Sonntag, 21. Februar 2016

REZENSION: "Sophia, der Tod und ich" (Thees Uhlmann)

Copyright Kiepenheuer & Witsch

Titel: Sophia, der Tod und ich

Autor: Thees Uhlmann

Genre: Roman / Humor

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Hardcover (18,99 €)

Seiten: 320

ISBN: 978-3462047936


Inhalt:

Gerade noch mitten im Leben und plötzlich steht der Tod vor der Tür und verkündet, in drei Minuten würde man sterben. Genauso geht es dem Erzähler in "Sophia, der Tod und ich". Allerdings ist die Geschichte hier noch nicht zu Ende, denn gerade als der Tod seines Amtes waltet, klingelt es erneut, was den Sensenmann völlig aus der Fassung bringt. Anstatt seinen Auftrag zu Ende zu bringen, schließt er sich seinem Opfer und dessen Exfreundin Sophia an, lernt das Leben kennen und entdeckt ganz neue Seiten an sich. Und der Erzähler? Im Angesicht des Todes denkt er darüber nach, was im Leben wirklich zählt...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist schlicht und relativ unauffällig gestaltet, gefällt mir aber wirklich gut. Vielleicht hätten die drei Figuren etwas größer sein können, denn so wirkt es fast, als würde der Hintergrund sie verschlucken.

Meine Meinung:

Wenn mein Brüderchen einmal freiwillig nach einem Buch verlangt, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Sophia, der Tod und ich wollte er vor allem deswegen lesen, weil der Autor einer seiner Lieblings-Musiker ist: Thees Uhlmann. Und wenn mein kleiner Bruder mir schon mal ein Buch empfiehlt, dann muss ich das natürlich auch lesen. Kommt ja schließlich nicht alle Tage vor :)

Zugegeben, anfangs war ich skeptisch - wie eigentlich bei allen Debüt-Autoren. Aber schon mit der ziemlich originellen und außergewöhnlichen Idee, die hinter seinem Roman steckt, hat Thees Uhlmann mich überzeugt. Auf eine recht skurrile und auf jeden Fall amüsante Art und Weise nähert er sich einem sensiblen Thema, vor das es uns allen ja irgendwie graut: Dem Tod. In Gestalt eines Menschen sucht der nämlich den namenlosen Erzähler heim und eröffnet ihm, dass er nur noch drei Minuten zu leben und anschließend mit ihm zu gehen hat. Durch das banalste aller Geschehnisse kommt es allerdings nicht dazu - es klingelt an der Tür und das bringt den eigentlich mit allen Wassern gewaschenen Sensenmann ganz schön aus dem Konzept.

Damit schafft Uhlmann eine skurrile Ausgangssituation, auf die eine Reihe von noch skurrileren Geschehnissen folgt. All das ist so absurd und gleichzeitig dermaßen banal und glaubwürdig erzählt, dass man einfach nicht daran zweifeln kann. Lässt sich der Tod eben von einer Exfreundin aus dem Konzept bringen und geht anschließend mit eben dieser und seinem Opfer ein paar Bierchen zu viel trinken: Wieso nicht? Mich jedenfalls hat die abstruse Story absolut in ihren Bann gezogen und mit einer ordentlichen Portion morbiden Humors auch köstlich unterhalten. 

Ein besonderer Kniff ist dabei, dass Uhlmann seinen Ich-Erzähler sich zwar recht genau beschreiben lässt, ihm aber keinen Namen gibt. So bleibt die Figur allgemeingültig und man hat das Gefühl, als würde man die Geschehnisse direkt durch die Augen des Erzählers sehen. Er könnte schlicht und ergreifend jeder sein, ein Durchschnittstyp, der aufgrund eines Herzleidens versterben soll und plötzlich dem Tod buchstäblich ins Auge sieht. Das, was anschließend passiert, zeigt, wie unvorhersehbar Leben und Tod sind und wie wenig Einfluss wir darauf haben. Der Aufschub gibt dem namenlosen Erzähler Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen, wer er wirklich ist, sein Leben zu rekapitulieren und in letzter Sekunde zumindest noch manches ins Lot zu bringen. Zum Beispiel mit seiner herzensguten Mutter, seiner störrischen, aber liebenswerten Exfreundin Sophia und seinem Sohn, den er seit dessen Geburt nicht gesehen hat.

Uhlmanns Protagonist ist eine gleichermaßen witzige, durchschnittliche, aber auch tragische Figur. Manchmal, vor allem wenn er sich mit dem Tod unterhalten hat, fand ich ihn urkomisch. Wenn die Sprache allerdings auf seinen Sohn kam, dem er seit seiner Geburt an jedem einzelnen Tag eine Postkarte schreibt, hatte ich Mitleid mit ihm und er machte mich ziemlich traurig. Seltsamerweise war ich allerdings nicht traurig, weil ich wusste, dass der Erzähler am Ende höchstwahrscheinlich sterben muss. Und das ist doch irgendwie bemerkenswert. Uhlmanns Geschichte macht auf wirklich geschickte Weise deutlich, dass der Tod eben doch ein Teil unseres Lebens ist. Und nicht immer ein besonders unangenehmer.

Die Geschichte vom Tod, seinem Opfer und dessen Exfreundin Sophia erzählt Uhlmann in einem recht unkonventionellen Stil, an den ich mich anfangs erst einmal gewöhnen musste. So werden zum Beispiel die Dialoge stellenweise im Dramen-Stil abgebildet (Ich: ... Er: ... Sophia: ...) und skurrile Wortneuschöpfungen sowie To-Do-Listen und die vom Protagonisten gezeichneten Postkarten eingebunden. Nach den ersten 50 Seiten bin ich aber schließlich gut in die Handlung reingekommen und fand die ungewöhnlichen, witzigen und manchmal etwas abstrusen Dialoge unheimlich komisch. Dass Uhlmann außerdem auf Umgangssprache und Dialekte zurückgreift, um seine Figuren zu charakterisieren, verleiht ihnen eine gewisse Authentizität und macht noch einmal deutlich, wie sehr aus dem Leben gegriffen die Geschichte sein könnte, wäre sie nicht so verdammt abstrus. Und das ist eben das Schöne daran. Ab und an hat mir der Protagonist zwar ein bisschen zu sehr geschwafelt und mich damit schon auch mal genervt, insgesamt aber war Uhlmanns ziemlich spezielle Art von Humor allerdings ein echter Hochgenuss - das hatte ich absolut nicht erwartet und war positiv überrascht.


Mein Lieblingszitat:

"Er: "Ach, dieses Nachgedenke über die letzten Wünsche, die man sowieso nicht teilen kann mit den anderen. Das macht mich ganz depressiv. Das macht mich noch depressiver als die ganze Abholerei."
Ich: "Charmant, sarkastisch, humorvoll, ironisch, depressiv und sieht fast so aus wie ich. Was der Tod nicht alles ist. Man muss sich wundern." (S. 19)

Mein Fazit:

Thees Uhlmanns Sophia, der Tod und ich ist ein völlig verrückter Roadtrip mit etwas abgedrehten, aber liebenswerten Charakteren, voller Sarkasmus, Abstrusität und einer ordentlichen Portion Humor. Überzeugt haben mich vor allem der unkonventionelle Erzählstil und die zum Brüllen komischen Dialoge, obwohl mir Uhlmanns Protagonist das ein oder andere Mal einen Ticken zu viel monologisiert. Bei allem Witz und Charme ist Sophia, der Tod und ich aber vor allem eines: Ein Roman, der uns zeigt, wie nah Leben und Tod beieinanderliegen und dass man ruhig mit dem zufrieden sein kann, was man erreicht hat.



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