Dienstag, 15. März 2016

REZENSION: "Das Seehaus" (Kate Morton)

Copyright Diana Verlag

Titel: Das Seehaus

Autor: Kate Morton

Genre: Roman / Familiengeschichte

Verlag: Diana Verlag

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Hardcover (22,99 €)

Seiten: 608

ISBN: 978-3453291379


Inhalt:

Cornwall, 1933: Alice und ihre Schwestern fiebern dem großen Mittsommerfest entgegen, das ihre Mutter alljährlich auf dem wunderschönen Familiensitz am See ausrichtet. Doch an die Feier werden sich die Gäste und vor allem die Familienmitglieder noch Jahrzehnte später aus einem ganz bestimmten Grund erinnern: Alice' kleiner Bruder verschwindet während der Party spurlos. Die Polizei tappt im Dunkeln und auch die Suchtrupps aus dem Ort können den 11-Monate alten Theo nicht finden. Noch Jahre nach der schicksalhaften Nacht im Juni wirft sein Verschwinden einen Schatten auf die Familie...
Cornwall, 2003: Nach einem Fauxpas während einer polizeilichen Ermittlung ist die Polizistin Sadie Sparrow gezwungen, ihrer Heimatstadt London für ein paar Wochen den Rücken zu kehren und beschließt, ihren Großvater in Cornwall zu besuchen. Dort entdeckt Sadie während ihrer täglichen Runde durch den Wald ein herrschaftliches Haus am See - verlassen und verfallen, scheint es seit Jahren nicht mehr betreten worden zu sein. Sadies Neugier ist geweckt und so forscht sie in den lokalen Archiven nach der Familie Edevane. Schon bald stößt sie dabei auf den traurigen Vorfall von vor 70 Jahren und ist entschlossen, das Geheimnis zu lüften. Was geschah damals mit dem kleinen Theo und was weiß seine Schwester Alice, mittlerweile eine gefeierte Krimi-Autorin, über sein Verschwinden? 

So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist wieder sehr typisch gewählt - man sieht sofort, dass es ein Morton ist. Natürlich passt das Bild vom herrschaftlichen Haus an einem weitläufigen See hervorragend zum Titel und zur Geschichte und hat mich außerdem direkt mitgenommen auf eine Reise an einen geheimnisvollen Ort. Was mich aber stört: Die kitschigen rosafarbenen Blüten rechts oben - Blüten auf Covern werden langsam wirklich inflationär genutzt und sind schon fast eine Art Sammelbegriff. Ohne wäre das Cover viel viel schöner gewesen.

Meine Meinung:

Endlich ein neuer Roman von Kate Morton - ich habe lange darauf gewartet, denn ihre Geschichten gefallen mir immer unheimlich gut unt entführen mich jedesmal in eine völlig andere Welt. So war es auch bei Das Seehaus wieder, das überwiegend im wunderschönen Cornwall und wie gewohnt auf zwei zeitlichen Ebenen spielt. Protagonistinnen sind die Polizistin Sadie, die im Jahr 2003 auf die tragische Geschichte der Familie Edevane stößt, und die mittlerweile hoch betagte Alice Edevane, deren Leben sich an jenem Sommertag 1933 völlig veränderte.

Um ehrlich zu sein, fiel es mir zunächst recht schwer, in die Geschichte reinzukommen. Die Spannung baut sich sehr sehr gemächlich auf und die ersten 200 Seiten lasen sich für mich wirklich zäh. Nicht, dass ich die Handlung uninteressant oder langweilig gefunden hätte, aber irgendwie hat mich die Geschichte der Edevanes und auch Sadies Geschichte im Jahr 2003 nicht sofort packen können. Kate Morton legt viel Wert auf Details, was ich prinzipiell mag, aber vor allem zu Beginn der Geschichte verliert sie sich zu sehr in Kleinigkeiten und Rückblenden, die für die Handlung nicht unbedingt relevant sind. Man erfährt unheimlich viel über Alice Edevane, ihre Geschwister, ihre Mutter, ihren Vater und wiederum deren Eltern und irgendwann hat man einfach zu viel von den ganzen Wirrungen der Familie, den kleinen Fehden und Geheimnissen.

Was mir auch nicht ganz so gut gefiel: Morton springt vor allem in den Vergangenheit-Passagen zwischen den Zeiten hin und her, sodass man sich nicht ausschließlich im Jahr 1933 befindet, sondern auch mal 1911, 1914 oder 1932. Da kann man ab und zu schon mal den Faden verlieren und muss zurückblättern, um zu schauen, an welchem Punkt in der Geschichte man sich gleich nochmal befindet. Das macht das Lesen vor allem zu Beginn noch ziemlich anstrengend. Denn wie man es von Morton gewöhnt ist, beginnt die Geschichte nebulös und verworren: Dem Leser werden immer mal wieder Informationsbröckchen hingeworfen, die sich aber erst am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Man reimt sich während des Lesens einiges zusammen, spekuliert und rätselt und geht gemeinsam mit Sadie Sparrow dem Familiengeheimnis der Edevanes auf den Grund. Das hat mir wiederum wirklich Spaß gemacht und irgendwann war ich dann auch drinnen in der Geschichte - begierig darauf zu erfahren, was mit dem kleinen Theo wirklich passiert ist.

Die Charaktere sind wunderbar vielschichtig und sehr authentisch gezeichnet, wobei ich mich vor allem mit Sadie Sparrow identifizieren konnte. Sie ist Polizistin mit Leib und Seele: Leidenschaftlich, ein bisschen übereifrig, neugierig und stets entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Ihr ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit hat mich wiederum an Alice' und Theos Mutter Eleanor erinnert, die in meinen Augen die eindrucksvollste und stärkste Figur in Mortons Roman ist. Eleanor ist nicht nur eine liebevolle Mutter, die wie eine Löwin für ihre Kinder kämpft, sondern auch absolut treu und loyal all den Menschen gegenüber, die sie liebt. Ihr oberstes Gebot ist es, niemals (aber auch wirklich niemals) ein Versprechen zu brechen und daran hält sie bis zum Ende fest, was mich nicht nur erstaunt, sondern auch tief beeindruckt und bewegt hat.

Interessant fand ich auch die Charaktere Alice und Mr. Llewellyn. Alice ist ein exzentrisches Mädchen, das mir zu störrisch und nervig war - als erwachsene Frau hat sie mich aber komplett überzeugt. Sie ist Krimiautorin durch und durch und man spürt, wie sehr ihre Vergangenheit sie bedrückt. Trotzdem ist sie kein altes Muttchen, sondern eine selbstbewusste, resolute und durchsetzungsfähige Dame. Mr. Llewellyn war der Mentor von Alice und ihrer Mutter und war mir bis zum Schluss ein Rätsel. Er ist ebenfalls Autor, allerdings von fantasievollen und märchenhaften Kindergeschichten - durch ihn zeichnet Morton ein verträumtes, irgendwie mystisches Bild von Cornwall und vom Haus am See, in dem sich jene Tragödie im Jahr 1933 abspielte. Ein fantastischer Kniff, der dafür sorgt, dass man sich einen verwunschenen, abgelegenen Ort voller Legenden und Mythen vorstellt und sofort Sehnsucht nach Cornwall bekommt.

Die Geschichte selbst gliedert sich in verschiedene Handlungsstränge: Neben den Geschehnissen während der Mittsommer-Feier im Jahr 1933 und Sadies Ermittlungen geht es auch um die Vergangenheit von Eleanor Edevane, die Erlebnisse ihres Mannes während des Ersten Weltkrieges, um einen großen Fehler, den Sadie Sparrow als Jugendliche beging, und um den Fall, der sie Kopf und Kragen gekostet und zu ihrem Zwangsurlaub in Cornwall geführt hat. All diese Stränge scheinen sich zunächst nicht zu berühren, laufen am Ende jedoch auf ziemlich eindrucksvolle Art und Weise zusammen. Für mich kam gegen Ende so einiges ziemlich überraschend, vor allem was Sadies letzten Fall und natürlich den Verbleib des kleinen Theo angeht. Die Aufklärung von letzterem ist vielleicht ein bisschen banal und im Nachhinein auch wirklich offensichtlich - trotzdem ist das Ende absolut befriedigend und erst während der letzten 100 Seiten hatte ich eine vage Vermutung, was sich zugetragen haben könnte. Bis dahin tappte ich im Dunkeln, was beweist, dass Kate Morton mühelos auch spannende Krimis und Detektivgeschichten (ganz wie ihre Figur Alice) schreiben könnte. 

Ungefähr ab der Mitte des Romans bin ich förmlich durch die Seiten geflogen. Ich verliere mich unheimlich gerne in Mortons Worten, ihren detaillierten Beschreibungen und ihren so einfallsreich gesponnenen Geheimnissen und Intrigen. Ich mag ihren Schreibstil, der es einem wirklich einfach macht, sich von der Story mitreißen zu lassen. Auch wenn sie es mir mit Das Seehaus zu Beginn etwas schwer gemacht hat. Aber: Es hat sich gelohnt.

Mein Fazit:

Es steht Morton drauf und es ist definitiv Morton drinnen: Das Seehaus ist ein weiterer fesselnder Roman der Bestsellerautorin, der einen mitnimmt an einen geheimnisvollen Ort und einen Schritt für Schritt ein dunkles Geheimnis in der Geschichte einer traditionsreichen Familie aufdecken lässt. Besonders gut gefallen haben mir die sehr komplexen Charaktere, die verschiedenen spannenden Handlungsstränge und der wundervolle Handlungsort. Einen Punkt muss ich bei der Bewertung aber dennoch abziehen, da mich die Geschichte nicht von Anfang an mitreißen konnte und mir das Ende einen Ticken zu rosarot und banal war. Aber alles in allem ein großartiges Buch und absolut lesenswert!


4 Kommentare:

Bücherfee hat gesagt…

Huhu,
für mich war "Das Seehaus" das erste Buch der Autorin und ich war wirklich begeistert.

LG,
Bücherfee

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo :)
Gefallen hat es mir auch wirklich gut, aber ich kann dir auf jeden Fall "Der verborgene Garten" empfehlen - das ist mit Abstand ihr bester Roman und für mich kam nie wieder eines ihrer Bücher da ran.

Liebe Grüße
Svenja

Bücherfee hat gesagt…

Vielen Dank, das werd ich mir mal bei TT auf die WuLi packen :)

LG,
Bücherfee

Svenja Prautsch hat gesagt…

Du kannst ja dann mal bescheid sagen, wie es dir gefallen hat, wenn du es gelesen hast :)

Liebe Grüße
Svenja

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