Donnerstag, 18. Februar 2016

REZENSION: "Endlich zu fünft" (Miina Supinen)

Copyright Suhrkamp Insel Verlag

Titel: Endlich zu fünft

Autor: Miina Supinen

Genre: Roman / Humor

Verlag: Suhrkamp Insel Verlag

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 357

ISBN: 978-3458361299


Inhalt:

Eigentlich ist Familie Silola eine echte Bilderbuch-Familie: Schickes Haus direkt am Meer, Vater ein europaweit berühmter Dirigent, Mutter angesehene Innenarchitektin, zwei erwachsene Kinder und ein von allen geliebtes Nesthäkchen. Eigentlich. Denn hinter der Fassade ist nichts so wie es scheint: Während die 22-jährige Tochter sich auf der Suche nach sich selbst auf das ein oder andere sexuelle Abenteuer einlässt und der 18-jährige Sohn sich mithilfe von straffem Workout und Steroiden endlich vom verhassten Babyspeck trennen will, fürchtet Mutter Katriina sich davor, dass bald jeder bemerken könnte, dass die 4-jährige Pelagia weder ihr noch ihrem Mann Launo, sondern eher dem attraktiven Tauchlehrer Tom ähnlich sieht...


So gefällt mir das Cover:

Das Cover ist ja recht speziell. Mir gefällt die Silhouette des Kindes mit der Kaugummiblase und den kleinen Strichmännchen, die für die Familienmitglieder stehen. Was ich weniger mag, ist die Farbgebung, denn die verschiedenen Pink- und Lila-Töne schreien förmlich Frauenroman und sind mir irgendwie zu klischeehaft. Aber ins Auge sticht das Cover auf jeden Fall.

Meine Meinung:

Ich hatte das Glück, auf Lovelybooks.de an der Leserunde zu Miina Supinens Debütroman teilnehmen zu können. Das Buch ist bereits 2007 in ihrem Heimatland Finnland erschienen, hat es aber jetzt erst zu uns geschafft. Und auch für mich war es eine Premiere: Mein erster Roman von einer finnischen Autorin!

Von Anfang an hat mir Supinens unheimlich erfrischender, unkonventioneller und moderner Schreibstil sehr gut gefallen. Er macht aus der Geschichte der finnischen Familie Silola eine leicht skurrile und amüsante Geschichte, die einen in ihren Bann zieht und vor allem zum Lachen bringt. Dabei schreibt Supinen aber auch schonungslos, ehrlich und etwas derber, was vor allem zu den Figuren hervorragend passt und ihnen eine gewisse Authentizität verleiht.

Eine anscheinend normale, aber eigentlich doch ziemlich komplizierte Familienkonstellation, ein offener, leicht überspitzter Erzählstil und irrsinnig komische Charaktere: Das Zusammenspiel dieser Faktoren macht Supinens Roman zu leichter, unterhaltsamer Lektüre mit Tiefgang. Familie Silola ist ein typisches Beispiel für "außen hui, innen pfui", denn hinter der Fassade der wohlhabenden, glücklichen Familie verbergen sich so einige schmutzige Geheimnisse. Innerhalb der eigenen vier Wände werden diese aber teilweise mit solch einer Selbstverständlichkeit zur Schau gestellt und offen zugegeben, dass es einfach nur zum Brüllen komisch ist.

Mein Favorit war ganz klar die 22-jährige Tochter Astra, die nicht nur selbstbewusst, offen und unerschrocken ist, sondern auch herrlich ehrlich und gerade heraus. Sie ist gerade in einer Art Selbstfindungsphase und hat überhaupt keine Probleme damit, ihrer Mutter gegenüber zuzugeben, dass sie sich aktuell auch an SM und Gruppensex versucht - natürlich unter der Verwendung vulgärer Ausdrücke. Da ist man als Leser schon mal schockiert, denn wer würde sich so etwas trauen? Astra ist absolut nicht klischeehaft dargestellt, sondern eine überraschende Kombination aus klugem Mädchen und Sex-hungriger, junger Frau. Auch ihr Bruder Silmu ist ein echtes Original, obwohl er ebenso wie die anderen Charaktere direkt aus dem Leben gegriffen und absolut authentisch ist. Er ist der unverstandene Teenager, der sich in seinem Körper nicht wohl fühlt und deswegen zuerst auf Krafttraining und dann schließlich auch auf Steroide setzt, um endlich Anerkennung zu finden. Er ist ein ziemlich tragischer Charakter, der sich leicht mitreißen lässt und irgendwie im Schatten seiner Schwester steht.

Doch die beiden ältesten Kinder der Silolas sind nicht die einzigen, die schmutzige Geheimnisse haben: Vor allem Mutter Katriina hat so einiges zu verbergen. Sie ist eine starke, erfolgreiche Frau, die trotz ihres Wohlstands auf dem Boden geblieben ist und die Familie mit strammem Regiment leitet. Sozusagen der Gegenpol zu ihrem leicht trotteligen Gatten, der nicht mal bemerkt, dass Katriina ihm Hörner aufgesetzt hat, als man ihn mit der Nase darauf stößt. Einfach köstlich! Dass Nesthäkchen Pelagia - ein ziemlich extravagantes Kind mit Kuscheltier-Fimmel - nicht von ihm ist, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einem echten Konflikt, der so manche ebenso tragische wie komische Auseinandersetzung - vor allem mit ihrem leiblichen Vater, dem schmierigen Tauchlehrer Tom - nach sich zieht.

Die Handlung ist sehr dynamisch und unvorhersehbar und es macht unheimlich Spaß, hinter die schöne Fassade der Familie Silola zu blicken und die einzelnen Familienmitglieder bei ihren Eskapaden zu begleiten. Die Charaktere sind eine spannende Mischung aus originell, außergewöhnlich und doch authentisch und aus dem Leben gegriffen, ohne stereotypisch zu wirken, und die Dialoge sowie der Erzählstil sind witzig und überaus amüsant. Man kommt einfach nicht umhin, sich am Ende zu fragen, was wohl aus den Silolas wird und ob das Leben für sie wohl genauso turbulent weitergeht. 


Mein Fazit:

Miina Supinens Debüt Endlich zu fünft erzählt die turbulente Geschichte einer vielleicht nicht ganz so normalen Familie. Der erfrischend unkonventionelle und stellenweise leicht vulgäre Erzählstil, die originellen Charaktere und die witzigen Dialoge lassen beim Lesen nicht ein einziges Mal Langeweile aufkommen und haben mich von der ersten bis zur letzten Seite unterhalten, amüsiert und zum Lachen gebracht. Eine Schriftstellerin, von der ich ganz bestimmt noch mehr lesen werde!



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