Freitag, 19. Februar 2016

REZENSION: "Stimmen" (Ursula Poznanski)

© Rowohlt Verlag

Titel: Stimmen

Autor: Ursula Poznanski

Genre: Thriller

Verlag: Rowohlt Verlag

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Broschiert (10,99€)

Seiten: 442

ISBN: 978-3-8052-5062-7


Inhalt

Ein toter Arzt führt Beatrice Kaspary und Florin Wenninger in die psychiatrische Einrichtung Salzburg-Nord. Wurde er von einem der Patienten auf der Traumastation ermordet? Oder fiel er einem seiner Kollegen zum Opfer? Nur mühsam kommen sie bei den Ermittlungen voran, denn das Personal ist verschlossen und die Patienten reden wirr. Wem kann man glauben und wem nicht? Und wer hat das Opfer nach seinem Tod mit Plastikbesteck dekoriert? Und vor allem: warum? Die Lage spitzt sich zu, als sich eine weitere Tragödie ereignet...


Cover

Düster, kalt, trostlos - so würde ich das Cover beschreiben. Nicht außergewöhnlich, aber durchaus angemessen für einen Thriller.

Meine Meinung

Von den bisherigen Vorkommnissen hat mich dieser Fall bisher am meisten interessiert, auch wenn ich nicht genau benennen kann, warum das so ist. Vielleicht liegt es daran, dass psychiatrische Kliniken als Handlungsort in diesem Genre immer einen gewissen Reiz ausüben, da die Patienten selbst unglaublich vielschichtig sind. Deren eigenen Historien, die in diesem Fall zu ihren jeweiligen Traumata geführt hat, sind isoliert schon schrecklich und bestürzend genug, aber in Kombination mit den Mordfällen nehmen sie eine neue Dimension an. Zum einen kann man hier nur bedingt von rationalem Handeln ausgehen, zum anderen stellen die Traumata natürlich extreme Hindernisse bei der Befragung dar. Die Antworten sind wirr, undurchsichtig oder - im extremsten Fall - erfolgen sie gar nicht. Umso mehr sind Bea und Florin auf ihre Kombinationsgabe beim Entschlüsseln von Gesten und Symbolen angewiesen. Ich fand es ungemein spannend zu lesen, auf welche Art und Weise Menschen miteinander kommunizieren können bzw. selbst zu versuchen, die Zeichen zu deuten. Auf diese Weise fühlt man sich als Leser immer ins Geschehen involviert und rezipiert die Geschichte anders. Man bekommt wieder genug Hinweise, damit man selbst seine Vermutungen anstellen kann. Genau genommen ist man sogar Bea und den übrigen Polizisten einen Schritt voraus, da man - wie auch schon in den früheren Bänden - wieder einen Einblick in die Gedankengänge einer in den Fall involvierten Person bekommt. Gleichzeitig hat mich eben diese Perspektive umso mehr verwirrt, da mir die meiste Zeit über der direkte Bezug nicht ganz klar war. Das, was man erfährt, ist so vage und abstrahiert dargestellt, dass ich nur Bahnhof verstanden habe. Das frustriert mich immer noch.
Was mich zudem immer wieder gewundert hat, war, dass eine gewisse Person scheinbar immer kurz nach der jeweiligen Tat bei der Leiche gewesen war und dort bewusst Botschaften platziert hat. Die Hinweise waren wichtig, keine Frage, aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum keiner hinterfragt hat, wie es möglich war, dass diese Person immer vor den Ermittlern am Tatort gewesen ist und die entsprechenden Indizien arrangiert hat. Mir persönlich kam das ziemlich merkwürdig und verdächtig vor.
Neben die Ermittlungsarbeit tritt wie gehabt auch Beas Privatleben. Die zuckersüßen Momente der Zweisamkeit zwischen ihr und Florin wurden immer genau an den Stellen platziert, an denen man mal etwas Pause brauchte. Zwischen den beiden sprühen regelrecht die Funken, was mich umso mehr gefreut hat.
Was Achim, ihren Ex-Mann betrifft, kann ich mich nur wiederholen: er ist und bleibt ein Störfaktor sondergleichen. Meiner Meinung nach ist er eine richtige Drama-Queen, denn sein einziges Ziel scheint zu sein, Beas Leben zu erschweren. Abgesehen von seiner fiesen Ader erhält man aber nach wie vor nur unzureichend Informationen über ihn. Daher bleibt er seltsam konturlos für mich und mir fällt es auch extrem schwer, nachzuvollziehen, warum Bea überhaupt mit ihm verheiratet gewesen ist.
Sehr auffällig bei diesem Band war, wie sich der Wechsel zwischen Recherchearbeit und Privatsphäre dieses Mal auch in der Sprache niedergeschlagen hat: wenn das Verbrechen geschildert wird, wird es blutig und (für meinen Geschmack) eklig und Ursula Poznanski hat bei den Szenen mit den Traumapatienten nicht an Vulgarismen und Kraftausdrücken gespart. Im ersten Moment fühlte ich mich von der harten Wortwahl etwas vor den Kopf gestoßen, aber man gewöhnt sich daran. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Auszüge aus Beas Privatleben. Hier wird der Ton deutlich sanfter und einfühlsamer. Über die Einblicke in ihre Gedankenwelt gewinnt man ein gutes Gespür für sie und kann ihre Emotionen nachvollziehen und es kreiert die richtige Stimmung für “gewisse Momente”.
Was das Ende betrifft, bin ich wieder einmal zwiegespalten. Es gibt zwar den genretypischen Höhepunkt durch die Auflösung des Falls und ich liebe es, wenn sich die Puzzleteile zusammenfügen; allerdings war es nicht ganz so fulminant, wie ich es erwartet hätte. Aus irgendeinem Grund kam bei mir nicht die nötige bedrohliche Stimmung auf. Vielleicht wieder beim nächsten Mal.

Fazit

Wieder einmal hat sich also gezeigt, dass Ursula Poznanski ihr Handwerk versteht. Sie schafft einen spannenden Fall, bei dem der Leser selbst etwas Miträtseln kann, und reichert diesen mit einigen romantischen Elementen an. Dadurch kann man quasi auf zwei Ebenen mitfiebern. Dennoch fehlte es mir - besonders am Ende - etwas an Dramatik.


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