Samstag, 5. März 2016

REZENSION: "Helenas Geheimnis" (Lucinda Riley)

Copyright Goldmann Verlag

Titel: Helenas Geheimnis

Autor: Lucinda Riley

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Goldmann

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Klappenbroschur (9,99 €)

Seiten: 608

ISBN: 978-3442484058


Inhalt:

Nach dem Tod ihres Patenonkels erbt Helena sein idyllisch gelegenes Ferienhaus auf Zypern, wo sie bereits als Jugendliche unvergessliche Tage verbrachte. Aus diesem Grund beschließt sie, das Haus wieder auf Vordermann zu bringen und Freunde und Familie für den Sommer dorthin einzuladen. Doch was entspannte Ferien in der Sonne werden sollten, artet schon bald in Stress aus. Während Helenas Mann William vor Eifersucht auf ihre Jugendliebe Alexis vergeht, der 13-jährige Sohn Alex sich unsterblich in seine Stiefschwester Chloe verliebt, Helenas beste Freundin Sadie ihrem Verflossenen nachtrauert und das befreundete Ehepaar Chandler öffentlich ihre schmutzige Wäsche wäscht, hat Helena ganz andere Probleme: Wie lange kann sie ihr jahrelang gesponnenes Netz aus Lügen und Geheimnissen noch aufrecht erhalten? Was geschah damals, vor fast 24 Jahren, wirklich auf Zypern und was hat es mit Alex' Vater auf sich, dessen Identität Helena seit seiner Geburt geheimhält?

So gefällt mir das Cover:

Das Cover macht direkt Lust auf Sommer, denn es wirkt farbenfroh und irgendwie mediterran und passt damit wunderbar zum Handlungsort, der Insel Zypern. Die magentafarbenen Blüten sind mir aber doch einen Ticken zu viel und wirken vielleicht ein bisschen kitschig.

Meine Meinung:

Mit ihrem neuesten Roman Helenas Geheimnis bleibt die Bestsellerautorin Lucinda Riley ihrem Stil treu - und auch irgendwie nicht. Jede Menge Geheimnisse gibt es zwar auch in ihren anderen Werken, doch in Helenas Geheimnis fokussiert sich Lucinda Riley vor allem auf die Gegenwart anstatt auf die Vergangenheit und überrascht mit einer erfrischend anderen Familiengeschichte.

In der Rahmenhandlung kehrt der mittlerweile 23-jährige Alex im Jahr 2016 nach Pandora zurück, wo er sein altes Tagebuch aus Teenager-Zeiten entdeckt und sich an den turbulenten Familienurlaub im Jahr 2006 zurückerinnert. Man taucht also gemeinsam mit Alex in seine Erinnerungen ein, um am Ende wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Diese Lösung gefällt mir außerordentlich gut, denn so kommen irgendwie nostalgische und leicht romantische Gefühle auf. 

Nachdem man Alex also direkt zu Beginn des Romans in das Jahr 2006 gefolgt ist, lernt man auch die zweite Protagonistin, seine Mutter Helena, kennen. Spannend und originell finde ich dabei den Wechsel aus Alex' Tagebucheinträgen und der eigentlichen Handlung, erzählt von einem auktorialen Er-Erzähler. Die Tagebucheinträge sind wirklich authentisch, denn aus jedem Satz liest man den intelligenten, aber auch leicht verschrobenen und hysterischen Teenager mit Hang zum Dramatischen heraus. Wie theatralisch und übertrieben Alex von seinen Ferien auf Pandora und seiner ersten Liebelei schreibt, hat mich ein ums andere Mal schmunzeln lassen und sogar zum Lachen gebracht. Alex ist auf jeden Fall ein liebenswerter und naiver, wenn auch recht spezieller Charakter, den man einfach gern haben muss.

Seine Mutter Helena klingt erst einmal wie ein Klischee, denn sie wird nicht nur als unglaublich schön, liebreizend und sanftmütig beschrieben, sondern zieht auch sämtliche männliche Wesen scheinbar magisch an - eben genau wie Helena von Troja. Trotzdem - oder gerade deswegen - ist sie eine bewundernswerte und starke Persönlichkeit, die ihre Familie über alles liebt und alles tut, um sie zu schützen. Sie ist ein vielschichtiger Charakter und im Verlauf der Handlung lernt man Seiten an ihr kennen, die man am Anfang so nicht vermutet hätte. Dabei war sie mir nicht einen Moment lang unsympathisch: Sie ist einfach eine moderne Version der schönen Helena und auch als Leser erliegt man ihrem Charme.

Helenas großes Geheimnis ist die Identität von Alex' Vater. Niemandem hat sie bisher von ihm erzählt und dem Leser werden immer wieder Informationsbröckchen hingeworfen: Man spekuliert gemeinsam mit Helenas Mann William und seiner besten Freundin Sadie, wer der mysteriöse Mann sein könnte und wieso sie sich so sehr bemüht, seine Identität geheimzuhalten. Die Auflösung hat mich am Ende aber wirklich komplett überrascht, denn ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Schön finde ich, dass Lucinda Riley einem mit der Auflösung zeigt, welche Folgen in der Vergangenheit begangene Fehler für unser zukünftiges Leben haben können, und auch, dass man Helena am Ende nicht als gefallenen Engel, sondern als Mensch sieht, der aus den richtigen Gründen das Falsche getan hat.

Helenas Geheimnis ist keine Spurensuche auf verschiedenen Zeitebenen, obwohl hin und wieder Rückblenden eingebunden werden und wir ja schließlich in die Erinnerungen von Alex eintauchen. Der Roman ist vielmehr eine leichtfüßige, turbulente und stellenweise ebenso tragische wie lustige und skurrile Familien- bzw. Tragikomödie. Und damit hat Lucinda Riley mich wirklich überrascht - das hatte ich nicht erwartet! Vor der Kulisse des traumhaft gelegenen Ferienhauses Pandora auf Zypern und inmitten von Olivenhainen spielen sich so einige Dramen ab und die Mitglieder der bunt zusammengewürfelten Urlaubsgesellschaft geraten immer wieder aneinander. Es macht einfach Spaß und ist unglaublich spannend, ihnen dabei zuzusehen und man fiebert irgendwie mit jedem einzelnen Charakter mit. Deswegen hat es mir sehr gut gefallen, dass der 23-jährige Alex am Ende erzählt, wie es für jeden von ihnen ausgegangen ist und in welche Richtungen sich ihre Leben entwickelt haben.

Ich mochte auch die verschiedenen, eher zarten Liebesgeschichten, die nicht zu aufdringlich sind, sondern sozusagen beiläufig in die Handlung einfließen. Da wären natürlich Helenas vergangene Liebeleien und ihre Ehe mit William, aber auch das sprunghafte Wesen von Williams Tochter aus erster Ehe, Chloe, und Alex' erste große Teenager-Liebe. Jede Liebe ist irgendwie anders und so entspinnt sich der Plot als sehr abwechslungsreich und überraschend.

Bei diesem Roman fügen sich zahllose Einzelheiten und Details zu einem wirklich runden und unterhaltsamen Ganzen zusammen. Ein witziges Detail ist, dass Helenas Ferienhaus Pandora heißt und sie mit ihrem Aufenthalt dort tatsächlich in gewisser Weise die Büchse der Pandora öffnet - sehr symbolisch. Mir gefallen auch die Interaktionen zwischen den vielen, verschiedenen und mitunter sehr speziellen Charakteren, die spannende, aber auch leichtfüßige Geschichte und vor allem auch der wunderschöne Schauplatz. Man spürt förmlich die zypriotische Sonne auf der Haut, schmeckt die südländischen Köstlichkeiten und hat den Duft von Sommer und Hitze in der Nase. All das sowie Rileys unvergleichlich detailreicher und angenehm weicher Schreibstil haben dafür gesorgt, dass ich beim Lesen alles um mich herum vergessen und komplett in die Geschichte eintauchen konnte.

Mein Fazit:

Helenas Geheimnis ist ein typischer Riley, aber auch wieder nicht. Schreibstil und Schauplatz sind wieder einmal fantastisch, anders als bei den anderen Romanen von Lucinda Riley erwartet den Leser jedoch keine Spurensuche in der Vergangenheit, sondern eher eine tragikomische, äußerst turbulente und bisweilen ziemlich dramatische Familiengeschichte. Ich für meinen Teil mochte dieses für Riley untypische Konzept von Anfang an, bin komplett in die Geschichte eingetaucht und konnte mich vor allem für die vielschichtigen und grundverschiedenen Charaktere wirklich begeistern. Ein leichter Sommerroman, der einen von Urlaub und Wärme träumen lässt und schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher des Jahres.



   

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