Samstag, 20. Februar 2016

REZENSION: "Infernale 01" (Sophie Jordan)

Copyright Loewe Verlag

Titel: Infernale

Autor: Sophie Jordan

Genre: Dystopie / Zukunftsthriller

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Hardcover (17,95 €)

Seiten: 384

ISBN: 978-3785581674


Inhalt:

Davy führt ein perfektes Leben: Sie hat tolle Freunde, einen super süßen Freund, lebt in einem schicken Haus und ist an der Juilliard aufgenommen worden. Doch mit einem Mal ist nichts mehr, wie es war, denn Davy wird positiv auf das Mördergen HTS getestet. Von nun an wird Davy als Aussätzige behandelt und als potentiell gefährlich eingestuft. Ihre Freunde und auch ihre Eltern wenden sich von ihr ab und all ihre Träume zerplatzen. Während um sie herum alles zusammenbricht, muss sich Davy fragen, ob sie wirklich gefährlich ist - ob sie wirklich dazu fähig ist, einen Mord zu begehen.


So gefällt mir das Cover:

Das Cover gefällt mir sehr gut - es wirkt geheimnisvoll und ein bisschen mystisch und passt daher perfekt zur Handlung. Ich habe beim Anblick des Mädchens mit der Markierung auch direkt einen Kloß im Hals gehabt.

Meine Meinung:

Für Sophia Jordans neuesten Roman Infernale wurde ja ganz schon die Werbetrommel gerührt - mit Erfolg. Ich jedenfalls war total gespannt auf dieses Buch und wollte unbedingt wissen, ob es wirklich so gut ist, wie man es ja derzeit überall liest. Und ich kann vorab schon sagen: Auf jeden Fall!

Die Idee, die hinter der Geschichte von Davy Hamilton steht, fand ich von Anfang an unheimlich interessant, aber auch sehr beklemmend und bedrückend. Was wäre, wenn Genforscher eines Tages tatsächlich auf ein sogenanntes Mörder-Gen stoßen, das erklärt, wieso manche Menschen gewalttätig sind und andere nicht? Man fragt sich unweigerlich, wie man reagieren würde, wenn man selbst dieses Gen hätte oder die Mutter, der Vater, die Schwester oder der eigene Freund. Das Beängstigende dabei ist - und das ist auch das, was Infernale von so vielen anderen Dystopien unterschiedet -, dass es absolut vorstellbar ist. Die Genforschung macht immer größere Fortschritte und da ist es doch mehr als wahrscheinlich, dass so etwas wie das Mörder-Gen, sollte es existieren, irgendwann in naher Zukunft entdeckt wird.

Nahe Zukunft ist hier das Stichwort. Denn Jordans Roman spielt in den 2020er Jahren, weshalb er um einiges realistischer ist als andere Bücher des Genres. Das ganze Szenario wirkt erschreckend real. Damit meine ich nicht nur die Tatsache an sich, dass ein Mörder-Gen gefunden und nachgewiesen wird, sondern auch alles, was darauf folgt. Denn das ist die Entrechtung der sogenannten HTS-Träger, die als solche gebrandmarkt und schließlich sogar vor dem Rest der Bevölkerung weggeschlossen werden. Mehr als einmal kam mir der Begriff "Untermensch" in den Sinn und überhaupt erinnert der Umgang mit den HTS-Trägern teilweise stark an den Holocaust. Erst die Ausgrenzung und Brandmarkung, der Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben und dann die Internierung und schließlich sogar Mord. Die Regierung der USA greift zu extremer Gewalt, um sich vor vermeintlicher Gewalt zu schützen - ein verstörender Gedanke.

Das Erstaunliche dabei ist, dass man relativ schnell merkt, dass die Menschen, bei denen HTS nachgewiesen wird, von vornherein gar nicht das Problem sind. Vielmehr drängt die Regierung sie ins Abseits und zwingt sie dadurch dazu, zu Verbrechern und Mördern zu werden. Und ich bin mir absolut sicher, dass es ganz genauso laufen würde. Am besten sieht man das natürlich an Jordans Protagonistin Davy Hamilton: Sie ist eine tadellose Schülerin, hochbegabte Musikern mit glänzenden Aussichten, kommt aus einer angesehenen Familie, hat viele tolle Freunde und ist unsterblich in ihren Mitschüler Zac verliebt. Sie ist ein ganz normales Mädchen mit Wünschen und Träumen, vor der sich absolut niemand fürchtet. Doch dann ändert sich alles: Der Gentest macht Davy urplötzlich zur potenziellen Mörderin und auf einmal glaubt jeder zu wissen, dass sie zu extremer Gewalt fähig ist.

Davy ist ein Mädchen wie du und ich, man identifiziert sich mit ihr und kann sie komplett verstehen. Und genau das macht das, was mit ihr passiert, so unbegreiflich. Dass alle ihre Freunde und sogar ihre Familie sich von ihr abwenden und ihr teilweise sogar schaden wollen, hat mich teilweise so wütend und traurig gemacht. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ein blöder Gentest aus Davy angeblich einen komplett anderen Menschen macht. Kein Wunder, dass sie anschließend immer wieder an sich selbst zweifelt und sich fragt, wer sie eigentlich ist. Der Test hat sozusagen ihre ganze Identität ausgelöscht. Ein erschütternder und unendlich trauriger Gedanke. Und im Hinterkopf hat man immer die Frage: Kann es sein, dass Davy tatsächlich zur Mörderin wird, wie es ihr vorherbestimmt zu sein scheint?

Anfangs fühlt sich Davy nirgendwo zugehörig. Sie wurde aus ihrer "alten" Welt herausgerissen, kann sich aber auch mit dem Kollektiv der HTS-Träger nicht identifizieren. Hier setzt dann die unumgängliche Liebesgeschichte ein, denn allmählich fühlt sich Davy zu dem bereits markierten Träger Sean hingezogen, der sie ständig in Schutz nimmt, ansonsten aber ein eher reservierter und unzugänglicher Typ ist. Ab und an hat es mich ein wenig genervt, dass er einfach immer da ist, sobald Davy in Schwierigkeiten steckt, aber das Mädchen in mir war auch tief berührt, weil so ein gutaussehender, harter Kerl eben doch einen weichen Kern hat.

Die Geschichte ist von Anfang bis Ende unheimlich spannend und hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Ich möchte nicht zu viel verraten, deshalb nur so viel: Nach einem terroristischen Angriff durch HTS-Träger geht die Regierung der USA dazu über, alle Träger zusammenzupferchen, um sie zu kontrollieren. Davy und einige ihrer Freunde erhalten als Hochbegabte allerdings eine besondere Ausbildung, wahrscheinlich um aus ihnen Spione, Geheimagenten und Auftragsmörder zu machen. Und ab da nimmt die Geschichte einen Verlauf, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Es wird grausam, unwirklich und absolut verstörend und ich bin unheimlich gespannt darauf, wie es im zweiten Teil wohl weitergeht.


Mein Fazit:

Selten habe ich eine solch realistische und bedrückende Dystopie gelesen wie Sophie Jordans Infernale. Der Gedanke, dass man Menschen aufgrund ihrer Gene diskriminiert und sozusagen als vogelfrei erklärt, ist einfach nur erschreckend und furchtbar. Davys Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen und so konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Jordan schafft eine beklemmende Atmosphäre und ein erschreckendes Szenario und zieht den Leser mit authentischen Charakteren in ihren Bann. Ich bin unheimlich gespannt auf die Fortsetzung!





Die Reihe:

1. Band: Infernale
2. Band: Infernale - Rhapsodie in Schwarz (Juli 2016)

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