Freitag, 12. Februar 2016

REZENSION: "Es muss wohl an dir liegen" (Mhairi McFarlane)


© Droemer Knaur
Titel: Es muss wohl an dir liegen

Autor: Mhairi McFarlane

Genre: Roman / Liebesroman

Verlag: Droemer Knaur

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Broschiert (10,99€)

Seiten: 512

ISBN: 978-3-426-51795-6


Inhalt

Es braucht nur eine SMS, um Delias Leben in einen Scherbenhaufen zu verwandeln. Gerade noch schmiedet sie Heiratspläne mit ihrem Langzeitfreund Paul, im nächsten Moment erfährt sie per Zufall von dessen Affäre. Delia wird alles zu viel. Kurzerhand kündigt sie ihren Job (der sie ohnehin unglücklich gemacht hat), packt ihren Koffer und zieht vorerst zu ihrer besten Freundin Emma nach London. Überwältigt von der Großstadt und den Eindrücken beschließt sie, länger zu bleiben, als geplant. Bei der PR-Firma Cock & Tail findet sie einen Job, mit dem die Probleme erst richtig anfängt. Auf einmal sieht sie sich gefangen in einem Netz aus Lügen und wird darüber hinaus auch noch von dem arroganten (aber äußert attraktiven) Journalisten Adam erpresst. Und auch Paul hat nicht vor, aus ihrem Leben zu verschwinden.    

Cover


Die Gestaltung ist ist auffällig und ansprechend und irgendwie süß. Sie passt ziemlich gut zu Delias erfrischenden Charakter. Besonders gut gefällt mir, dass die Verlagsarbeiter von Droemer Knaur scheinbar eine durchgängige Linie für die Romane von Mhairi McFarlane anstreben, denn die abstrakte Darstellung und die Farbgebung lässt sich inzwischen auch bei ihren anderen Werken finden.


Meine Meinung


Der erste Pluspunkt ist die Protagonistin. Delia ist so eine Person, die man im realen Leben wahrscheinlich auf der Stelle knutschen würde. Sie ist das, was man tatsächlich als “Unikat” bezeichnen kann: herzlich und mitfühlend, öfter etwas naiv, blind und unsicher, aber mit einer eigenen Meinung, die sie in den meisten Fällen auch vertritt. Sie ist witzig und kreativ und von ihrem Kleidungsstil her erinnert sie mich sehr stark an Louisa Clark aus Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes: bunt, außergewöhnlich, kitschig, auffallend. Ich liebe so etwas! Allerdings war ich nicht restlos von ihr angetan. Erstens, weil ich es immer sehr schade finde, wenn Personen ihr eigens Potential und ihren eigen Wert nicht erkennen. Und zweitens, weil ihre Unsicherheit immer genau in den falschen Momenten die Oberhand gewonnen und sie deshalb hin und wieder Entscheidungen getroffen hat, die mich absolut sauer auf sie gemacht haben. Das spricht natürlich einerseits für mein Involvement in die Handlung, andererseits hat es meinen Lesegenuss hin und wieder unterbrochen.
Super fand ich, dass Delia nach der Enthüllung von Pauls Seitensprung nicht in Selbstmitleid versunken ist, sondern sich (angetrieben von ihrer wunderbaren Freundin Emma, die echt einen Auszeichnung in der Kategorie “Beste Freundin” verdient hätte) aufgerafft und einen mutigen Schritt gewagt hat. Klar, könnte man argumentieren, dass ein Umzug nur eine Flucht vor den eigenen Problemen darstellt, aber ich seh das im Gegenteil eher so, dass sie sich vollkommen neuen Ängsten gestellt hat (ich liebe Kurzschlussreaktionen in Büchern!). Zumindest geht es ab da richtig los in ihrem Sozialleben, denn am Himmel tauchen 2 neue männliche Bekanntschaften auf und auch Paul gedenkt nicht, Delia einfach ziehen zu lassen. Sie hat also die freie Wahl.  
Um ehrlich zu sein, wusste ich manchmal gar nicht, wen ich lieber mochte: Adam oder Peshwari Naan a.k.a “das Fladenbrot” a.k.a. - ach, findet’s selbst raus ;)
Zusammen wären sie der ultimative Traummann: Adams gutes Aussehen, seine manchmal grantige, aber dafür umso liebenswertere Art, seine etwas sadistische Ader in Kombination mit Peshwaris wunderbaren Humor und jugendlichem Charme würden sich perfekt ergänzen.
Bei Paul war ich die ganze Zeit skeptisch und wusste nicht recht, wo ich ihn einordnen sollte. Bei ihm verschwimmt die Grenze von Schwarz/Weiß ziemlich oft. Aus Delias Beschreibungen geht er meistens als ein wunderbarer, fürsorglicher, ja nahezu perfekter Freund hervor. Wegen all der süßen Details, die man über ihn und ihre gemeinsame Zeit erfährt, wollte ich ihn eigentlich mögen, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass er sie betrogen hat. Das ist einfach ein irreparabler Fehltritt in meinen Augen. Wenigstens hatte er den Anstand, das auch aufrichtig zu bedauern, weshalb meine Wut auf ihn einen kleinen Dämpfer erhalten hat. Wie Delia letztlich ihr und mein Dilemma gelöst hat und ob ich damit zufrieden war, verrate ich aus Spoiler-Gründen natürlich nicht, aber ich kann zumindest verraten, dass es diesbezüglich auch am Ende noch ein kleines Auf und Ab gibt.
Auch wenn das jetzt vielleicht so klingen mag, so war es (erfrischenderweise) doch keine reine Liebesgeschichte. Der Fokus liegt die meiste Zeit darauf, wie Delia in dem neuen Umfeld zurecht kommt. Ihr neuer Job ist eine echte Herausforderung und hat zu so manchen Situationen geführt, in denen ich nicht hätte mit ihr tauschen wollen. Die PR-Strategien, die McFarlane hier präsentiert, wechselten zwischen Altbekanntem und ziemlich außergewöhnlichem Vorgehen. Ebenso skurril waren einige Locations, die aufgesucht wurden. Das hat zusätzlich für Würze gesorgt. Ich fand es einfach schön zu sehen, wie Delia mit ihren Aufgaben und Herausforderungen gewachsen ist, wie viel Einfallsreichtum sie gezeigt hat und dass sie “im Kampf gegen das Böse” nicht aufgegeben hat. Wenn ich so etwas lese, dann bin ich gleich selber motiviert und bestärkt.
Über Ralph, ihren Bruder, möchte ich wenigstens zwei Sätze verlieren: Er ist einfach wahnsinnig süß auf seine Weise und wie die zwei miteinander umgegangen sind, war jedes Mal herzerwärmend mitzuverfolgen! Er war für mich sowas wie der heimliche Star in der Geschichte. Allgemein muss ich sagen, dass die Nebenakteure insgesamt sehr gut dargestellt wurden: man hatte nicht das Gefühl, nur lieblos an der Oberfläche zu kratzen, sondern man hat immer kleine, das Gesamtbild vervollständigende Details zu ihrer Person erfahren und die meisten hatten häufige und wichtige Auftritte innerhalb der Geschichte.
Man sollte sich vielleicht darauf einstellen, dass häufig geflucht und eine sehr plastische Sprache verwendet wird (vor allem von Seiten ihres neuen Chefs), aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Manche Sätze kamen so trocken rüber, dass ich kurz Auflachen musste. Abgesehen davon waren die spielerischen Dialoge zwischen ihr und dem Fladenbrot absolute Stimmungsaufheller - nicht nur für Delia, sondern auch für mich.
Außerdem möchte ich bei diesem Roman die Gestaltung würdigen: die Geschichte wird nämlich mit Auszügen aus Delias Comic Fantastic Fox kombiniert, was ein ausgesprochen gelungenes Extra zur Story ist. So liest man nicht nur von ihrem zeichnerischen Talent, sondern hat es direkt vor Augen. Allerdings weicht meine Vorstellung der Charaktere etwas von den gezeichneten Figuren aus. Damit kann ich aber leben.  
Mein Kritikpunkt ist eigentlich, dass ich gelegentlich fand, man hätte das Geschehen (besonders gegen Ende) etwas raffen können. Es schien mir unnötig herausgezögert zu sein.  

Fazit


Es muss wohl an dir liegen hat mich sehr gut unterhalten. Mal locker und leicht, mal chaotisch und niederschmetternd führt Mhairi McFarlane einen durch die Geschichte. Delia kommt gar nicht richtig zum Ausharren bei all den Neuerungen in ihrem Leben. Umso nachvollziehbarer war ihre Verwirrung. Manche Wendungen kamen auch für mich unerwartet, sodass es selten langweilig wurde. Es ist insgesamt eine Mischung aus Superheldenroman und Liebesgeschichte.


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