Mittwoch, 24. Februar 2016

REZENSION: "Ein Sommer ohne uns" (Sabine Both)

Copyright Loewe Verlag

Titel: Ein Sommer ohne uns

Autor: Sabine Both

Genre: Jugendroman / Liebesroman

Verlag: Loewe Verlag

Erscheinungsjahr: 2016

Format: Klappenbroschur (12,95 €)

Seiten: 240

ISBN: 978-3785582220


Inhalt:

Seit fünf Jahren sind Verena und Tom das absolute Traumpaar. Sie lieben sich und planen eifrig ihre gemeinsame Zukunft nach dem Abi. Doch plötzlich kommen Verena Zweifel: Will sie wirklich für den Rest ihres Lebens mit diesem einen Mann zusammen sein oder verpasst sie vielleicht etwas? Während ihre Freunde sich nämlich begeistert ausprobieren, bleibt Verena nur Tom - und plötzlich merken die beiden, dass das vielleicht doch nicht genug ist. Deswegen beschließen sie, sich erst einmal eine Auszeit voneinander zu nehmen und bis zum Studienbeginn eine offene Beziehung zu führen. Doch kann das gut gehen?


So gefällt mir das Cover:

Das Cover hat mich richtig neugierig auf die Geschichte gemacht, denn es ist unheimlich liebevoll und schön gestaltet. Das zarte Grün und die geschwungene Schriftart gefallen mir ebenso wie die Zeichnungen von dem Jungen und dem Mädchen, die sich im Buchrücken berühren. Wirklich eine tolle Idee!

Meine Meinung:

Ein Sommer ohne uns habe ich auf Lovelybooks.de bei einer Leserunde gewonnen, an der auch die Autorin Sabine Both teilgenommen hat. Ich war wirklich gespannt auf diesen Jugendroman, da das zentrale Thema "offene Beziehung" vielversprechend abwechslungsreich klang und jede Menge Drama und Konflikte versprach. Um ehrlich zu sein verpasste ich mir allerdings noch vor dem Lesen selbst einen Dämpfer und zwar indem ich feststellte, dass Sabine Both unter dem Pseudonym Franziska Moll schon den Roman Egal wohin veröffentlicht hat, der mir ja - wie ihr wisst - absolut gar nicht zugesagt hat. Natürlich wollte ich ihrem neuesten Buch aber trotzdem eine Chance geben und habe mich daran versucht.

In Ein Sommer ohne uns geht es um Verena und Tom, die gerade ihr Abitur gemacht haben und bereits seit fünf Jahren ein glückliches Paar sind. Im Klappentext erfährt man, dass die beiden sich unwahrscheinlich lieben, im Buch allerdings ist das eher schwer herauszulesen. Nur im ersten Kapitel, das fünf Jahre vor den eigentlichen Geschehnissen spielt und erklärt, wie Tom und Verena zusammenkamen, habe ich spüren können, wie sehr sich die beiden zueinander hingezogen fühlen. Danach haben mich beide Charaktere so gut wie überhaupt nicht berührt, was zum Einen daran liegt, dass sie mir zu oberflächlich und ohne jegliche Tiefe dargestellt sind, und zum Anderen daran, dass ich erneut Probleme mit Sabine Boths Schreibstil hatte.

Dieser ist für mich der größte Schwachpunkt des Romans. Sabine Both erzählt fast ausschließlich in einfachen, kurzen Sätzen, was die Geschichte sehr abgehackt, unzusammenhängend, kühl und emotionslos klingen lässt. Das Thema ist ja eigentlich recht emotional und doch wirkt Ein Sommer ohne uns von Anfang bis Ende wie ein sachlicher, nüchtern vorgetragener Bericht, der einen einfach nicht berührt. Der Schreibstil ist viel zu reduziert, das Thema zu komplex für so wenige Worte. Das führte dazu, dass ich mir weder die Charaktere noch bestimmte Situationen oder auch das Setting konkret vorstellen konnte. Wie schon bei Egal wohin hatte ich das Gefühl, einen schlecht inszenierten Schwarz-Weiß-Film zu schauen: Es war einfach alles grau in grau. Das hat den Lesefluss für mein Empfinden unheimlich gestört und führte dazu, dass sich der Roman sehr zäh lesen ließ und ich für die 240 Seiten ungewohnt lange brauchte.

Ein Aspekt des Erzählstils hat mir aber doch gefallen und das war der Perspektivwechsel. Both lässt die Geschehnisse abwechselnd aus Verenas und Toms Sicht schildern, was eine zu einseitige Sichtweise verhindert und das finde ich besonders bei einem solch schwierigen Thema sehr gelungen. Hin und wieder sympathisiert man zwar mal mehr mit Tom, mal mehr mit Verena, aber dadurch, dass man alles sozusagen immer aus erster Hand erfährt, schlägt man sich nicht auf die eine oder andere Seite und behält sozusagen den Überblick.

Die Lage der beiden konnte ich gut nachvollziehen, da ich mir durchaus vorstellen kann, dass wenn man sehr jung zusammengekommen ist und auch die ersten sexuellen Erfahrungen miteinander gemacht hat, man sich ab und an wünscht, sich mehr ausgetobt zu haben. Deswegen fand ich die Thematik, nämlich die Entscheidung, eine offene Beziehung auf Zeit zu führen, von vornherein äußerst spannend. Leider hat mich die Umsetzung auch nicht wirklich erreicht. Ich hatte das Buch schon zur Hälfte durch, als Verena und Tom schließlich den Entschluss fassen, sich eine Auszeit zu nehmen, und das hat mich doch ziemlich enttäuscht. Diese Auszeit wird dann relativ oberflächlich abgehandelt und nebenbei herlaufende Handlungsstränge, z.B. Probleme mit den Eltern, sorgen dafür, dass man sich nicht wirklich auf Toms und Verenas Geschichte konzentriert.

Trotzdem waren die letzten etwa 80 Seiten des Romans für mich die spannendsten. Zwar nicht so emotional, berührend und aufwühlend, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber dennoch dynamischer und rasanter als der Rest der Geschichte. Hier habe ich dann auch zum ersten Mal ein wenig mit den Protagonisten mitgefiebert und konnte mich in ihre Lage versetzen, denn man spürt ganz deutlich, dass sie beide diese Auszeit eigentlich gar nicht wollen, sich aber nicht trauen, das dem anderen zu sagen. Das ist übrigens das Hauptproblem der beiden: Dass sie einfach den Mund nicht aufbekommen und viel zu wenig miteinander kommunizieren. Man fragt sich schon ab und zu, woraus ihre Beziehung haupstächlich besteht, wenn sie so selten miteinander sprechen. Überhaupt haben mir die Dialoge leider gar nicht gefallen, denn auch hier dominierte der abgehackte Schreibstil, was sie nicht besonders authentisch wirken ließ. Ich jedenfalls bin noch nie jemandem begegnet, der sich derart nüchtern, sachlich und kurz angebunden unterhält wie Boths Charaktere.

Das Ende hat mir dann, ähnlich wie das auch schon bei Egal wohin der Fall war, aber doch sehr gut gefallen und den Roman noch einmal ein wenig aufgewertet. Es war ein absolut vorstellbares und wider Erwarten auch ein leicht emotionales Ende, mit dem ich mich sehr gut arrangieren konnte. Und deswegen bleibt mir Ein Sommer ohne uns trotz meiner vielen Kritikpunkte durchaus auch positiv in Erinnerung.

Mein Fazit:

Auch der zweite Roman, den ich von der Autorin Sabine Both gelesen habe, konnte mich letztlich nicht überzeugen und hat mich ziemlich enttäuscht. Die Idee gefiel mir von Anfang an sehr gut, die Geschichte klang vielversprechend, leider ist der Roman für mein persönliches Empfinden jedoch an der Umsetzung gescheitert. Ein viel zu nüchterner, emotionsloser Schreibstil, zu oberflächliche Charaktere und ein viel zu geringer Umfang haben verhindert, dass mich die Geschichte so berühren und mitreißen konnte, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte - die große angekündigte Liebesgeschichte blieb leider aus. Anfang und Ende und der gelungene Perspektivwechsel haben mir aber wiederum gefallen, weshalb ich am Schluss doch etwas zufrieden war.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen