicher, dass dieser den Auftakt überbieten wird und Renée Ahdieh noch nicht all ihr Pulver verschossen hat.

   



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