Sonntag, 28. Februar 2016

REZENSION: "Der Game Master 01 - Tödliches Netz" (James Dashner)

Copyright cbt

Titel: Der Game Master - Tödliches Netz

Autor: James Dashner

Genre: Science Fiction / Jugendroman

Verlag: cbt

Erscheinungsjahr: 2015

Format: Taschenbuch (9,99 €)

Seiten: 416

ISBN: 978-3570309612


Inhalt:

Mit seinen 16 Jahren ist Michael bereits ein begnadeter Gamer und Hacker und verbringt so viel Zeit wie möglich im VirtNet. Doch nachdem er mit ansehen musste, wie sich eine andere Gamerin den eigenen Core herausriss und sich damit nicht nur im Spiel, sondern auch im echten Leben, umgebracht hat, ist für ihn nichts mehr, wie es war. Schnell wird klar, dass ein größenwahnsinniger und äußerst gefährlicher Hacker namens Kaine dahintersteckt. Michael und seine Freunde Sarah und Bryson werden auf ihn angesetzt und begeben sich auf ihrer Suche nach ihm immer tiefer hinein in die Abgründe des VirtNets, wo an jeder Ecke eine weitere große Gefahr auf sie lauert.


So gefällt mir das Cover:

Das Cover zu Der Game Master finde ich sehr gelungen: Es wirkt düster und bedrohlich, aufgrund der Wolkenkratzer aber auch modern und passt sehr gut zur Geschichte. Ich mag auch die senkrechte Schrift - alles in allem gefällt mir das Cover wirklich gut.

Meine Meinung:

James Dashners Roman Der Game Master war als dystopisch angehauchte Science Fiction für mich relativ unbekanntes Terrain. Der Klappentext klang aber vielversprechend und hat mich ein bisschen an Teri Terrys Mind Games erinnert. Auch Der Game Master spielt in einer Zukunft, in der sich das Leben hauptsächlich virtuell abspielt. In Dashners Roman gilt es, einen gefährlichen Hacker zu fassen, der im VirtNet so einige Unruhe stiftet - klingt erst einmal interessant und spannend, was es dann aber nicht wirklich ist.

Der Leser wird ziemlich unvermittelt in die Handlung und damit in eine recht konfuse, fremde Welt hineingeworfen. Es sind zu viele Eindrücke auf einmal und es fällt schwer, sie zu verarbeiten. Große Probleme haben mir zum Beispiel die zahlreichen neuen Begriffe bereitet, die für die Protagonisten offensichtlich zum alltäglichen Sprachgebrauch gehören und nur bedingt erklärt werden. Gegen Ende des Romans habe ich mich etwa immer wieder gefragt, was eigentlich die sogenannte "Holy domain" ist, nach der Michael und seine Freunde suchen - ich hatte es schlicht vergessen.

Die Handlung verläuft ziemlich rasant, es geht Schlag auf Schlag und es gibt kaum eine Seite, auf der nicht schon wieder etwas passiert bzw. es nicht zu einer Kampfhandlung kommt. Mir ging das alles zu schnell, denn so hatten weder die grundsätzlich interessante Geschichte noch die Charaktere die Chance, sich wirklich zu entfalten und vor allem zu entwickeln. Dashner setzt einfach vor allem auf Tempo und schießt damit deutlich über das Ziel hinaus. Seine virtuelle Welt bleibt oberflächlich und wirkt bei Weitem nicht so beeindruckend und realistisch wie zum Beispiel die in Terrys Mind Games. Das hat mich ziemlich enttäuscht, denn das Thema gibt einfach viel mehr her.

Die Charaktere bleiben zugunsten der vielen Infos und der übervollen Handlung leider auf der Strecke. Sie sind oberflächlich gezeichnet und man erfährt nur sehr wenig über sie. Protagonist Michael war mir weder sympathisch noch unsympathisch - er war einfach da, ohne einen großen Eindruck zu hinterlassen und wirkte dabei genauso blass wie seine Freunde Sarah und Bryson. Ich habe einfach an keiner Stelle wirklich mit ihnen mitgefiebert. Erstaunt hat es mich, dass Michael sowohl von seinen Feinden als auch von seinen Freunden und Verbündeten als außerordentlich klug und mutig beschrieben wird, er allerdings nichts tut, was das rechtfertigen würde. Er ging mir teilweise eher auf die Nerven, erschien mir wie ein weinerliches Kind und wäre schon dutzende Male gestorben, wenn Sarah und Bryson ihm nicht ständig den Hintern retten würden. Erst am Ende wird klar, weshalb Michael tatsächlich von so großer Bedeutung ist und ich muss sagen, dass das ein sehr gelungener Twist ist, mit dem ich nicht gerechnet hatte und der absolut überraschend kam.

Ein weiteres Problem des Romans ist, dass die Protagonisten und ihre Handlungen merkwürdig abstrakt erscheinen. Das liegt einfach an Dashners Konzept. Michael, Sarah und Bryson können vor allem eines richtig gut: Hacken. Und so wehren sie sich bei Angriffen nur, indem sie hacken und Codes scannen und das ist einfach etwas, das sich der Leser so nicht vorstellen kann. Wenn eben im Text steht "Er hackte den Code der Angreifer und brachte sie so zu Fall", dann sieht man nicht, dass die handelnde Person wirklich etwas macht und kann sich nicht vorstellen, was genauso sie tut. Das hätte Dashner irgendwie anders lösen müssen.

Sozusagen scheitern die gute Idee und die eigentlich spannende Geschichte an einem zum Bersten vollgepackten, verwirrenden und unstrukturierten Plot, oberflächlichen Charakteren und einer zu abstrakten Darstellung, die man sich nicht wirklich vorstellen kann. Dashner schöpft die von ihm aufgegriffenen Themen - allen voran die fast ausschließlich virtuelle Zukunft und die künstliche Intelligenz - nicht einmal annähernd aus und kratzt allerhöchstens an der Oberfläche.


Mein Fazit:

Der Auftakt zu James Dashners Game Master Trilogie hätte spannend und fulminant werden können, scheiterte aber an einem unstrukturierten, zu vollgepackten Plot, oberflächlichen Charakteren und einer virtuellen Welt, die statt beeindruckend und beängstigend platt und abstrakt wirkt. Lediglich das Ende hat mich wirklich überzeugen können und wäre Dashners Schreibstil nicht so angenehm und flüssig gewesen, hätte ich das Buch sicherlich schon eher abgebrochen. Die Reihe werde ich nun leider nicht weiter verfolgen, da es mich schlicht nicht interessiert, wie es weitergeht.




 Die Reihe:

1. Band: Der Game Master - Tödliches Netz

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