Freitag, 25. März 2016

REZENSION: "Kirschblüten und rote Bohnen" (Durian Sukegawa)

Copyright Dumont Verlag

Titel: Kirschblüten und rote Bohnen

Autor: Durian Sukegawa

Genre: Roman

Verlag: Dumont

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Hardcover in Leinen (18 €)

Seiten: 256

ISBN: 978-3832198121



Inhalt:

Sentaro hat im Leben absolut nichts von dem erreicht, was er sich vorgenommen hat: Der gescheiterte Schriftsteller ist vorbestraft, genehmigt sich gern ein Gläschen zu viel und verdient seinen Lebensunterhalt damit, in einer Imbissbude Dorayaki - japanische Eierkuchen - zu backen und mit minderwertiger Fertigpaste aus roten Bohnen zu füllen. Doch das ändert sich, als Tokue, eine alte, vom Leben gezeichnete Frau, ihm anbietet, für ihn zu arbeiten und ihm beizubringen, wie man köstliche Bohnenpaste selbst herstellt. Schlagartig macht Sentaro mit seinem Imbiss nicht nur wesentlich mehr Umsatz, sondern findet in Tokue auch eine gute Freundin. Zusammen mit dem unglücklichen Schulmädchen Wakana geben die drei ein wirklich außergewöhnliches Gespann ab... 

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist einfach ein Traum! Nicht nur, dass die zarten, rosafarbenen Farbtupfer, die an Kirschblüten erinnern, und die drei liebevoll gezeichneten Gestalten perfekt zur Geschichte passen. Vor allem der Einband ist wunderschön, denn das Buch ist in Leinen gebunden und mit hochwertigen Klappen und einem Lesebändchen versehen. Da muss man wirklich aufpassen, dass man das Büchlein nicht mit schmutzigen Händen anfasst.

Meine Meinung:

Kirschblüten und rote Bohnen habe ich bei einer Leserunde auf Lovelybooks.de gewonnen und war schon unheimlich begeistert, als ich das hübsche Büchlein in den Händen hielt. Doch nicht nur die Aufmachung ist traumhaft schön, sondern auch die Geschichte, die der japanische Schriftsteller Durian Sukegawa erzählt.

Es geht um Sentaro, eine gescheiterte Existenz und ein Mann, der jeden Tag nichts anderes tut, als für wenig Geld die beliebte japanische Süßspeise Dorayaki herzustellen und zu verkaufen und den Feierabend mit dem ein oder anderen Gläschen zu begehen. Wir werden ohne viel Vorgeplänkel in die Geschichte hineingeworfen und begegnen gleich auf den ersten Seiten nicht nur Sentaro, sondern auch der alten Dame Tokue - das hat mir außerordentlich gut gefallen. Mit Tokues Erscheinen hat Sentaros dröges Dasein nämlich endgültig ein Ende. Aber wie schafft sie das?

Tokue ist eine resolute und sehr sympathische alte Dame, der man anmerkt, dass ihr Leben alles andere als leicht war und sie sich oft durchkämpfen musste. Genau das hat sie stark gemacht und ihr gezeigt, dass sie sich auf das konzentrieren sollte und muss, das ihr die größte Freude bereitet und das ist - wie es der Zufall will - das Herstellen von Süßspeisen und ganz besonders von An, der Bohnenpaste, mit der man die traditionellen Pfannkuchen Dorayaki füllt. Indem Tokue Sentaro zeigt, wie er das köstlichste An herstellt und damit endlich mehr Gäste anlockt, zeigt sie ihm auch, wie lebenswert das Leben sein kann, und zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche, aber spürbar enge Freundschaft. 

Einmal abgesehen davon, dass mir beim Lesen permanent das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, weil wir einfach unglaublich viel über An, Dorayaki und andere japanische Leckereien erfahren, gefällt mir die Zartheit und Tiefe von Sukegawas Geschichte außerordentlich gut. Er erzählt die Geschichte von Sentaro, Tokue und dem Schulmädchen Wakana, das im Laufe der Handlung zu den beiden stößt, auf eine angenehm unaufgeregte und sanfte Art und Weise und dennoch mitreißend genug, dass man den Roman gar nicht aus der Hand legen will. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, auf einer Welle von Wörtern dahinzutreiben und habe das unheimlich genossen.

Sukegawas Sprache ist einfach wunderbar bildhaft, irgendwie auch etwas magisch und so völlig anders, als man das von europäischen oder amerikanischen Autoren gewöhnt ist. Eine ganz besondere Art des Erzählens, die mich komplett überzeugt hat. Sukegawa zeichnet mit Kirschblüten und rote Bohnen außerdem ein sehr authentisches und einnehmendes Bild von Japan und man bekommt direkt Lust, den nächsten Urlaub dort zu verbringen oder zumindest ein leckeres Abendessen in einem japanischen Restaurant zu genießen. 

Bei all der Leichtigkeit und Wärme spricht Sukegawa aber auch ernstere Themen an und zeigt, welchen Einfluss enge Freundschaften auf unser Leben haben können. Zwar spielt das Schulmädchen Wakana eine unwesentlichere Rolle als erwartet und liegt der Fokus hauptsächlich auf der Beziehung zwischen Sentaro und Tokue, aber das hat mir vollkommen genügt. Ich fand es einfach wunderbar, wie diese alte Frau mit einfachsten Mitteln zu Sentaro durchdringt und ihn dazu bringt, sein Leben endlich wieder in die Hand zu nehmen. Und man spürt auch ganz deutlich, dass das Kochen der roten Bohnen Tokue gut tut und ihr das Gefühl gibt, nützlich zu sein. Eine wirklich grandiose Figurenkonstellation, die Sukegawas Roman zu einem runden Ganzen macht.  

Mein Lieblingszitat:


"Wenn wir nur die Realität sehen würden, entstünde der Wunsch zu sterben. Zäune überwinden kann nur, wer mit einem Herzen lebt, das Zäune überwunden hat." (S. 216)


Mein Fazit:

Durian Sukegawas Kirschblüten und rote Bohnen ist ein zarter, inspirierender Roman über die Kraft der Freundschaft, der wunderbar und verträumt erzählt ist und mir unheimliche Lust auf Japan gemacht hat. Liebenswerte, authentische Charaktere und die faszinierende Welt der japanischen Süßspeisen machen das kleine Büchlein zu einem außergewöhnlichen und definitiv ganz besonderen literarischen Schatz, den ich ganz bestimmt in Ehren halten werde.


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